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Friedemann Kalmbach: Einzelstadtrat

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Friedemann Kalmbach: Einzelstadtrat

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    Friedemann Kalmbach: Einzelstadtrat
    Friedemann Kalmbach: Einzelstadtrat

    Kalmbach habe sich bewusst dagegen entschieden, mit einer anderen Gruppierung eine Fraktion einzugehen, dass "entspricht nicht dem, was unsere Wähler entschieden haben". Damit entgeht der Bürgerinitiative Gemeinsam für Karlsruhe unter anderem das Recht, Anträge zu stellen. Doch das sieht der künftige Einzelstadtrat gelassen: "Es wird eher selten der Fall sein, dass ich eine Einzelmeinung vertrete." Kalmbach lege viel Wert auf Beziehungen und deren Pflege. Außerdem würden sich themenbezogene Mehrheiten bilden.

    Bei einer Fraktion gebe es seiner Meinung nach zu viele "Reibungsverluste"; Kalmbach sieht sich als "Vorreiter für unsere Leute". Daher bleibt er "der Kleinste" im Gemeinderat und möchte versuchen "hineinzuwachsen und zu schauen, was ich machen kann". Er wünscht sich "konstruktive Partner um selbst konstruktiv mitarbeiten zu können".

    Im Gespräch erklärt Kalmbach auch seine Einstellung zu den aktuellen Karlsruher Streitthemen und nimmt vorweg, dass er und seine Unterstützer "nicht ideologisch, sondern an Werten festgelegt" seien. Daher könne es durchaus der Fall sein, dass er sich bei einer Thematik zum bürgerlichen Lager hingezogen, bei einem anderen eher der Umwelt verbunden fühle.

    Um die Innenstadtentwicklung zu beschleunigen, würde es Kalmbach lieber sehen, wenn die Bauabschnitte bei der Kombilösung umgedreht würden. Außerdem weist er ganz klar darauf hin, dass die Kombilösung nicht über den Haushalt finanziert würde, sondern über die Kasig, die zur KVVH-Gruppe gehört. "Da arbeiten einige bewusst mit Ängsten und Propaganda!" Kalmbach sieht die Kombilösung als "attraktive Perspektive" für eine straßenbahnfreie Innenstadt.

    Zum Thema KSC-Stadion hat Kalmbach auch eine klare Position: Er ist für eine Lösung zwischen der regionalen Wirtschaft und dem Verein und nicht für einen "Investor aus dem Norden". Beim Stadion müsse man allerdings "mehr von außen generieren als das Stadtsäckel zu belasten". Bei einem ist er sich auch sicher: "Da muss es noch Lösungen geben, die gar nicht auf dem Tisch sind." Die Identifikation mit dem KSC ist seiner Ansicht nach groß in der Region. Sein Vorschlag um die Stadionfrage zu lösen: "Da muss man gemeinsam kreativ sein!"

    "Verschiedene Interessenlagen müssen an den Tisch kommen" , so Kalmbachs Meinung zur aktuellen Haushaltsproblematik. Natürlich sei er aber auch sehr froh, dass "das Soziale hochgehalten wird". Die Entscheidung, wo letztendlich gekürzt wird, müsse in Auseinandersetzungen entschieden werden. Und zum Thema Rheinbrücke: "Da ich gegen die Nordtangente bin, kann ich auch die zweite Rheinbrücke nicht befürworten Da gibt es andere Lösungen."

    Als Ziel hatte die Bürgerinitiative ein bis drei Sitze ausgegeben, doch je näher die Wahl rückte, desto unsicherer wurde sich Kalmbach. "Ich hatte viele gute Gespräche, aber das war ja nicht repräsentativ.

    " Insofern habe er sich seinen "Sitz im Gemeinderat erhofft, aber eine Überraschung war es schon". Schmunzelnd fügt er hinzu: "Und ich denke, dass viele andere auch überrascht waren, dass wir einen Sitz haben."

    Beschreiben Sie sich mit drei Worten.
    Initiativ – ausgeglichen – zäh

    Was ist Ihre größte Stärke?

    Menschen auf der Basis von Beziehungen für eine bestimmte Sache zusammenzubringen und Projekte zu starten.

    Was ist Ihre größte Schwäche?
    Mir zu viele Termine, Projekte und Verpflichtungen aufzuladen. Da mir sehr vieles Freude macht erkenne ich oft meine Kapazitätsgrenzen erst spät.

    Eine große Hilfe sind mir meine Frau und meine Familie, die mir immer wieder meine Grenzen liebevoll und deutlich vor Augen führen.

    Was war als Kind oder Jugendlicher Ihr Traumberuf? Haben Sie damals jemals daran gedacht, das zu werden, was Sie heute sind?
    In meiner Kindheit war mein größter Traum mit meinem Bruder nach Kanada auszuwandern und eine große Farm zu bewirtschaften. Dieser Berufswunsch wurzelt sicher darin, dass wir als Kinder häufig bei meinem Onkel auf dessen Bauernhof im Schwarzwald mitlebten und auch mitarbeiteten.
    Die Idee, einmal im Stadtrat zu sein oder die Nehemia Initiative zu leiten, wäre mir nie in den Sinn gekommen.

    Was würden Sie im Leben gerne noch erreichen?
    Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch aufgrund seiner Begabungen, seiner Kapazität und seiner Lebensumstände etwas für andere Menschen und die Gesellschaft bewirken kann. Mein Ziel ist es, all das, was in mir steckt, einzusetzen, nicht verbissen, sondern mit großer Freude. Zufrieden bin ich dann, wenn ich erkenne, dass ich meine Lebensmöglichkeiten ausgeschöpft habe. Ob dabei eine Position rauskommt oder nicht, ist mir nicht so wichtig.

