Die Stadtverwaltung hat sich entschlossen, die Fußgängerzone der Kaiserstraße und die angrenzenden Plätze Markt- und Europaplatz auf Grundlage der Musterfläche an der Ecke Kaiserstraße/ Kreuzstraße auszuführen. Nun soll der Gemeinderat für diese Entscheidung grünes Licht geben.

Einen Unterschied zu Musterfläche soll es aber geben, heißt es in der Beschlussvorlage weiter. Man habe sich gegen die tief grauen Steine entschieden, die den Musterbelag umrahmen. Wenn alles wie geplant verlegt wird, sollen sich die Kosten für den neuen Straßenbelag in der Kaiserstraße auf 40 bis 45 Millionen Euro belaufen.

Mischung aus großen und kleinen Steinplatten

Der Entwurf des Büros "Mettler Landschaftsarchitektur" sieht für die Neugestaltung der Kaiserstraße einen großformatigen Plattenbelag in den Seitenbereichen und ein kleinteiligeres Pflaster mit einer größeren Farbvielfalt in der mittleren Straßenzone vor.

Der Europaplatz soll durchgängig mit dem großformatigen Plattenbelag gepflastert werden. Nur im Bereich der Gleistrasse und der Fahrbahn in der Karlstraße ist ein kleinformatiges Pflaster vorgesehen, um auf  den Straßenbahn- und Autoverkehr aufmerksam zu machen.

Erster Entwurf konnte nicht überzeugen

Bereits im Frühjahr 2013 wurde in der Kaiserstraße eine erste Musterfläche mit unterschiedlichen Natur- und Betonsteinen verlegt, um über Material, Format, Farbigkeit und Verschmutzung des Belags Erfahrungen zu sammeln. Da diese Musterfläche in Bezug auf die Farbgebung der Steine noch nicht überzeugen konnte, beauftragte das Stadtplanungsamt das Büro "TSP-Design", das sich unter anderem mit Farb- und Materialplanung für Stadtbildgestaltung beschäftigt.

Neuer Straßenbelag in der Kaiserstraße

Das Frankfurter Architekturbüro erstellte ein Farbkonzept für den künftigen Bodenbelag der Kaiserstraße. Als Ergebnis wurden neben den warmen gelb-grauen Tönen, wie es bereits der Wettbewerbsentwurf vorsah, auch rötliche Farbnuancen in die Farbgestaltung aufgenommen.

Belag wird auf Belastbarkeit getestet

Der Plattenbelag als auch das zentrale Zierband wurden entsprechend weiterentwickelt, damit sie den unterschiedlichen Belastungen, wie etwa dem Anlieferverkehr, genügen können. In der Gemeinderatssitzung im Juli 2015 wurde der Planungsausschuss über die Entwicklung zum Natursteinbelag mit Angaben zu Material, Format, Farbigkeit und den geschätzten Gesamtkosten von rund 40 Millionen Euro informiert.

Um weitere Erkenntnisse zu gewinnen, wurde im Januar 2016 zunächst eine Arbeitsfläche mit verschiedenen Steinmaterialien und Einbauweisen im Bauhof Ost in der Ottostraße des Tiefbauamts angelegt. Die Musterfläche diente zum einen dazu, die Farbpalette der Steine zu überprüfen. Insbesondere sollte auch die Haltbarkeit der unterschiedlichen Steine sowie der vorgesehenen Unterbauten getestet werden, die auf dem Bauhof aufgrund des dort vorhandenen LKW- und Baumaschinenverkehrs simuliert werden konnten.

Musterfläche in der Kreuzstraße überzeugt

Anhand der gesammelten Erkenntnisse wurde im Juni 2017 dann eine weitere Testfläche in der Kaiserstraße eingerichtet. Doch der Aufwand für das Verlegen habe sich als recht hoch erwiesen. Außerdem stelle das vorgegebene Pflastermuster des Zierbands hohe Anforderungen an die Ausführung, heißt es in dem Antrag der Stadt.

Der Einbau der großformatigen Platten erfolgte aufgrund des Gewichts maschinell. Das Zierband wurde zu großen Teilen per Hand verlegt. Die Gesamtkosten an der "Musterfläche Kreuzstraße" beliefen sich auf etwa 80.000 Euro. In den Kosten sind die Entsorgung des Rückbaus, alle Materialien , maschinelle und personelle  Aufwendungen, inklusive Verwaltungskosten enthalten. Dies bedeutet einen Kostenaufwand von zirka 800 Euro pro Quadratmeter für die Musterfläche.

Zierband soll kleinen Anteil der Gesamtfläche ausmachen

Diese hohen Kosten resultieren nach Stadtangaben auch aus dem verhältnismäßig hohen Anteil des aufwendig zu verlegenden Zierbands innerhalb der Musterfläche. Bei der späteren Ausführung werde das Zierband, bezogen auf die Gesamtfläche, einen deutlich kleineren Anteil ausmachen, so dass für das Gesamtprojekt mit einem etwas geringeren Quadratmeterpreis für den Belag zu rechnen ist.

Die Kosten für die Gesamtmaßnahme liegen nach aktuellen Berechnungen bei zirka 40 bis 45 Millionen Euro. Die Unterhaltungskosten werden vom Tiefbauamt aufgrund des hochwertigen Materials auf zirka 250.000 Euro im Jahr geschätzt. Bislang beliefen sich die Unterhaltungskosten auf rund 150.000 Euro im Jahr.

Umgestaltung des Marktplatzes ab 2019

Auch die Barrierefreiheit wurde anhand der Musterfläche überprüft. So können der Belag und die Entwässerungsrinne mit dem Rollstuhl gut befahren werden. Das taktile Blindenleitsystem ist in den Stein gefräst und wird an den Haltestellenzugängen und Aufzügen zusätzlich in einem dunklen Stein ausgeführt, um hier den Kontrast für Sehbehinderte zu erhöhen.

Der Marktplatz könnte nach Plänen der Stadt voraussichtlich als erstes sein neues Gesicht erhalten. Nach Aussage der Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft (Kasig) werde der Marktplatz Anfang 2019 für eine Neugestaltung zur Verfügung stehen. Um entsprechend terminnah mit der Herstellung des Platzes beginnen zu können, sei es laut Stadt erforderlich, die weiteren Planungsschritte bereits jetzt in die Wege zu leiten.