Zu Beginn der Verhandlung verliest die Staatsanwaltschaft die Anklageschrift gegen den 36 Jahre alten Mann, der seit der Tat in Karlsruhe in Untersuchungshaft sitzt. Am 23. Februar soll er gegen 1 Uhr in einer Gaststätte in Walzbachtal-Jöhlingen durch ein Fenster beobachtet haben, wie eine Wirtin die Gasstätte über einen Seitenausgang verlassen wollte. Er soll die Frau daraufhin überrascht, mit Messer bedroht und kurze Zeit später niedergestochen haben.

Durch mehrere Stiche in Richtung Oberkörper und den Hals der Frau wollte der Mann an die Handtasche der Frau zu gelangen. Durch die Stiche erlitt die Frau schwere Verletzungen im Bereich des Oberkörpers, die Tasche mit mehreren hundert Euro Bargeld habe der Mann entwendet, so die Staatsanwaltschaft.

Durch Messerstiche bestand eine konkrete Tötungsgefahr

Durch diese Messerattacke, die dem 36-Jährigen vorgeworfen wird, bestand aus Sicht der Staatsanwaltschaft eine konkrete Tötungsgefahr, da lebensnotwendige Arterien und Organe des Opfers hätten verletzt werden können. Der Angeklagte habe den möglichen Tod seines Opfers billigend in Kauf genommen, heißt es in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft. 

Der Anwalt des Angeklagten teilte zu Beginn der Verhandlung mit, dass sein Mandant keinerlei Angaben zur Sache machen werde. Der Kameruner wirkte während der gesamten Verhandlung sehr emotionslos und zeigte kaum eine Regung. Auch mit seiner Dolmetscherin und seinem Anwalt sprach der Mann auf der Anklagebank kaum etwas. Gegenüber dem Geschehen im Gerichtssal wirkte der Mann fast desinteressiert und teilnahmslos. 

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Beschuldigter war bereits in der Straßenbahn aggressiv

Ganz anders war das Verhalten des Beschuldigten in der Straßenbahn, wie Bilder der Videoüberwachung zeigen. Das Gericht spielt Video-Sequenzen vor, die den Angeklagten vor der Tatnacht in einer Tram zeigen sollen. Dabei wurden mehrere Fahrgäste von dem Beschuldigten belästigt, auch ein heller Gegenstand in den Händen des Angeklagten ist zu erkennen, der einem Messer oder einer ähnlichen Stichwaffe ähnelt. Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie er damit in Richtung eines anderen Fahrgastes fuchtelt.

Ein Beamter der Kripo, der vor Ort war, schildert als erster Zeuge der Verhandlung seine Wahrnehmungen der Tatnacht und der Festnahme des Mannes kurze Zeit später. Was den Mann aus Kamerun nach Aussagen des Kriminalbeamten dringend tatverdächtig machte: Das Handy des Opfers, das er bei sich hatte, sowie der als gestohlen gemeldete Geldbetrag. Auch ein Messer, das der Beschreibung der Tatwaffe ähnelte, wurde bei der Festnahme gefunden.

Verdächtiger nennt nicht getätigte sexuelle Handlung als Motiv

Anschließend verliest der Richter das Protokoll mit der Stellungnahme des Angeklagten, die er vor dem Haftrichter abgegeben hatte. Darin gab der Asylbewerber unter anderem an, dass er sich mit der Frau in Karlsruhe getroffen und Zeit mit ihr verbracht habe. Anschließend seien sie mit der Bahn nach Walzbachtal-Jöhlingen gefahren, den er nach eigenen Angaben nicht kannte. Dort soll es dann zum Streit wegen Sex gekommen sein.

Nach Schilderungen des 36-Jährigen habe ihm die Frau Geschlechtsverkehr für Geld angeboten. Als er gezahlt hatte, habe die Frau die ihm versprochenen sexuellen Handlungen jedoch verweigert. Es soll zu einem Gerangel gekommen sein, wobei er der Frau die Handtasche entriss. Woher das Messer stamme wisse er nicht. Er habe es an sich genommen - aus Angst überfallen zu werden. Das bei seiner Festnahme entdeckte Geld stamme von einem Freund, gab der Angeklagte im Protokoll an.

Opfer sucht in Schockzustand Hilfe bei Bekanntem

Als zweiter Zeuge sagt ein Mann aus, an den sich die verletzte Gastwirtin als erstes wendete. Da ihr Handy in der gestohlenen Handtasche war, flüchtete sie zu einem Bekannten, der nur wenige hundert Meter vom Tatort entfernt wohnt, um von dort Rettungskräfte zu alarmieren. Anschließend kehrte die Frau mit dem Bekannten zum Tatort zurück, wo die Polizei bereits eingetroffen war. Der Zeuge sprach von einem Schockzustand, indem sich das Opfer offensichtlich befand.

In der Nähe des Tatorts beobachtete der Zeuge einen Mann, der den Beschreibungen des Opfers ähnelte und machte die Polizeibeamten darauf aufmerksam. Diese konnten den Verdächtigen daraufhin festnehmen, wobei sich der 36-Jährige dabei heftig gegen die Festnahme wehrte. Nach Aussagen des Zeugen soll er die Beamten bei Festnahme auf "übelste Art" beschimpft haben.

Am Nachmittag sollen weitere Polizisten gehört werden, die an der Festnahme des Angeklagten beteiligt waren. Außerdem sind Zeugen aus der Straßenbahn vor Gericht geladen. Insgesamt sind vier Verhandlungstage am Landgericht angesetzt. Die Zeugenaussage des Opfers steht noch aus.