Am Anfang stand eine leere Holzplatte - etwa einen Quadratmeter groß. Jetzt erhebt sich auf der anfangs schnöden Platte ein originalgetreues Modell der künftigen Kombilösungs-Haltestelle am Ettlinger Tor. Auf drei Ebenen haben Jugendlichen den dortigen Verkehrsbereich nachgebaut. Interessierte können sich noch bis zum Ende der Sommerferien im "K." anschauen, wie der Platz am Ettlinger Tor in etwa zehn Jahren aussehen wird.

Ettlinger Tor im Maßstab 1:87

Straßenbahnen im Stadtbahntunnel, wartende Fahrgäste und sogar das für den Haltestellenbereich vorgesehene dreifarbige Schattenspiel wurden in dem Modell berücksichtigt. Auch der Kriegsstraßentunnel wird detailliert dargestellt. Die einzelnen Ebene sind mit Aufzügen und Rolltreppen verbunden. Auf der obersten Ebene des Modells erstrecken sich detailliert die bestehenden Gebäude und der Infopavillon "K.". Auf den Straßen fahren kleine Modell-Autos, in den Parks und am Brunnen erholen sich Passanten. Sogar die Straßenlaternen leuchten. Der Betrachter bekommt ein gutes Gefühl, wie es einmal am Ettlinger Tor aussehen könnte. Und das alles im Maßstab von 1:87.

Andreas Mangold von der Karlsruher Schieneninfrastrukturgesellschaft (Kasig) lobte am Montag das Modell der Schüler: "Ich weiß gar nicht, warum wir eine Werbeagentur beauftragen, wenn Jugendliche das so toll hinbekommen." Die Kombilösung sei das spannendste Projekt der nächsten 150 Jahre in Karlsruhe - und mit dem Platz am Ettlinger Tor hätten sich die Jugendlichen ein besonders komplexes Modell ausgesucht.

"Die Jugendlichen waren sehr motiviert"

"Wir haben uns mit Absicht diesen komplexen Bereich rausgesucht. Denn wir wollten zeigen was Jugend schaffen kann, wenn sie motiviert ist", so Anna Stoll (21) vom Modellbauteam. Ihr Kollege Simon Stender ist ebenfalls begeistert von dem Projekt.  "Ich bin durch die kleinteilige Handarbeit viel ruhiger geworden", so der 20-Jährige. Auch die Zusammenarbeit und Kommunikation innerhalb der Gruppe streicht Stender positiv heraus.

Die Jugendlichen sind Teilnehmer einer Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB) bei dem Bildungsträger USS GmbH. Die BvB sind Fördermaßnahmen der Agentur für Arbeit mit dem Ziel, junge Menschen in Ausbildung oder Arbeit zu vermitteln. "Die Jugendlichen waren sehr motiviert", lobt Ursula Becker-Rumbler, Ausbilderin im Fachbereich Holz bei der USS. Die Idee für das Modell sei einem Kollegen im EDV-Bereich gekommen. "Wir wollten nicht nur theoretisch etwas durchnehmen, sondern uns auch praktisch und handwerklich mit der Kombilösung auseinandersetzen."

Probleme gemeinsam in der Gruppe lösen

Die 20 Jugendlichen haben dann in etwa 680 Arbeitsstunden recherchiert, die Baustellen besichtigt, Fotos abgeglichen und daraus Pläne entworfen. Dazu wurden die Proportionen der Gebäude und Fahrzeuge errechnet und schließlich auf der Holzplatte mit Holz, Metall und Plexiglas umgesetzt. Nicht immer habe alles gleich geklappt, wie es geplant war, so Ausbilderin Becker-Rumbler. "Die Jugendlichen haben dadurch gelernt, Probleme gemeinsam in der Gruppe zu lösen." Auch für die künftige Berufswelt hätten sie wertvolle Erfahrungen gesammelt, so wolle der ein oder andere Teilnehmer später einmal als Bauzeichner oder Schreiner arbeiten.

Die USS GmbH ist ein privater Anbieter im Bereich Aus-, Fort- und Weiterbildung, die unter anderem im Auftrag der hiesigen Arbeitsagentur mit Jugendlichen unter 25 Jahren, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, eine Berufsvorbereitung bis zu zehn Monaten durchführt. Der Umfang beträgt 39 Stunden in der Woche. Neben einer sozialpädagogischen Betreuung und der Schulung von EDV-Kenntnissen sollen die Jugendlichen eine individuelle Lernbegleitung bekommen, um schulische Defizite aufzuarbeiten und Einblicke in verschiedene Fachbereiche zu bekommen. Sie sollen damit auf eine Ausbildung vorbereitet werden.

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