Öffentliche Outings sind für Betroffene nie leicht. Besonders dann, wenn die sexuelle Orientierung mit dem Glauben korreliert. Genau das ist jetzt aber bei #OutInchurch am vergangenen Montag passiert. 125 Mitarbeitende der katholischen Kirche haben sich als queer, bi-, trans-, oder homosexuell beziehungsweise nicht heterosexuell geoutet. Die Forderung: eine Änderung und Modernisierung der katholischen Sexmoral.

Kann die katholische Kirche toleranter werden?.
(Symbolbild) | Bild: Oliver Berg/dpa

Allerdings wollten viele von ihnen namentlich anonym bleiben. Der Grund: Menschen, die im pastoralen Dienst oder in der Religionslehre arbeiten, könnte bei einem Verstoß gegen die katholische Glaubens- und Sittenlehre die Kündigung drohen.

"Jeder Mensch ist willkommen"

Als ka-news.de bei der evangelischen Kirche und der katholischen Karlsruhe anfragt, ob und inwiefern die sexuelle Identität der Mitarbeiter Auswirkungen auf das Arbeitsverhältnis habe, liegen die Aussagen beider Häuser recht eng beieinander: beide begrüßen die Kampagne.  

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"Ich finde es gut, dass solche Themen öffentlich diskutiert werden", antwortet der Dekan der evangelischen Kirche, Thomas Schalla, auf Nachfrage der Redaktion. "Da geht es ja nicht darum, wie viele es sind, sondern darum, dass es ein Teil gesellschaftlicher Realität ist. Wenn eine Gesellschaft auf Dauer Menschen diskriminiert, dann muss man sowas auch zum Thema machen."

Thomas Schalla, Dekan der evangelischen Kirche Karlsruhe
Thomas Schalla, Dekan der evangelischen Kirche Karlsruhe | Bild: privat/Thomas Schalla

Schalla weiß von einigen Kirchenmitgliedern und -mitarbeitern, die der LBTQ-Community angehören. Eine Kündigung aufgrund seiner sexuellen Identität käme für den Dekan nicht infrage. "Grundsätzlich ist uns jeder Mensch willkommen, auch als Mitarbeiter unserer Kirche", sagt er im Gespräch mit ka-news.de und ergänzt: "Die Würde des Menschen ist nach christlicher Überzeugung von Gott geschenkt nicht davon abhängig, wie Menschen ihre Sexualität erleben, wenn sie damit niemanden schädigen. Vor Gott sind alle Menschen gleich und Diskriminierung verbietet sich deshalb grundsätzlich."

Menschen sollen "authentisch und unverfälscht" leben

Als E-Mail erreicht die Redaktion auch die Aussage von Hubert Streckert, seinerseits Dekan der katholischen Kirche in Karlsruhe. Er bestätigt, dass zu den haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Katholischen Kirche Karlsruhe "Menschen mit unterschiedlichen sexuellen Ausrichtungen und Identitäten" gehören, die sich mit der LBTQ-Community identifizieren.

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"Ich schätze die Arbeit aller meiner Mitarbeitenden in gleichem Maße hoch, ganz unberührt von deren sexueller Orientierung. Ebenso sind in den Gottesdiensten in Karlsruhe alle Menschen ohne Unterschied willkommen. Der Segen Gottes gilt allen Menschen gleichermaßen", betont der Dekan in seinem Schreiben. Auf die Frage, ob die sexuelle Orientierung aus den oben genannten Faktoren ein Kündigungsgrund wäre, reagiert er mit einem kurzen "Niemals."

Hubert Streckert, Dekan vom katholischen Dekanat Karlsruhe
Hubert Streckert, Dekan vom katholischen Dekanat Karlsruhe | Bild: privat/Hubert Streckert

Im Hinblick auf die #OutinChurch Aktion selbst antwortet Streckert dann ausführlicher, indem er auf die Grundtugenden des christlichen Glaubens, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit, verweist. Diese seien nötig, um ein "authentisches und unverfälschtes Leben" zu leben. Darum sei der Schritt, mit diesem Thema an die Öffentlichkeit zu gehen, zu begrüßen, "sofern dieser Schritt auf eine konstruktive und zielführende Diskussion hinführt." Was der Dekan allerdings genau unter konstruktiv und zielführend versteht, führt er nicht weiter aus.

Doch bei all der Akzeptanz, die die Karlsruher Kirchen wohl der LGBTQ-Community entgegenbringen: Wie sieht es denn mit gezielten Förderungs-oder anderweitigen Projekten aus?

Keine gezielten Projekte in Karlsruhe

Nach Angaben der beiden Dekane setzen sich sowohl die katholische als auch die evangelische Kirche in Karlsruhe für nicht heterosexuelle Personen ein. Allerdings nicht gezielt in aktiven Projekten wie beispielsweise #OutInChurch. 

Gottesdienst in Pandemie-Zeiten
Ein Gottesdienst in der Karlsruher Oststadt | Bild: Thomas Riedel

"Wir hier im Dekanat und auch auf Diözesanebene eine Reihe von Ansprechpartnern für die entsprechende Seelsorge", heißt es seitens der katholischen Kirche Karlsruhe auf Nachfrage der Redaktion. "Freilich könnte immer mehr getan werden, doch möchte ich darauf hinweisen, dass bereits einiges in der Seelsorge für LGBTQI+ Personen getan wird. Vieles davon, was die Seelsorge betrifft, geschieht naturgemäß in einem weniger öffentlichen Rahmen." Ebenso fände regelmäßig ein Segensgottesdienst für Paare jeglicher Orientierung statt.

Ein schwules Ehepaar sitzt nach ihrer Trauung im Hamburger Rathaus. Mit dem 1. Oktober ist die Ehe für alle in Kraft getreten.
(Archivbild):Ein schwules Ehepaar sitzt nach ihrer Trauung im Rathaus. Mit dem 1. Oktober 2017 ist die Ehe für alle in Kraft getreten. Die ersten Trauungen fanden in Berlin und in der Hansestadt statt. | Bild: Axel Heimken

Auch die "Konkurrenz" gibt gegenüber ka-news.de zu Protokoll, dass entsprechende Gottesdienste und eine Seelsorge für LGBTQ-Mitglieder zum Repertoire der evangelischen Seite gehören - ebenso wie die gleichgeschlechtliche Eheschließung. "Wir haben zwar kein gezieltes Anti-Diskriminierungsprogramm. Aber wenn es darum geht, sich gezielt mit dem Thema auseinanderzusetzen, beteiligt sich auch die Kirche", so Schalla.

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Auf die Nachfrage, ob denn die katholische Seite doch mehr mit der Thematik zu kämpfen habe, antwortet der Dekan: "Dazu möchte ich keinen Kommentar abgeben. Aber ich wünsche ihnen, dass sie möglichst liebevoll und wertschätzend mit den Menschen umgehen."