Um einen Platz in einem baden-württembergischen Pflegeheim zu finanzieren, müssen die Bewohner mehr Geld ausgeben. Der selbst zu zahlende Anteil betrug zu Jahresbeginn 2541 Euro, wie aus Daten des Verbands der Ersatzkassen (vdek) mit Stand 1. Januar hervorgeht. Das sind 136 Euro mehr als Anfang vergangenen Jahres. Es gibt aber weiterhin große regionale Unterschiede. Im bundesweiten Schnitt beträgt die finanzielle Belastung eines Pflegebedürftigen in der stationären Pflege 2179 Euro, 111 Euro mehr als vor einem Jahr.

Im Vergleich der Bundesländer am teuersten bleiben Heimplätze in Nordrhein-Westfalen mit nun durchschnittlich 2542 Euro. Am niedrigsten ist die finanzielle Belastung für Heimbewohner dagegen in Sachsen-Anhalt mit 1588 Euro im Monat.

"Für die Gewinnung der dringend benötigten Fachkräfte braucht es eine Aufwertung"

In den Summen ist zum einen der Eigenanteil für die reine Pflege und Betreuung enthalten. Denn die Pflegeversicherung trägt - anders als die Krankenversicherung - nur einen Teil der Kosten. Für Heimbewohner kommen daneben aber noch Kosten für Unterkunft, Verpflegung und auch für Investitionen in den Einrichtungen dazu.

Verdi-Pflegeexpertin Irene Gölz meinte, die höheren Kosten im Südwesten würden sich vor allem aus dem höheren Lohnniveau in der Altenpflege ergeben. "Es ist natürlich gut, wenn hier in der Altenpflege überwiegend gut bezahlt wird. Für die Gewinnung der dringend benötigten Fachkräfte braucht es eine weitere spürbare Aufwertung." Deshalb sei es schlecht, dass Heimbewohner automatisch höhere Pflegesätze zahlen müssten, wenn die Bezahlung der für sie wichtigen Beschäftigten verbessert werde. "Die langfristige Lösung kann nur eine Pflegevollversicherung und die Übernahme aller pflegebedingten Kosten durch die Pflegeversicherung sein. Wir brauchen aber kurzfristig mindestens die weitere Senkung der Eigenanteile", forderte Gölz.

Ausgaben sollen nicht zu Lasten von Pflegebedürftigen gehen

Zum Schutz vor steigenden Zuzahlungen greifen seit Jahresbeginn erste Entlastungen, die noch die alte Bundesregierung besiegelt hatte. Heimbewohner bekommen neben den Zahlungen der Pflegekasse jetzt einen Zuschlag, der mit der Pflegedauer steigt. Der Eigenanteil für die reine Pflege soll so im ersten Jahr im Heim um 5 Prozent sinken, im zweiten um 25 Prozent, im dritten um 45 Prozent und ab dem vierten Jahr um 70 Prozent. Der ehrenamtliche Vorsitzende des Verbands der Ersatzkassen, Uwe Klemens, sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Entwicklung bei den Eigenanteilen müsse genauestens beobachtet werden. Gegebenenfalls seien weitere Begrenzungsmaßnahmen nötig.

Das Sozialministeriums in Stuttgart forderte eine Reform der Pflegeversicherung. Ein Sprecher sagte: "Die Eigenanteile sollen dabei im Sinne eines 'Sockel-Spitze-Tausches' begrenzt werden, sodass Mehrausgaben nicht mehr wie bislang automatisch zu Lasten von Pflegebedürftigen und Angehörigen gehen." Insbesondere setze man sich dafür ein, die pflegebedingten Eigenanteile sofort ab dem ersten Tag des Pflegeheimaufenthaltes zu deckeln.