Schon im Rahmen eines möglichen neuen Standorts für das KSC-Stadion wurde die Untere Hub ins Rennen gebracht. Nachdem klar wurde, dass der KSC auch weiterhin im Wildpark spielen wird, blieb die günstig an der Autobahn 5 liegende Fläche im Gespräch als Gewerbegebiet. Damit ist jetzt jedoch Schluss: Als Prüffläche wird die Untere Hub nicht weiter in der vertieften Untersuchung berücksichtigt.

Untere Hub wird kein Gewerbegebiet

Doch das ist nicht der einzige Schlag ins Gesicht für Oberbürgermeister Frank Mentrup. Neben der Unteren Hub wurden auch weitere verkehrsgünstige Standorte wie der Elfmorgenbruch, die Herdwegwiesen und die Büchenauwiesen aus der näheren Betrachtung gezogen. Damit wendet sich der Gemeinderat deutlich gegen die vom Stadtplanungsamt vorgeschlagenen Flächen. Mit den vier genannten Flächen entfällt damit ein Großteil der potenziellen Standorte für neue Investoren. Das bedeutet 68,3 Hektar weniger Spielraum.

Das "Nein" für Untere Hub und Co. zeichnete sich bereits im Vorfeld der Sitzung ab. In einem gemeinsamen Änderungsantrag zur Beschlussvorlage der Stadtverwaltung lehnten Grüne, SPD, KAL, Die Linke und die Freien Wähler die weitere Prüfung ab. Gegen diese deutliche Mehrheit hatten die Befürworter - vornehmlich aus dem Lager der CDU - keine Chance.

Auch im weiteren Verlauf der Diskussion zeichnete sich ab, dass sich zwei Lager gegenüber standen: auf der einen Seite die CDU, die ihrem Redner Thorsten Ehlgötz zufolge gerne den Grundstein für weitere Investoren gelegt hätte. "Wir müssen Schritte unternehmen, die vielleicht heute wehtun, sich aber später auszahlen werden", erklärte Ehlgötz. "Wir leben von Gewerbeeinnahmen und auch gerade deswegen ist die Untere Hub ein wichtiger und guter Standort." Ehlgötz beklagte, dass bereits Firmen abwanderten, weil nicht genug Fläche für sie zur Verfügung stehe.

"Ressourcen sind knapp"

Auf der anderen Seite steht unter anderem Bettina Lisbach von den Grünen und bewertet die Situation gänzlich anders: "Die Ressourcenflächen in Karlsruhe sind knapp. Wir können sie nicht weiter unbegrenzt verteilen. Wir sind an unserer Belastungsgrenze was Flächen betrifft angekommen - das zeigt auch, warum die Untere Hub überhaupt als Standort ins Gespräch kam." Mit dem Flächennutzungsplan 2010, auf dessen Grundlage die Flächen überhaupt ausgewählt wurden, habe man damals über den Bedarf fhinaus geplant. "Wir brauchen eine Kehrtwende im Flächenverbrauch", so Lisbach weiter. Man müsse auch über Alternativen nachdenken. Baulücken müssten erst geschlossen werden, leerstehende Grundstücke genutzt werden. "Außerdem muss ressourcensparend gebaut werden - auch mehr in die Höhe, statt auf der Fläche verteilt." Dabei sprach sie unter anderem großflächige Parkflächen an, die man durch Parkpaletten ersetzen könne.

Weiterer Widerspruch gegen die wirtschaftlichen Bedenken der CDU kam von Michael Zeh (SPD): "Die Flächen sind teilweise schon seit über 20 Jahren im Angebot und bisher gab es kaum Interessenten." Man müsse auch an Alternativen denken. Wie in der Beschlussvorlage der Stadt ebenfalls vorgeschlagen, wies Zeh gezielt auf die interkommunale Zusammenarbeit hin. Man könne durchaus mit anderen Kommunen Flächen gemeinschaftlich nutzen.

Flächen sind für das Stadtklima wichtig

Rita Fromm (FDP) nennt die CDU gar "doppelzüngig". "Wir haben immer auf unsere kooperationsbereiten Nachbarn hingwiesen", ergänzte sie. Diese müsse man nutzen. Auch Lüppo Cramer von der Karlsruher Liste hält die Dinge, von denen Ehlgötz spricht, für "überholt". Generell gab er zu bedenken, dass die Fläche in Karlsruhe endlich sei, "wir dürfen jetzt nicht noch versuchen das Letzte rauskitzeln zu wollen". Friedemann Kalmbach (GfK) und Jürgen Wenzel (FW) setzten sich indes für den Erhalt einer intakten Umwelt ein, die Bebauung von für das Stadtklima wichtigen Grünflächen dürfe so nicht einfach durchgehen.

Ebenfalls in der Beschlussvorlage vorliegend, aber in der allgemeinen Diskussion wenig beachtet, ist der Plan, Gewerbeflächen vom Westen in den infrastrukturell günstigeren Osten der Karlsruher Gemarkung zu verlagern. Die CDU äußerte sich als einzige zu diesem Thema - und zwar ablehnend gegenüber diesen Planungen.

Mentrup bedauerte die "klare Abkehr von der bisherigen Strategie". Die Herausnahme der Mehrheit der Flächen sei eine "wirtschaftspolitisch schwierige Entscheidung", da viele Flächen wegfallen und keine neuen - vor allem großen - dazu gekommen seien. Mit der mageren Ausbeute von sieben Prüfflächen mit jeweils kleiner Fläche habe er wenig in der Verbandsversammlung des Nachbarschaftsverbandes Karlsruhe am 20. Februar vorzuweisen.

Die Beschlussvorlage zur Fortschreibung der Flächennutzung für das Gewerbe finden Sie im Wortlaut hier (Link führt auf Webseite der Stadt Karlsruhe).