"Es gilt, die akute gesundheitliche Notlage, die uns droht, abzuwenden" - mit diesen Worten wendet sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Mittwoch nach den Beratungen in einer Videobotschaft an die Bürger des Landes. Dabei seien Schnelligkeit, Entschlossenheit und Konsequenz essentiell, "sonst verlieren wir die Kontrolle über das Virus".

Die Ministerpräsidenten der Länder haben sich daher auf mehrere "harte Einschränkungen" geeinigt, die bundesweit ab 2. November gelten werden. "Wir handeln schnell, klar und einheitlich - das bringt Transparenz und schafft Vertrauen in die Maßnahmen", sagt Kretschmann.

Diese Einschränkungen wurden beschlossen:

  1. Kontaktbeschränkung: Ab Montag dürfen sich im öffentlichen Raum nur noch höchstens zehn Personen aus zwei Haushalten treffen. Laut Kretschmann sollen die Kontakte - "nach einer Zielvorgabe renommierter Experten" - um 75 Prozent reduziert werden, um als Maßnahme zu greifen.
  2. Freizeiteinrichtungen:  Diese Einrichtungen werden geschlossen: 
    • Theater, Konzerthäuser und ähnliche Einrichtungen
    • Messen, Kinos, Freizeitparks und Anbieter von Freizeitaktivitäten, Spielhallen, Spielbanken, Wettbüros und ähnliche Einrichtungen
    • Freizeit- und Amateursportbetriebe auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen, Schwimm- und Spaßbäder
    • Fitnessstudios und ähnliche Einrichtungen
  3. Veranstaltungen, die der Unterhaltung dienen, werden untersagt. Profisport darf nur noch ohne Zuschauer stattfinden.
  4. Gastronomiebetriebe sowie Bars, Clubs, Discotheken, Kneipen und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen. Ausgenommen: Die Lieferung und Abholung von Speisen für den Verzehr zu Hause bleibt erlaubt, der Kantinenbesuch ist weiter möglich.
  5. Private Reisen: Die Bürger werden aufgefordert auf Reisen - auch zu Verwandten - zu verzichten. Übernachtungsangebote werden nur noch für notwendige und "nicht touristische Zwecke" zur Verfügung gestellt.
  6. Dienstleistungen der Körperpflege: Kosmetik-, Tattoostudios, Massagepraxen und ähnliche Einrichtungen werden geschlossen. Medizinisch notwendige Behandlungen, wie Physiotherapie, Ergotherapie oder medizinische Fußpflege bleiben möglich. Friseursalons bleiben unter Hygieneauflagen geöffnet.
  7. Einzelhandel: Einzelhandelsgeschäfte bleiben unter Hygieneauflagen geöffnet. Wichtig: Es ist sicherzustellen, dass sich in Geschäften nicht mehr als ein Kunde pro zehn Quadratmeter Verkaufsfläche aufhält.
  8. Unternehmen werden aufgefordert, ihren Beschäftigten - wo immer möglich - die Arbeit im Homeoffice zu gestatten.
  9. Schulen und Kindergärten bleiben grundsätzlich geöffnet.

Einrichtungen und Betriebe, die von der Corona-Krise und den Einschränkungen betroffen sind, will der Bund laut Kretschmann "schnell und unbürokratisch" mit einer Nothilfe von insgesamt zehn Milliarden Euro unterstützen. Betriebe mit bis zu 50 Angestellten sollen 75 Prozent ihrer Umsätze des Vorjahresmonats erstattet bekommen, Betriebe mit mehr Mitarbeitern sollen voraussichtlich 60 bis 70 Prozent zurückerhalten.

In zwei Wochen wollen sich Bund und Länder erneut zusammenfinden, um über die Wirksamkeit der Maßnahmen zu beraten und, so Kretschmann, gegebenenfalls noch einmal nachzusteuern.

 
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