Das Staatsministerium des Landes Baden-Württemberg schreibt die Heimattage alle vier Jahre aus. Aktuell werden die Jahre 2015 bis 2018 vergeben. Karlsruhe bewirbt sich bewusst für das Jahr 2017. Grund ist, dass in diesem Jahr nicht nur das Fahrrad sein 200-jähriges Jubiläum feiert.

Hohe mediale Aufmerksamkeit für Karlsruhe

Auch der 300. Stadtgeburtstag sei dann zwei Jahre her. So sei gesichert, dass Karlsruhe auch über das Stadtjubiläum hinaus "in der Inszenierung einzelner Themen seine Fortsetzung finde", so die Vorlage der Verwaltung. Über ein Jahr lang werde es ein Programm im Rahmen der Heimattage geben.

Erste Bürgermeisterin Margret Mergen plädierte vor dem Gemeinderat für eine Bündelung bestehender Aktivitäten zu den Heimattagen 2017 unter den Programmbausteinen "200 Jahre Fahrrad", "Heimat in der Großstadt" und "Heimat neu interpretiert". Es sei eine gute Möglichkeit für die Stadt, zwei Jahre nach dem 300. Stadtgeburtstag im Blickfeld der Öffentlichkeit zu bleiben, so Mergen. Neben dem Fahrrad müssen man aber auch das Thema Integration in den Mittelpunkt rücken, denn um die 40 Prozent aller Bewohner hätten einen Migrationshintergrund und fänden ihre Heimat in Karlsruhe.

FDP: "In welcher Liga wollen wir eigentlich spielen?"

Bei den Fraktionen im Gemeinderat stieß die mögliche Bewerbung auf größtenteils offene Ohren. So bestätigten sowohl CDU, SPD und Grüne sowie die Karlsruher Liste ihre Unterstützung. Allerdings solle die Stadt den Fokus nicht zu sehr auf das Fahrrad lenken, so Gabriele Luczak-Schwarz von der CDU. Das Thema Heimat solle in den Mittelpunkt gestellt werden, bestätigte auch die Grüne-Fraktion um Ute Leidig. Für Ute Müllerschön von der SPD passe das Thema Fahrrad hingegen sehr gut, bekräftigte sie vor dem Gemeinderat. Über die Strahlkraft für die Stadt waren sich die Gemeinderäte sicher. Friedemann Kalmbach (Gemeinsam für Karlsruhe) sprach sich zwar für eine Bewerbung aus, plädierte jedoch für eine komplette Überarbeitung des Konzeptes.

Lediglich die FDP-Fraktion um Vorsitzende Rita Fromm kritisierte das Vorhaben der Stadtverwaltung. Fromm beklagte das mangelnde Selbstbewusstsein im Gemeinderat: "In welcher Liga wollen wir eigentlich spielen?," fragte sie sich im Bezug auf die Bewerbung für die Heimattage. Für eine Stadt, die eigentlich Metropolregion sein will und die sich als europäische Kulturhauptstadt 2010 beworben hatte, sei eine solche Bewerbung kümmerlich. Karlsruhe müsse sich nicht verstecken, so Fromm, und müsse sich nicht mit Bühl vergleichen, das vor wenigen Jahren die Heimattage durchführten. "Karlsruhe braucht ein echtes großstädtisches Leitbild als Alleinstellungsmerkmal." In Karlsruhe könne man auf genug kulturelle Higlights zurückgreifen, ohne eine Bewerbung für die Heimattage abzuschicken.

Die Bewerbung im Wortlaut (Link zu PDF auf Homepage der Stadt Karlsruhe)