Das Wetter in Deutschland spielt verrückt - und zieht unangenehme Nebenwirkungen nach sich. Das Resultat: Deutschlandweit wird Hochwasser gemeldet. Besonders bei unserem Nachbar, dem Bundesland Rheinland-Pfalz, hat der Dauerregen enorme Wassermassen in Bewegung gesetzt.

Das ging sogar so weit, dass das Land Baden-Württemberg Hilfstruppen aussenden musste, um die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Sogar aus dem Kreis Karlsruhe wurden inzwischen Hilfskräfte in die Pfalz geschickt. Blüht der Fächerstadt da bald ein ähnliches Schicksal?

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Deiche halten 10-jähriges Hochwasser

"Wir haben es hier mit einem Ereignis zu tun, das alle 10 Jahre wiederkehrt", erklärt Jörg Vogel, Wasserbauingenieur und Amtsleiter des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamtes Oberrhein. Das heißt: Nur alle 10 Jahre überschreitet der Rhein bei Karlsruhe-Maxau die 8,57 Meter. Und genau das wird voraussichtlich in der Nacht von Freitag auf Samstag passieren. Denn laut der Hochwasservorhersagezentrale von Baden-Württemberg (HVZ) könnte der Rhein auf rund 8,60 Meter ansteigen.

Jörg Vogel, Amtsleiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein
Jörg Vogel, Amtsleiter Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Oberrhein | Bild: WSA-Oberrhein

Mit so enormen Auswirkungen wie in der Pfalz sei in Maxau allerdings nicht zu rechnen. "Die Deiche sind in Maxau recht dicht, die packen das. Selbst wenn da ein paar Menschen auf der Krone herumlaufen würden, so schnell weichen die nicht auf", so der Experte.

Knifflig würde es in der Regel erst werden, wenn das Wasser 4.200 Kubikmetern pro Sekunde erreicht. "An dieser Marke kratzt der Wert nur, da es doch deutlich weniger Niederschlag gegeben hat, als befürchtet", sagt Vogel und ergänzt: "Wir sind deshalb mit Ernst bei der Sache, aber ohne Panik. Zur Not gibt es immer noch Rückhalter, die eingesetzt werden können."

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Große Flüsse besser kontrollierbar

Aus einer anderen Perspektive sieht es wiederum die HVZ. Denn nach Angaben des Hydrologen Daniel Habekost müsse man grundsätzlich zwischen zwei Arten von Hochwasser unterscheiden: Das Hochwasser, welches von Nebengewässern wie zum Beispiel der Alb herführt, und das Hochwasser, von großen Flüssen wie dem Rhein.

Hochwasser Karlsruhe
Hochwassertourismus ist nicht gern gesehen. Den Karlsruher Deichen soll das aber nichts ausmachen. | Bild: Thomas Riedel

"Bei großen Flüssen steigt das Wasser langsamer, deswegen kann man die Lage besser einschätzen und man hat mehr Vorbereitungszeit. Eben auch, weil die Dammwacht alles inspiziert", so der Experte gegenüber ka-news.de. Dem gegenüber stehen die Nebenflüsse, die gewitterbedingt ebenfalls schwere Überschwemmungen mit sich führen können. Und genau das ist in der Pfalz nun passiert.

Aber warum eigentlich ausgerechnet dort, wenn Karlsruhe doch gar nicht so weit entfernt ist?

Solche Vorkommnisse "extrem unwahrscheinlich"

Dass es in der Pfalz oder auch in Lörrach dermaßen eskaliert, sei laut Habekost ein Stück weit dem Zufall geschuldet.

Der Grund: Wenn derartige Unwetter für eine Region angekündigt werden, kann es sein, dass die Gewitterzellen weiterziehen und ganz woanders runterkommen. "Solche schwerwiegenden Vorkommnisse wie aktuell in der Pfalz sind zwar extrem unwahrscheinlich. Doch wenn es soweit kommt, dann kann man sich nicht davor schützen", führt der Hydrologe weiter aus. 

Ein erster Eindruck aus dem vom Hochwasser besonders stark betroffenen Ort Schuld bei Adenau.
Ein erster Eindruck aus dem vom Hochwasser besonders stark betroffenen Ort Schuld bei Adenau. | Bild: Christoph Reichwein/TNN/dpa

Aktuelles Maxau-Hochwasser in der "Top Ten" angekommen

Doch auch Habekost sieht im Großen und Ganzen keinen Grund dazu, dass es aktuell in Karlsruhe zu ähnlichen Extremsituationen kommen sollte. Und das, obwohl es der momentane Wasserstand mit einem Pegel von 8,50 Metern "definitiv in die Top 10 des letzten Jahrhunderts geschafft habe".

Hochwasser Karlsruhe
Bild: Thomas Riedel

Viel mehr verzeichne die HVZ einen Abwärtstrend des Hochwassers. "Extremwerte sind in unseren aktuellen Daten nicht mehr sichtbar. Es kann noch zu lokalen Überflutungen kommen, aber ich schätze in gut einer Woche wird der Rhein sich wieder eingepegelt haben", so der Experte abschließend. Ob es in Zukunft jedoch weitere Schutz-Vorkehrungen gegen derartige Hochwasserausbrüche geben wird, kann der Hydrologe weder dementieren noch bestätigen.