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Karlsruhe/Göttingen: Karin Binder vom Linke-Parteitag: "Das ist keine Selbstzerfleischung"

Karlsruhe/Göttingen

Karin Binder vom Linke-Parteitag: "Das ist keine Selbstzerfleischung"

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    Bundestagsabgeordnete Karin Binder (Linke)
    Bundestagsabgeordnete Karin Binder (Linke) Foto: (ps)

    Frau Binder, der Parteitag in Göttingen war bisher geprägt von Kandidatensalat, offenen Streitereien und Intrigen. Fühlen Sie sich ein bisschen wie im politischen Kindergarten?

    Nein. Warum? Es ging nicht um Intrigen. Im Gegenteil, es fanden hier auf dem Parteitag sehr viele, sehr offene Gespräche statt. Es war ein offener Umgang, auch zwischen den verschiedenen Strömungen und Flügeln. Es wurde sehr offen über die Konstellationen im Vorstand und deren Wirkung auf die Partei diskutiert. Und es war klar: Wir brauchen ein Stück weit einen Neuanfang, eine neue Aufstellung.

    Die Linke hat mit Katja Kipping und Bernd Riexinger ein neues Führungsduo gewählt. Neubeginn oder Desaster?
    Das ist ein Aufbruch, auch wenn im ersten Moment sicher einige Genossen und Genossinnen aus dem Osten enttäuscht sind. Ich bin sehr froh über den Wahlerfolg von Katja Kipping und Bernd Riexinger. Im Endeffekt hat das Team gewonnen, bei dem ich mir am besten vorstellen kann, dass es die Partei nach vorne bringt. Ich denke, sie sind in der Lage, die unterschiedlichen Parteiflügel zusammenzuführen und auch die Mitglieder im Osten und Westen zu einen.

    Wie kann es der neuen Doppelspitze gelingen, die tief zerrissene Partei wieder zu vereinen und eine Spaltung zwischen ost- und westdeutschen Linken zu verhindern?
    Ich denke, dass dieses Duo - zusammen mit einem guten und ausgewogenen Team - viel erreichen kann. Mir ist es immer ein Gräuel von Einzelnen als der Parteispitze zu sprechen. Die Partei lebt von einem Vorstand, der zusammenarbeitet. Dieser Vorstand muss dafür sorgen, dass auch an der Basis ein Austausch stattfindet. Die Basis Ost und die Basis West müssen sich besser kennenlernen.

    Ein seit Wochen tobenden Machtkampf, Affären, Streitigkeiten und Beleidigungen - die Linke wurde von einer Einheitspartei zu einer Partei der Selbstzerfleischer. Warum?
    Von Selbstzerfleischung kann nicht die Rede sein. Natürlich spielt bei der Besetzung von Ämtern Macht immer eine gewisse Rolle. Das ist in der Politik eben so - nicht nur bei den Linken, sondern bei allen Parteien. In der gesamten Politik heißt es: Wer die Macht hat, hat das Sagen. Ich bin daher eine starke Befürworterin von Verteilung der Macht. Es ist gut und wichtig, dass diese Machtpositionen im Vorstand auf viele verschiedene Personen und Gruppen in unserer Partei verteilt werden. Alle müssen an einem Tisch sitzen. Das war leider im letzten Vorstand nicht ganz so glücklich geraten. Es war klar: So kann es auf Dauer nicht funktionieren. Wir haben durch diese Wahlen eine neue Chance, ein richtiges Team zusammenzukriegen. Diese Partei nach vorne zu bringen, das ist ein Mannschaftsspiel. Es muss um eine neue Art der Zusammenarbeit gehen. Und das werden wir hinbekommen.

    Im Machtkampf um den Parteivorsitz hatte sich Ex-Parteichef Oskar Lafontaine bereits in der vergangenen Woche zurückgezogen. Er galt als Zugpferd der Partei und stand für ihren Erfolg. Wie schmerzhaft ist sein Rückzug?
    Oskar Lafontaine hat sich ja nicht komplett zurückgezogen. Er wird dieser Partei als Ratgeber treu bleiben. Er ist nach wie vor eine wichtige Galionsfigur. Ich habe keine Angst, dass er uns verloren geht. Seine Entscheidung, nicht für den Parteivorsitz zu kandidieren, war aufgrund der Auseinandersetzung mit Dietmar Bartsch richtig. Es war richtig, die Partei nicht dieser Zerreißprobe auszusetzen.

    Laut einer Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur dpa glaubt fast die Hälfte der Deutschen nicht daran, dass die Linkspartei den Wiedereinzug in den Bundestag im nächsten Jahr packt. Kann die neue Doppelspitze die Linke bis zur Bundestagswahl 2013 wieder in die Spur bringen?
    Ja. Ich spüre eine neue Motivation. Es stehen neue Gesichter im Vordergrund. Neue Köpfe bedeuten neue Gedanken und neue Ideen. Diese Pluralität muss die Linke nutzen, denn damit können wir punkten. Das bringt uns vorwärts.

    Werden Sie dann selbst wieder im Wahlkreis Karlsruhe-Stadt antreten?
    Ja, das habe ich vor.

    Karin Binder sitzt seit 2005 im Bundestag. Ihr Wahlkreis ist Karlsruhe-Stadt. Im November 2009 wurde sie in den Geschäftsführenden Kreisvorstand der Karlsruher Linken gewählt. Die 54-Jährige ist in Stuttgart geboren und aufgewachsen.

    Das Gespräch führte Moritz Damm

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