Am vergangenen Montag fand auf dem Karlsruher Marktplatz eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen der Regierung statt. Allerdings ging es nicht um die Einschränkung der Grundrechte, sondern um das "gescheiterte Krisenmanagement der Bundes- und Landesregierung", wie es in einer E-Mail an die Redaktion heißt. Doch um was genau ist damit gemeint?

"Pandemie nicht auf dem Rücken der Bevölkerung austragen"

Absender der Mail ist Moritz Römmele. Er ist Organisator der Montagsdemonstration auf dem Karlsruher Marktplatz. Mit seinen Mitstreitern fordert Römmele "konsequenten Gesundheitsschutz und nicht das Austragen der Pandemie auf dem Rücken der Bevölkerung zugunsten der Profite der Großkonzerne."

Moritz Römmele ist 37 Jahre alt und zweifacher Familienvater.
Moritz Römmele ist 37 Jahre alt und zweifacher Familienvater. | Bild: Thomas Riedel

"So wie es aktuell läuft, wird es lange dauern, bis wir die Pandemie in den Griff bekommen. Während die Masse der Bevölkerung mit erheblichen Einschränkungen leben muss und Zehntausende von Gaststätten, Kultur- und Freizeitbetriebe sowie Hunderttausende Arbeiter um ihre Arbeitsplätze bangen, läuft in der Industrie, insbesondere in der Produktion alles fast wie gehabt", meint Römmele. 

Dieses "alles läuft fast wie gehabt" stößt dem Karlsruher sauer auf. "Der Virus ist gefährlich und Schutz ist jetzt besonders wichtig. Doch in manchen Bereichen läuft es so wie sonst."

Auch bei der Arbeit engagiert

Als Gewerkschafter im Daimler-Werk in Wörth, sieht er sich täglich mit Missständen konfrontiert. "Im Betrieb stehen wir Hintern auf Hintern und in Sachen Schutz werden nur Dinge umgesetzt, die die Beschäftigten austragen müssen. Sachen die auf Lasten des Betriebes gehen werden nicht gemacht", erzählt der Familienvater im Gespräch mit ka-news.de. 

Bundesweite Montagsdemo Marktplatz
Bild: Thomas Riedel

So wurde laut Römmele, ein langsamer laufendes Band von Daimler nicht umgesetzt und um zusätzliche Pausen für Mitarbeiter, die Masken tragen müssten, musste lange gekämpft werden. "Die Beschäftigten müssen einfach vieles ausbaden." Hinzu kommt: Obwohl die Gewinnerwartung bei "Daimler übertroffen wurde, wurde Kurzarbeit angemeldet." 

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In seinem Betrieb setzt sich der 37-Jährige für die Interessen seiner Mitarbeiter ein. Auf den Montagsdemos möchte er in Pandemie-Zeiten nun für die "Kleinen" und "Ärmeren" das Wort erheben. "Mini-Jobler und Leiharbeit leiden vor allem unter der Pandemie und brauchen nun Hilfe. Zusätzlich kann es nicht sein, dass Kultur und Gastronomie so lange auf die versprochenen Hilfen warten. Gleichzeitig bekommt die Lufthansa aber ganz schnell Milliardenhilfen", meint Römmele. "So was kann nicht sein und darauf wollen wir aufmerksam machen."

Abgrenzung von Querdenker-Bewegung

Wichtig ist Römmele dabei die klare Abgrenzung zur "Querdenken"-Bewegung. Mit Abstand und Maske wollen die Demonstranten sich für die "kleinen" unserer Gesellschaft einsetzten.

Bundesweite Montagsdemo Marktplatz
Bild: Thomas Riedel

"Wir leugnen die Pandemie nicht und Protest gegen die Politik der Bundes- und Landesregierung kann auch unter den notwendigen und richtigen Schutzmaßnahmen stattfinden", erklärt er und ergänzt: "Bei uns können Menschen Kritik üben, ohne zu gleich zu den Querdenkern zu gehören."

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Zwischen 30 und 40 Menschen seien am Montag auf dem Marktplatz zusammengekommen, so Römmele. Thema: Ein mindestens drei Wochen langer vollständiger Lockdown, in allen Bereichen. "Natürlich abgesehen vom Lebensnotwendigen. Aber wenn auch Industrie oder auch die Kinderbetreuung drei Wochen zu bleiben, würde das die Zahlen deutlich drücken", findet Römmele.

Noch mehr Bilder von der Montagsdemo:

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