"Hallo, ich bin Dodo. Darf ich kurz reinkommen?" So stellt sich Gert Oettinger alias Klinikclown Dodo bei dem kleinen Nikolas vor. Dieser scheint sich im ersten Moment so gar nicht über den Überraschungsbesuch zu freuen. Er antwortet nicht und versteckt sich im Schoß seiner Mutter. Erst als Dodo ein paar kleine Zaubertricks vorführt, gewinnt er die zögerliche Aufmerksamkeit.

"Das Kind ist der Chef im Zimmer"

Die Springmaus, die der Clown aus einem Luftballon bastelt, scheint das Eis zu brechen. Doch nur kurzzeitig. Kommt ihm Dodo zu nahe, verschwindet sein Kopf wieder im Schoß seiner Mutter. Auch die hat sichtlich Spaß an Dodos "Programm". Doch was ihr gefällt, spielt für den Clown keine Rolle. "Das Kind ist der Chef im Zimmer", stellt Oettinger klar. "Es entscheidet über Nähe und Distanz." Wenn es nicht wolle, dass der Clown in das Zimmer kommt, bleibt er draußen.

Mit der roten Nase, dem Hut und seiner bunten Latzhose sieht Dodo zwar alles andere als furchterregend aus. Doch vor allem Zweijährige haben immer mal wieder Angst vor dem unbekannten Mann. Selbst der erste Kontakt mit älteren Kindern ist nicht unbedingt leicht. Wenn diese Angst oder Ablehnung demonstrieren, muss Dodo schon ganz tief in die Trickkiste greifen: "Viele Dinge kann man auf Distanz machen. Zum Beispiel Seifenblasen durch den Türspalt pusten." Damit will er die Neugier der Kinder wecken und die Distanz nach und nach verringern.

Freude mit Zaubertricks und der Springmaus

"Die Figur Dodo ist der Zugang in die Kinderwelt", bemerkt Oettinger. Um jedoch Vertrauen in den kleinen Patienten zu wecken, ist es wichtig zu respektieren, was sie wollen, erklärt der ausgebildete Clown. "Ich will ihnen klar machen, dass ich ein Teil ihrer Welt bin und nicht Teil der Erwachsenenwelt." Deshalb sei es auch sehr wichtig, dass er mit seinem Publikum auf Augenhöhe agiere.

In der Karlsruher Kinderklinik ist er zwei Mal in der Woche zwischen Chirurgie und onkologischer Ambulanz unterwegs. Viele Kinder, die zur Nachsorge in der Klinik sind, kennen den lustigen Mann von ihren vorherigen Aufenthalten. Sie kommen von ganz allein auf ihn zu und freuen sich über die Tricks, die er ihnen zeigt. Für jedes der Kinder hat der Clown eine Luftballonfigur parat. So wird ein Wartebereich schnell zur Manege, in der die Kinder stets die Hauptrolle spielen.

"Als Kinikclown lässt man viel Energie liegen"

Als Intensivfachpfleger, der seit 20 Jahren auf der Intensivstation in der Erwachsenenpflege tätig ist, erkennt Gert Oettinger auf den ersten Blick, wie es einem Kind geht. "Ich habe ein Auge für die Krankheit, ohne dass ich die genaue Diagnose kenne", erklärt er. Diese sei auch nicht wichtig für seine Arbeit. Lediglich, wie sich ein Kind fühlt und ob es Schmerzen hat, beeinflusst die Elemente, die er wählt, um "den Blick der Kinder von der Traurigkeit abzuwenden."

Damit trifft Oettinger überwiegend ins Schwarze. Schließlich ist er mit roter Nase und Clownkoffer seit neun Jahren in der Kinderklinik unterwegs. In dieser Zeit hat er ein sicheres Gespür für die jeweilige Situation entwickelt. Der Linkenheimer ist sich sicher: "Erfahrung, Übung und vielleicht auch Talent" sind notwendig, um seinen Job zu machen. Und natürlich auch eine professionelle Ausbildung zum Clown, denn so einfach, wie es aussieht, ist das "Clown-Spielen" bei Weitem nicht.

Erlebnisse zwischen Tränen und Lachen

"Bei der Arbeit im Krankenhaus lässt man viel Energie liegen", spricht Oettinger aus Erfahrung, gerade wenn eine ganze Gruppe kleiner Patienten Luftballonfiguren geknotet haben möchte. Auch psychisch stellt die Aufgabe sehr hohe Anforderungen, da nicht alle Kinder das Haus wieder gesund verlassen. "Wenn ein Kind stirbt, ist der Mensch hinter dem Clown betroffen" beschreibt er. "Der Clown selbst, die Figur, muss stabil bleiben."

So auch bei einem 17-jährigen Jungen, der wusste, dass er bald sterben würde. Dieser sagte zu ihm: "Ich will nicht sterben, ohne dass du mir verraten hast, wie der eine Zaubertrick geht, den du immer gemacht hast." Dodo erwiederte darauf: "Aber du darfst ihn dadrüben niemandem verraten. Sonst habe ich keinen Trick mehr zum Vorführen, wenn ich rüberkomme." Solche Situationen seien auf der einen Seite sehr traurig, erinnert sich Oettinger, auf der anderen Seite aber in diesem Moment auch komisch.

Dodos Arbeit dank "Sonnenschein"

Die Arbeit als Dodo ist Oettingers Nebenjob, den er nur dank des Fördervereins "Sonnenschein" machen kann. Dieser sorgt mit verschiedenen Projekten für ein angenehmes kinderfreundliches Klima in der Kinderklinik. Dazu gehören auch die Besuche des Klinikclowns Dodo. Diese sind nur möglich durch die Mitgliederbeiträge und Spenden. Erst im Mai übergab die Ascent Stiftung eine 10.000 Euro-Spende an den Verein, um ein neues Projekt mit Dodo in der Kinder- und Jugendpsychiatrie zu etablieren.