Die Südliche Waldstraße hat ihren eigenen Charme: Wer nach oben blickt, sieht Lampionketten, die von einer auf die andere Straßenseite gespannt sind, und auf dem Boden zieht sich in gelben Pflastersteinen einer der Karlsruher "Sonnenstrahlen" entlang.

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Doch etwas stört das Bild der "heimeligen" Einkaufsstraße: Einem Großteil des Karlsruher Gemeinderates sind die dort parkenden Autos ein Dorn im Auge. Einige Ideen stehen im Raum: Die Straße könnte in eine Fußgängerzone verwandelt, die Parkbuchten entfernt und der rege Radverkehr gedrosselt werden.

Auto oder autofrei: Ist eine Fußgängerzone die Lösung?

Derzeit gestaltet sich die Situation wie folgt: Die Südliche Waldstraße ist ein verkehrsberuhigter Bereich, sprich, dort dürfen Fahrzeuge nur mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Auf einer Seite der Straße sind Parkplätze eingezeichnet, auf der anderen Straßenseite besteht Halteverbot.

Südliche Waldstraße
Bild: Lena Kube

"Das Halteverbot wird oft missachtet, der Charakter der Straße ist derzeit der eines Parkplatzes, nicht der einer attraktiven Einkaufsstraße", so die Karlsruher Parteien SPD, Grüne, KAL, Die Partei und die Linke. Sie fordern die Stadt in einem Antrag dazu auf, die Südliche Waldstraße in eine autofreie Fußgängerzone umzuwandeln.

ka-news.de-Hintergrund: Die Südliche Waldstraße als Einzelhandelsstandort

Auch wenn in der Südlichen Waldstraße zahlreiche Geschäfte ansässig sind - von Möbelhäusern über Kleiderläden bis hin zu Gastronomie - zieht sie nicht viele auswärtige Besucher an. Fast 80 Prozent der Menschen, die dort einkaufen, stammen aus Karlsruhe. Das geht aus einem Gutachten zum Einzelhandelsstandort Karlsruhe hervor. Im Vergleich zu anderen Einkaufsstraßen ist die südliche Waldstraße vom Tourismus abgehängt. 

Doch ist die Verbannung der Autos - mit der Einführung einer Fußgängerzone und dem Aufheben der bestehenden Parkplätze - für die Straße ein Gewinn? Mit einhergehen würde, dass auch der Lieferverkehr nur zu bestimmten Zeiten die Geschäfte anfahren könnte. Auch potentielle Kunden könnten wohl nicht mehr direkt vor der Türe parken. Was sagen die ansässigen Läden zur Idee der autofreien Einkaufsstraße?

"Es wäre für uns eine Katastrophe"

Die Antworten könnten unterschiedlicher kaum ausfallen. "Für uns wäre die Einrichtung einer Fußgängerzone eine Katastrophe", sagt Mario Öhlinger vom Raumausstatter "Textile Wohnideen" im Gespräch mit ka-news.de. Das Problem sei die Anlieferung der Ware, denn eingeschränkte Lieferzeiten würden für ihn hohe Mehrkosten verursachen. "Wir würden sogar über eine Standortverlegung nachdenken", so Öhlinger.

Südliche Waldstraße
Das Lokal "Stövchen" und der Raumausstatter "Textile Wohnideen": Direkte Nachbarn, doch bei diesem Thema unterschiedlicher Meinung. | Bild: Lena Kube

Auf der anderen Seite gibt es auch Befürworter der Idee. Zu ihnen zählt Markus Muth, Inhaber des Lokals "Stövchen". "Eine Fußgängerzone würde die Südliche Waldstraße aufwerten, wir bekämen die Autos weg und die Besucher können endlich an den Schaufenstern vorbeibummeln", so seine Meinung. Darin, dass der Lieferverkehr nur zu eingeschränkten Zeiten an das Lokal anfahren könnte, sieht er kein Problem. 

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Doch nicht nur Autos, auch Radfahrer tragen zur beengten Verkehrssituation in der Südlichen Waldstraße bei. Dieser Ansicht sind sowohl "Textile Wohnideen"-Inhaber Öhlinger, dessen Geschäft in der Straße liegt, als auch die FDP, die Freien Wähler und die Wählergemeinschaft "Für Karlsruhe". Wie kann die Straße vom Radverkehr entlastet werden?

"Ich finde, es ist eine super Idee"

In Zukunft soll der Radweg eine Parallelstraße weiter östlich verlaufen - auf der Herrenstraße. Bis es soweit ist, wird aber wohl noch etwas Zeit vergehen. "Da diese Maßnahme in den Bauablauf der Kombilösung eingetaktet ist, lässt dich die Realisierung leider nicht vorziehen", teilt die Stadt Karlsruhe mit.

Südliche Waldstraße
Palmen, bunte Laternen - die Südliche Waldstraße. | Bild: Lena Kube

Neben Radfahrern und Autofahrern sind in der Südlichen Waldstraße aber natürlich auch Fußgänger unterwegs. Was sagen sie zu der Idee, hier in Zukunft vielleicht ohne parkende Autos entlangschlendern zu können? "Ich finde die Idee super" sagt Fußgängerin Anna, die ka-news.de vor Ort trifft. Ihr Begleiter Michael ist eher skeptisch: "An und für sich finde ich die Idee gut, aber ich denke, dass sie Probleme mit sich bringen wird - denn die Anwohner müssen ja auch irgendwo parken."

Ob die Straße letztendlich autofrei wird, bleibt allerdings erst einmal abzuwarten. Zunächst möchte die Stadt mit den Personen sprechen, die direkt von der Einführung einer Fußgängerzone betroffen wären: Zum einen mit den Geschäften und Restaurants, zum anderen mit den Bürgern.