Viele Jahre hat Kohler in der arabischen Welt verbracht und sich mit einem anderen Kulturkreis angefreundet - er kennt noch den alten Glanz von Misrata und Tripolis, wo inzwischen harte Kämpfe stattgefunden und viele ihr Leben verloren haben. Auch arabische Worte gehen ihm immer noch leicht über die Lippen.

Horst Kohler hat die halbe Welt bereist

Sein Arbeitsleben hat an unzähligen Orten auf der Welt stattgefunden, die übrig gebliebene Neugierde hat er stets mit Reisen in aller Herren Länder befriedigt. Gerne zeigt er seine alten Reisepässe, in denen sein 40 Jahre jüngeres Ich dem Betrachter entgegen lächelt - mit langen Locken im Stil der Siebziger und einem lebensfrohen Lächeln. Lebensfreude hat er sich bis heute unübersehbar bewahrt, wenn auch sein Budget inzwischen mit einer schmalen Rente begrenzter ausfällt - das Reisen muss hinten anstehen. "Ich bin ein sehr sparsamer Mensch", gesteht er.

Um sein Taschengeld etwas aufzubessern, hat er sich 2007 für den Verkauf der Karlsruher Straßenzeitung anwerben lassen. Inzwischen zeichnet er hauptsächlich verantwortlich für den Fortbestand des Blattes. Während er als Verkäufer an der Haltestelle Herrenstraße auch ab und an ein Schwätzchen mit unzähligen Freunden und Bekannten hält, träumt er davon, mit dem Erlös des "Karlsruher Straßen-Kinds" eines Tages selbst ein soziales Projekt unterstützen zu können.

"Wir schreiben unsere Beiträge im Internetcafé"

Bis dahin liegt aber noch ein weiter Weg vor ihm und seinen drei Kollegen Michael, Torty und Lothar. Denn erst Anfang des Jahres stand der Fortbestand der Zeitung in den Sternen, nachdem Gründer Helge Prase im Dezember überraschend verstorben war. Kohler übernahm daraufhin das Regiment und inzwischen blickt das Team bereits auf die vierte Auflage. "Allerdings müssen wir bei jeder Ausgabe weiter zittern", berichtet er.

Es fehlt schlicht am Geld. Noch immer hat das "Karlsruher Straßen-Kind", wie die Zeitung seit diesem Jahr heißt, kein eigenes Büro. "Unsere Beiträge schreiben wir deshalb im Internetcafé und das Layout macht der Drucker für uns", erzählt Kohler. Auch die gesamte Vernetzung und Infrastruktur der Straßenzeitung bauen sie gerade erst neu auf.

Um die Zeitung zu retten, investierte Kohler gar eigene Ersparnisse in die Druckkosten. "Inzwischen haben wir dieses Geld zum Glück aber wieder eingenommen", betont er. Nun hofft er auf reges Interesse von Anzeigenkunden aus der Stadt. Denn wie in jeder anderen Zeitung kann man im "Karlsruher Straßen-Kind" inserieren: Eine Viertelseite kostet 110 Euro, eine halbe 220 Euro, und die ganze Seite gibt es zum Preis von 390 Euro. "Nur mit dem Anzeigengeld können wir uns irgendwann ein Büro leisten und die Druckkosten decken", meint der Rentner. Denn während 90 Cent des Kaufpreises von 1,80 Euro an den Verkäufer gehen, müssen die restlichen 90 Cent derzeit alle Ausgaben begleichen.

Großer Traum: Eines Tages ein soziales Projekt unterstützen

Im Schnitt legen die Macher etwa 2.500 Exemplare auf. Vor allem weil aber das letzte Journal zum ersten Mal ein farbiges Titelblatt hatte, wurde es zwar viel schöner – aber auch etwas teurer. Falls eines Tages aus dem Verkauf des Blatts genug Geld übrig bleibt, dann möchte sich Kohler einen Traum erfüllen: "Wir wollen dann gerne ein soziales Projekt unterstützen – zum Beispiel so etwas wie den Kindertisch."

Wer gerne eine Anzeige im "Karlsruher Straßen-Kind" schalten möchte, der kann Horst Kohler unter 0160-98304308 erreichen. Die Zeitung besitzt außerdem ein Spendenkonto bei der Südwestbank Karlsruhe: Kontonummer 543880001, BLZ 60090700.

Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
Gutmütig, sauber, freundlich

Was ist Ihre größte Stärke, was Ihre größte Schwäche?
Mein Durchsetzungsvermögen

Lerche oder Eule? Sind Sie Frühaufsteher oder Nachtmensch?
Frühaufsteher unter der Woche, am Wochenende halber Nachtmensch

Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
Hubschrauberpilot. Mir hat es schon immer Spaß gemacht, wenn ich mit einem Flugzeug geflogen bin.

Wenn Sie in Ihrem Leben etwas noch einmal machen könnten, was wäre das?
Noch mehr lernen, um einen anderen Lebensstandard zu erreichen.

Sie schlagen morgens die Zeitung auf. Welche Schlagzeile würden Sie gerne über sich lesen?
Mit viel Energie, Durchsetzungsvermögen und Erfolg hat Horst Kohler die Karlsruhe Straßenzeitung weitergeleitet.

Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
Auf Fernsehen und Radio, um immer auf dem Laufenden zu sein.

Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
Leute, die uns ihre Hilfe versprechen und sich dann nicht daran halten. Außerdem alle Betrüger.

Wenn Sie Ihr eigener Mitarbeiter wären, was würde Ihnen besonders an sich auffallen?
Sauberkeit, Persönlichkeit, Ehrlichkeit.

Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
Andrea Berg

Was würden Sie ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?
Ich würde den Reichen im Land ein bisschen Geld wegnehmen und es unter den Armen verteilen.

Sie werden als Tier geboren. Als welches?
Adler - sehr wachsam.

Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
Die netten Menschen, die vielen Veranstaltungen - ob Sport oder Kultur.

Deutschland gilt auch als das Land der Nörgler und Perfektionisten – Warum würden Sie dennoch einwandern?
Es ist ein besonderes Land mit vielen Perspektiven.

Sekt oder Selters - welches Getränk geht bei Ihnen nie aus?
Sekt ist das Wasser für Reiche und solche, die es gerne wären. Selters ist (mein) Lebenswasser.

Was bewegt Sie dazu, vom Sofa aufzustehen?
Der Jubel bei einem Fußballspiel oder einem anderen Sportereignis.

Meer oder Berge - Action oder Entspannung im Urlaub?
Ich erhole mich in den Bergen und am Meer.

Welche Sprache würden Sie gerne noch lernen?
Spanisch

Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
Das überlasse ich dem Schicksal.