In rund zwei Wochen, am 14. September, geht es für die Kinder in Baden-Württemberg zurück in die Klassen. Doch Corona wird an den Schulen weiterhin zu spüren sein: Außerhalb der Klassenräume ist für die Schüler eine Maske Pflicht, haben Eltern Bedenken, können Sie ihre Kinder sogar weiterhin zu Hause behalten. Das geht aus einem Rahmenkonzept des Kultusministeriums des Landes hervor.

"Mir graut es vor dem kommenden Schuljahr"

Wie haben die Eltern die Corona-Zeit erlebt und welche Sorgen und Ängste begleiten sie im Hinblick auf den anstehenden Schulstart? "Mir graut es vor dem kommenden Schuljahr", sagt Desiree Bauer, zweifache Mutter, im Gespräch mit ka-news.de. Ihrer jüngeren Tochter steht die Einschulung bevor, die ältere besucht ab September die fünfte Klasse.

Desiree Bauer, Mutter zweier Töchter aus dem Raum Karlsruhe.
Desiree Bauer, Mutter zweier Töchter aus dem Raum Karlsruhe. | Bild: Desiree Bauer

Sie selbst ist Erzieherin und während ihre Töchter zu Hochzeiten der Pandemie zu Hause blieben, musste sie täglich zur Arbeit, um die Notbetreuung in der Kita sicherzustellen. Unterdessen war ihr Mann im Home-Office und täglich ab 7.30 Uhr am Laptop. Die Betreuung der beiden Kinder eine Herausforderung.

"Es war eine arge Belastung"

"Zu arbeiten, auf die Kinder aufzupassen parallel unserer Großen bei den Schulaufgaben zu helfen war eine arge Belastung", sagt Desiree Bauer. Sie zerbreche sich oft den Kopf, wie es im kommenden Schuljahr weitergehen soll, sollte der Schulbetrieb nicht wie geplant regulär anlaufen.

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Die Schulschließungen waren für viele Familien eine große Herausforderung. (Archivbild) | Bild: Silvia Marks/dpa-tmn

Wie sehr die Zeit der Corona-Pandemie die Eltern gefordert hat, bekam auch Carola H. (Name von der Redaktion geändert) zu spüren.

"Ich möchte nicht immer nur in diesen Kasten gucken!"

Die Alleinerziehende ist Mutter von vier Kindern. Während drei von ihnen die Schulzeit bereits hinter sich gelassen haben, besucht ihre elfjährige Tochter - das Nesthäkchen - die sechste Klasse.

Die Schülerin hat auf einem Laptop eine Lernplattform geöffnet. Mit dieser Anwendung können Kinder auch bei Schulschließungen digital ...
Die Schülerin hat auf einem Laptop eine Lernplattform geöffnet. (Symbolbild) | Bild: Stefan Puchner/dpa

"Als gut empfunden habe ich, dass die Lehrer immer per Mail erreichbar waren", sagt sie im Gespräch mit ka-news.de. Doch schnell stellt sich heraus: Die Zeit war auch für sie alles andere als leicht. Denn: Einen Teil des Schulstoffes sollten sich die Kinder im letzten Schuljahr anhand von Arbeitspaketen selbst aneignen, zur Unterstützung gab es vier Video-Fernunterrichtsstunden pro Woche.

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(Symbolbild) | Bild: Florian Schuh/dpa-tmn

Doch zwei der Online-Unterrichtsstunden verweigerte die Elfjährige mit den Worten: "Ich möchte die anderen sehen und nicht immer nur in diesen Kasten gucken!" Sie habe die anderen Kinder und den Kontakt zu den Lehrern sehr vermisst und nicht verstehen können, aus welchem Grund zwar der tägliche Einkauf möglich war, nicht aber der Schulbesuch.

Wird das kommende Schuljahr den Eltern die Last nehmen?

Janina Rabold ist ebenfalls Mutter. Von ihren drei Kindern gehen bereits zwei zur Schule, ihre älteste Tochter besucht die sechste Klasse eines Gymnasiums.

Wie hat sie die Betreuung ihrer Kinder organisiert, als im März die Schulen aufgrund der Pandemie schließen mussten? "Ich habe mein Büro im Haus und konnte zum Glück parallel weiterarbeiten", erzählt sie.

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(Symbolbild) | Bild: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

Als Mitglied des Gesamtelternbeirates Ettlingen erfährt Janina Rabold hautnah von den Sorgen anderer Eltern. Das mit größte Problem im vergangenen Schuljahr: Das Bereitstellen der digitalen Geräte für den Fernunterricht. 

"Mit zwei schulpflichtigen Kindern wird einfach vorausgesetzt, dass die Familien zwei freie Laptops oder Tablets zur Verfügung haben - doch was, wenn die Eltern zeitgleich im Home-Office sind und die Geräte benötigen?", so Rabold.

Sowohl Janina Rabold, Carola H. als auch Desiree Bauer hoffen, dass das kommende Schuljahr regulär ablaufen kann und den Eltern, die in dieser schweren Zeit nicht nur als "Mama" und "Papa", sondern auch als Lehrer und Betreuer gefragt waren, einen Teil der Last nehmen wird.

 
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