Musik ertönt aus großen Musikboxen im Karlsruher Schlossgarten, immer wieder unterbrochen von aufgezeichneten Interviews mit Karlsruher Fridays for Future-Aktivisten. Die Stimmung: entspannt, aber trotzdem ernst.

Mit 1,5 Meter Abstand, Plakaten und Mund-Nasen-Schutz ausgerüstet startete am Freitag um 11 Uhr der erste Fridays for Future-Streik des Jahres in Karlsruhe. Mit einer über drei Kilometer langen Menschenkette, die von der Moltkestraße/ Erzbergerstraße über das Schloss und den Fasanengarten bis zur Parkstraße verläuft, wollen die Demonstranten auf die Energiewende aufmerksam machen.

Fridays for Future 25.09
Die Menschenkette in Richtung Fasanengarten | Bild: Paul Needham

Ein Blick über die Menge zeigt: Alle Altersgruppen sind am Freitag beim globalen Klimastreik vertreten und damit auch einige Schüler - die dafür die Schule sausen lassen. Da stellt sich die Frage: Warum findet der Streik erst jetzt statt - und nicht schon während der vor rund zwei Wochen beendeten Ferienzeit? 

Video: Verena Müller-Witt

Klima retten statt Schulbank drücken?

Paula Kanzleiter von Fridays for Future Karlsruhe hat da eine klare Meinung: "Würden wir nachmittags, am Wochenende oder in den Ferien auf die Straße gehen, hätten wir nicht annähernd dieselbe Aufmerksamkeit", sagt sie im Gespräch mit ka-news.de.

Paula Kanzleiter, Pressesprecherin für Friday for Future.
Paula Kanzleiter von Friday for Future | Bild: Verena Müller-Witt

Fridays for Future in Karlsruhe

"Die Aufmerksamkeit haben wir, weil es ein Streik während der Schulzeit ist, weil wir hier eine ganz konkrete Bedrohung für unsere Zukunft haben und dafür unsere Stimmen erheben. Das tun wir, indem wir eben einmal den Alltag durchbrechen und sagen: 'Hier ist Schluss.'"

"Das Klima zu retten ist wichtiger als zur Schule zu gehen"

Ähnlich sieht es Sylvia Kotting-Uhl, Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Grünen und Vorsitzende des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit: "Die Aufgabe, das Klima zu retten und damit unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren ist größer, als jeden Tag zur Arbeit oder zur Schule zu gehen. Das finde ich richtig so, denn diese jungen Menschen haben begriffen, worum es geht."

Video: Verena Müller-Witt

"Eine Krise verschwindet nicht"

Zu diesen "jungen Menschen" gehört auch Jule Brandl, die aktuell noch die Oberstufe besucht. Sie hat sich bewusst dazu entschieden, bei der Menschenkette mitzumachen. "Es ist das Mindeste, was ich tun kann", sagt die Schülerin im Gespräch mit ka-news.de.

Friday for Future Demo Karlsruhe
Schülerin Jule Brandl | Bild: Verena Müller-Witt

Selbst Corona schreckt die Demonstrantin nicht davon ab, am Klimastreik teilzunehmen: "Eine Krise verschwindet nicht, nur weil eine andere Krise auftaucht."

Auch die älteren Teilnehmer stehen dem Einsatz der Jugendlichen positiv gegenüber: "Klimaschutz ist das wichtigste Thema aktuell. Und solche Aktionen setzen nun mal Akzente", sagt ein älterer Herr, der sich in der Menschenkette eingereiht hat, gegenüber ka-news.de.

Menschenkette über drei Kilometer lang

Nach Angaben von Fridays for Future Karlsruhe nahmen insgesamt 3.500 Demonstrierende an der über drei Kilometer langen Menschenkette teil. Zu Zwischenfällen sei es nicht gekommen. Nach rund einer Stunde, um 12.15 Uhr, wurde die Aktion wieder aufgelöst. 

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