Herr Genthner, "unerwartete Schadstellen im Bereich des Stahlüberbaus" - Was bedeutet das und wo befinden sich die Schadstellen genau?

Es wurden nach dem Entfernen des Asphaltbelags und der Schutzeinrichtungen sogenannte Einbrandkerben (Schweißfehler, Anm. d. Red.) im Stahlüberbau - also an der Brücke an sich - festgestellt. Diese befanden sich im Bereich vom Übergang der Fahrbahn für Lkws, also der ganz rechten Fahrspur, bis zum Geh- und Radweg.

Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
Nach dem Entfernen des Asphaltbelags wurden sogenannte Einbrandkerben - hier in der roten Umrandung - sichtbar. | Bild: Hammer Photographie

Dieser wurde beim Bau der Brücke angeschweißt, darüber lag dann die Schutzeinrichtung und dort entstanden eben die Schäden - fast auf gesamter Brückenlänge von rund 300 Metern.

Der Stahlüberbau besteht aus den Hauptträgern, der Fahrbahnplatte sowie eventuellen Kragarmen und Querträgern. Er soll die Last der Brücke und den darauf fahrenden Fahrzeugen auf den Unterbau - also Pfeiler und Widerlager - verteilen.
Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
Die betroffenen Stellen mussten abgeflext werden... | Bild: Hammer Photographie

Bedeutet das nun, dass neben der Fahrbahn der Brücke nun auch der Stahlüberbau "marode" ist und saniert werden muss?

Wir haben noch weitere Schäden im Bereich der Lkw-Hauptfahrspuren gefunden, das sind aber kleine Schäden, die problemlos ausgebessert werden können, da sind wir auch schon dabei. Es ist aber nicht so, dass die Schäden, die wir gefunden haben, dramatisch sind oder sich - wenn wir sie ausgebessert haben - auf die Standsicherheit des Bauwerks auswirken. Mit dieser einfachen Sanierung ist die Brücke für eine wirklich lange Zeit tauglich, den Verkehr aufzunehmen.

Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
... und wurden wieder neu verschweißt. | Bild: Hammer Photographie

Sind Sie in Sorge, dass nun kurz vor dem "Endspurt" noch weitere böse Überraschungen solcher Art ans Tageslicht kommen?

Wir haben jetzt eigentlich alle Punkte abgearbeitet, wo es Probleme geben kann. Nach dem Entfernen des Asphalts sind diese Schäden jetzt aufgetreten und wir rechnen nicht damit, dass im Nachgang noch weitere Schäden dazukommen.

Wie sehr wirft Sie dieser unerwartete Fund nun im Zeitplan der Sanierung zurück? Sind Sie zuversichtlich, dass das geplante Bauende Ende Dezember eingehalten werden kann?

Durch diese neu aufgetretenen Schäden verlieren wir etwa drei bis vier Wochen Zeit, um sie richtig zu sanieren. Das bedeutet, dass der Termin der Vollsperrung, um den hochfesten Beton aufzubringen, jetzt auf den Oktober verlegt werden muss. 

Rheinbrücke Betonage-Arbeiten
Im Zelt wird derweil fleißig alles für die Aufbringung des hochfesten Betons auf die Fahrbahn vorbereitet. | Bild: Hammer Photographie

Ihre Einschätzung: Könnte man die Verzögerung auf irgendeine Art und Weise wieder aufholen?

Wir prüfen derzeit - zusammen mit den Baufirmen - ob es möglich ist, durch eine Intensivierung der Bauarbeiten diese nach dem Einbau des ultrahochfesten Betons zu beschleunigen, um die drei bis vier Wochen wieder einzuholen. Darüber können wir aber auch erst in ein, zwei Wochen eine Aussage treffen.

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