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Der Name ist Programm: Das Baumwollseil ist die Spezialität des Shops von Sabine Kraußer und Michael Pohl , die beide ein Faible für Fesselspielchen und andere erotische Spielereien haben. Wie schwer es ist, für den heimischen Gebrauch Seile zu finden, die keine Brandwunden hinterlassen und auch noch angenehm zu tragen sind, erfuhr Kraußer am eigenen Leib.

Seit 2001 Kuschelseile für alle

Vor mehr als zehn Jahren war die Frau mit dem Fesselfetisch auf der Suche nach einem weichen, hautfreundlichen Seil. Im Baumarkt fand sie die herkömmlichen, technischen Seile aus Kunstfaser, die hart und unbrauchbar waren. Eher durch Zufall stieß sie auf eine Seilerei, die Seile aus Baumwolle herstellte. Die zweifache Mutter war begeistert und brachte befreundeten Gleichgesinnten Proben mit. Die rissen ihr das Seil regelrecht aus den Händen. Als die Nachfrage nach dem "Kuschelseil" weiter stieg, eröffnete sie 2001 den ersten Online-Shop. Im Lauf der Jahre erweiterte sich das Sortiment ständig.

Nach wie vor sind die Seile das Aushängeschild in der erotischen Produktpalette. "Die Seile werden speziell für uns und nach unseren Wünschen in Deutschland gefertigt", erklärt Michael Pohl. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Eigenschaften: "Unser Baumwollseil ist ein Kuschelseil", betont er. "Es ist weich, gibt nach und verzeiht Fehler."

"Acht Millimeter mit Seele in Schwarz ist das Standardseil"

Wer sein Sexleben etwas prickelnder gestalten möchte, kann die Kunst des Einwickelns und Knotenknüpfens im Kurs "Erotisches Fesseln für Anfänger" erlernen. "Die Grundidee des Kurses ist , Bondage für Sex zu benutzen", erklärt der ehemalige Bilanzbuchhalter. Dazu gehören Sicherheitshinweise, die es zu beachten gilt, bevor gefesselt werden darf. Dann lernen die Teilnehmer die Grundlagen für eine solide Bondage-Session - beispielsweise wie sie den Partner mit einem und beiden Handgelenken an das Bett fesseln können.

Um das Gelernte nicht gleich zu vergessen, sind in der Kursgebühr von 60 Euro pro Paar zweimal drei Meter Seil und eine bebilderte Anleitung zum Nachfesseln enthalten. Damit auch jeder die hohe Kunst des erotischen Ein- und Umwickelns lernt, nehmen Sabine Kraußer und Michael Pohl nur drei bis vier Paare in ihre Kurse auf. Diese Lehrstunden erfreuen sich großer Beliebtheit, was wohl auch an der lockeren und lustigen Atmosphäre liegt, auf die das Paar großen Wert legt: "Unsere Kunden erleben einen Abend, an dem man immer was zu lachen hat."

Stammkundschaft in Tokio

Auf persönliche Betreuung setzen die Spielzeugexperten auch in ihrem Ladengeschäft, das sie zusätzlich zum Online-Shop führen. Mindestens zweimal in der Woche öffnet sich die Tür zum Spielzeugparadies, wo die Kunden Hand an die Exponate legen können. "Beratung ist das A und O", ist sich Pohl sicher, besonders bei Kunden, die bestimmte Vorlieben erst entdecken.

Das wissen die Kunden zu schätzen. Die kommen aus dem gesamten Bundesgebiet. Auch nach Norwegen, Österreich und in die Schweiz schicken die Experten ihre exklusiven Produkte. Der Stammbesucher, der den weitesten Weg antritt, um direkt vor Ort die neuesten "Spielsachen" einzukaufen, kommt übrigens aus Tokio. "Leckerbissen und Überraschungen" hält das Paar für seine Kunden immer bereit, denn "die Leute wollen was Brauchbares fürs Bett."

Über Bondage und andere Formen der sexuellen Stimulation spricht man auch nach der sexuellen Revolution in der zweiten Hälften des 20. Jahrhunderts nicht offen. Werbung in eigener Sache gestaltet sich deshalb sehr schwer für "Baumwollseil.de". "Die fehlende Werbung ist ein Problem, weil wir nicht die Leute ansprechen können, die nicht in der Szene oder in Foren unterwegs sind", bedauert Sabine Kraußer. Selbst der einschlägige Boulevard weigerte sich nach anfänglicher Zusage, eine Anzeige im Regionalteil zu drucken.

Kontrollabgabe als besonderer Reiz

Dabei haben die beiden klare Grundsätze: "Wir verkaufen nicht mit nackten Tatsachen." Die Produkte im Online-Shop wie auch im Laden sind nicht im pornographischen Zusammenhang dargestellt. Eher unspetakulär sind auch die Geschäftsräume eingerichtet. Erst bei näherem Hinschauen fällt auf, was sich in Tüten und Kartons verbirgt. Für Neulinge muss Pohl das Anwendungsgebiet mancher Gerätschaften erst erläutern. Das tut er gern, denn er steht zu 100 Prozent hinter den Produkten. Erst die Artikel, die er und seine Frau ausprobiert und für gut befunden haben, landen im Sortiment.

Fesseln und Knebeln - wo liegt denn da der Reiz? "In der Kontrollabgabe", erklärt Kraußer. "Das bedeutet, jemand anderem das Vertrauen zu schenken, über einen zu bestimmen." Dazu ist nicht unbedingt ein Seil notwendig. Schon mit einer Augenbinde gibt man die Kontrolle der Umgebung durch die visuelle Wahrnehmung zugunsten der sensorischen auf.

Als passiver Teil der "Menage à deux" könne man einfach mal faul sein, beschreibt Sabine, und den anderen agieren lassen. Der aktive Part könne mit dem Partner machen, was er möchte und es genießen, diesen als passiv zu erleben. In einer solchen Situation erlebe man, "was passiert, wenn sich der eine komplett in die Hand des anderen gibt", sich ihm also ausliefert.

 
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