Etwas nervös stehen die drei Mädels vor ihrem Plakat mit dem großen Bierkrug, das zurzeit überall in Karlsruhe zu sehen ist. Ihr Plakatentwurf ist Sieger beim DAK-Wettbewerb "bunt statt blau" in Karlsruhe. Mit der Aktion sollen Kinder und Jugendliche vor dem Komasaufen, dem exzessiven Alkoholgenuss Jugendlicher, gewarnt werden.

Dieter Bühler, Leiter des DAK-Regionalzentrums, nennt dramatische Zahlen: 25.700 Kinder und Jugendliche seien im Jahr 2008 mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus behandelt worden - davon 107 in einem Karlsruher Krankenhaus. Das bedeute im Vergleich zu 2003 einen Anstieg um 133 Prozent. Während der Alkoholkonsum bei Minderjährigen insgesamt zurückgehe, gebe es beim Komasaufen einen erschreckenden Anstieg – gerade bei jungen Mädchen.

Unter dem Motto "Kreativ gegen Komasaufen" sollten zwölf- bis 17-jährige Karlsruher bunte Plakate gestalten, um ihre Altersgenossen vor Alkoholmissbrauch zu warnen. Über 100 Plakate wurden eingereicht. Es waren einzelne Künstler, aber auch ganze Gruppen, Teams oder Klassen, die sich beteiligt haben. Anna-Maria Kühn, Franziska Stiegele und Rebekka Herbold vom Dominikus-Gymnasium setzten sich mit ihrem Plakat durch und können ihr Kunstwerk nun an jeder Ecke in Karlsruhe bestaunen.

Dem Thema Komasaufen im Alltag begegnen

Eine ehemalige Lehrerin brachte die Freundinnen dazu, beim Wettbewerb mitzumachen. Als die drei 13-jährigen von ihrem Sieg erfahren haben, konnten sie es zuerst nicht glauben. "Aber dann haben wir uns riesig gefreut", so die Gewinnerinnen. Dabei ist das prämierte Plakat kurzfristig entstanden, weil es ein Missverständnis mit der Lehrerin gab: "Wir haben zuerst ein Plakat zum Thema Rauchen gemacht".

Das Motiv mit dem gigantischen Bierkrug haben sie zusammen entwickelt. Auf der Schaumkrone steht: "Lass dir durch Alkohol keine Krone aufsetzen". Die drei rufen dazu auf, über sich selbst zu bestimmen und nicht den Alkohol bestimmen zu lassen.

Wie Dieter Bühler von der DAK erläutert, war das Ziel der Plakat- Aktion, das Thema "Komasaufen" in die Schulen zu tragen und dort die Diskussion über Probleme und Lösungsmöglichkeiten bei Schülern, Lehrkräften, Eltern und anderen Beteiligten anzustoßen. Dann stellte sich die Frage wie das Thema weiterhin zu den Jugendlichen gelangen könnte. Bus- und Straßenbahnhaltestellen, wo sie sich täglich aufhalten, erscheinen dafür ideal.

Das dachte sich auch Claus Ruh von der Firma Contact Werbung. In den Medien ist der Werbefachmann auf die Plakat-Aktion aufmerksam geworden und entschloss sich dazu, die Aktion zu unterstützen. Eine Woche lang wird die Werbefirma das Siegerplakat an etwa 300 Bus- und Straßenbahnhaltestellen kostenfrei ausstellen. Ruh hofft, dass das Sieger- Plakat  "Jugendliche aufmerksam macht und sie dazu anregt über das Thema nachzudenken".