    Was nervt Ihren Partner am meisten an Ihnen?
    Es kommt nicht allzu selten vor, dass ich aufgrund vieler Termine und Aufgaben meine Frau nicht genügend informiere über das, was auch sie betrifft. Stressig wird es immer dann, wenn sie nicht informiert ist, und ich noch schnell etwas von ihr erwarte. Damit kann ich sie schon ordentlich nerven.

    Auf welchen Gegenstand möchten Sie im Leben nicht verzichten?
    Meine Bibel, da ich aus ihr Kraft und Zuversicht tanke!

    Wen würden Sie gerne auf den Mond schießen?
    Zur Zeit würde ich gerne einige Bankmanager auf den Mond schießen. Sie haben es immer noch nicht kapiert, dass sie unserer Wirtschaft dienen sollen und nicht ihren Profit um jeden Preis und auf Kosten der Steuerzahler maximieren sollen.

    Welcher Mensch beeindruckt Sie?
    Meine Mutter. Sie hatte ein wirklich hartes Leben, viele Entbehrungen, und sie erlebte den frühen Tod ihres Mannes. Jetzt ist sie 88 Jahre alt. Sie ist nicht verbittert, sondern fröhlich, reiselustig und immer noch richtig gut drauf. Wie sie Lebensschläge verarbeitet hat, ist sensationell.

    Welche Musik (Interpret und Titel) und welcher Film haben Sie am meisten beeindruckt?
    Koinonia mit einem der besten Jazzbassisten unserer Zeit, Abraham Laboriel. Das bringt mich immer noch zum Schwärmen. Filme sind nicht so meine Leidenschaft. Sean Connery ist einer meiner Lieblingsschauspieler.

    Welches Buch haben Sie als letztes gelesen?
    Ich lese oft mehrere Bücher parallel, und manche lese ich auch nicht zu Ende. Das letzte war ein Sachbuch: Führen in ethischer Verantwortung.

    Sie werden als Tier geboren. Als welches?
    Giraffe wäre nicht schlecht, dann könnte ich gut die Übersicht behalten

    Sie tauschen einen Tag mit einer Person des anderen Geschlechts - wer wäre das?
    Dazu fehlt mir leider die Phantasie!  

    Was finden Sie an Karlsruhe reizvoll?
    Vieles!
    Zunächst die Atmosphäre, die Freiheit, die positive Seite der badischen Liberalität. Karlsruhe ist eine Stadt der Innovation, hier können neue Entwicklungen geboren werden, Neues gedacht und umgesetzt werden.
    Dann genieße ich es, überall kurze Wege ins Grün, in den Wald zu haben. Speziell in der Südstadt sind die Menschen immer für einen Schwatz offen – einfach ein sympathisches Volk.

    Was würden Sie an Karlsruhe ändern, wenn Sie Oberbürgermeister wären?
    Karlsruhe ist sich seiner Qualitäten und seiner Besonderheiten bis heute nicht ganz bewusst.
    Als OB würde ich versuchen, einen gesunden Stolz zu vermitteln. In all den Auseinandersetzungen, z.B. mit Stuttgart (KSC, Betriebsverlagerungen uvm.), wird an den Reaktionen deutlich, dass Karlsruhe unter einem latenten Minderwertigkeitsgefühl leidet.
    Wir können stolz sein auf Karlsruhe, wir haben hier Möglichkeiten, die Stuttgart nicht hat und die sollten wir stärker ausbauen. Das sind die Pfunde, mit denen wir wuchern können.
    Mein Augenmerk als OB würde darauf gerichtet sein, Karlsruhe in seiner Einmaligkeit zu entwickeln.

    Welches sind die markantesten Karlsruher / deutschen Köpfe?
    Zum einen der Stadtgründer, Markgraf Karl Wilhelm, und Reinhold Frank, der aufgrund seiner christlichen Überzeugung im Widerstand gegen die NS-Ideologie sein Leben opferte.

    Sie leben in einem anderen Land. Welcher Grund könnte Sie dazu bewegen beziehungsweise davon abhalten, nach Deutschland einzuwandern?
    Man sagt über uns Deutsche, dass unser Umgang miteinander zu direkt und kühl sei. Das mag zwar grundsätzlich stimmen – trifft aber bestimmt nicht auf uns Badener zu.

    Es geht um das Glück der Republik. Welche Person, Gruppierung oder Idee sollte mehr Einfluss gewinnen?
    Wir brauchen verlässliche Werte, auf denen eine Gesellschaft gebaut wird. In den letzten 40 Jahren wurde so ziemlich alles umgeworfen, was Wert hatte. Unter anderem die besondere Stellung der Familie. Willkommen sind mir alle Personen und Gruppierungen, die Werte wie Ehe, Familie, auch Ehrlichkeit und Verlässlichkeit und Mitmenschlichkeit fördern und selber leben.

    Wie und wo möchten Sie sterben?
    Eine schöne Frage:
    Ich stelle mir vor, dass meine Familie, Kinder und bis dahin vielleicht auch Enkel um mein Bett versammelt sind und ich mich von ihnen verabschiede, ihnen noch einmal sage, wie sehr ich sie liebe und dann friedlich einschlafe.

    Kommen Sie in den Himmel oder in die Hölle?
    Ich gehe davon aus, dass ich in den Himmel komme. Das ist der spannendste Ort, den ich mir vorstellen kann – dort werden die wichtigen Entscheidungen gefällt , dort gibt es keinen Tod mehr, keine Krankheit und Not. Liebe pur und überraschende Begegnungen – besonders mit Gott.

    (ram)

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