"Saluton, mia nomo estas Frank Huber, mi havas kvindek unu jarojn, logas en Karlsruhe kaj estas informadikisto." So stellt sich Frank Huber im Gespräch mit ka-news auf Esperanto vor. Demnach ist er 51 Jahre alt, wohnt in Karlsruhe und arbeitet als Informatiker. Und er beherrscht nicht nur Programmiersprachen. 

 

Frank Huber spricht Esperanto im Video: 

 

Video: David Michalik/ka-news

 

"Die Sprache Esperanto ist aus meiner Sicht genial", sagt er leidenschaftlich. Was wie eine Mischung aus Italienisch, Spanisch und slavischen Sprachen klingt, ist eine sogenannte Plansprache, die künstlich erschaffen wurde. Aber wer steckt dahinter?

Vom Arzt zum Erfinder der "Internationalen Sprache"

Ludwig Lazarus Zamenhof wurde 1859 in Polen geboren und wuchs in einer ethnisch gemischten Stadt auf. Er studierte Medizin in Moskau und Warschau und wurde später Augenarzt. Sein untrügliches Gefühl für Sprache begleitete ihn seit seiner Kindheit. Durch seine Eltern sprach er Russisch und Jiddisch, später unter anderem Polnisch, Deutsch und Englisch.

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In der Karlsruher Oststadt ist eine Straße nach dem Esperanto-Erfinder benannt. | Bild: David Michalik

Zamenhof träumte von einer neutralen Sprache, die für alle Menschen gleich ist und Barrieren überwinden kann. Nach zahlreichen Entwürfen veröffentlichte er seine Sprache 1887 unter dem Pseudonym "Dr. Esperanto". Auf Deutsch hieß sie "Internationale Sprache". Über die Jahrzehnte entwickelte sie sich weiter und verbreitete sich in die ganze Welt - auch bis nach Karlsruhe.

Karlsruhe hat eine eigene Esperanto-Gemeinschaft

"Mi venas el la bela urbo Karlsruhe" - "Ich komme aus dem schönen Karlsruhe", würde man als Kind der Stadt auf Esperanto sagen. Frank Huber wurde allerdings in Bremen geboren, aufgewachsen ist er in Landau. Dort kam er auch zum ersten Mal mit Esperanto in Berührung. "Esperanto begann ich im Frühjahr 1990 in der Volkshochschule in Landau zu lernen. Mein damaliger Lehrer fragte mich, ob ich nicht mitkommen wolle zum Deutschen Esperanto-Kongress." Von den Vorträgen und Unterhaltungen verstand er bereits sehr viel: "Ich hatte gleich ein Aha-Erlebnis."

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Bild: David Michalik

Inzwischen ist er in der Esperanto-Gemeinschaft von Karlsruhe aktiv. Laut der offiziellen Website kommen in der Stadt regelmäßig ein gutes Dutzend Esperanto-Sprecher zusammen, um sich auszutauschen und die Sprache zu pflegen. Definitiv keine tote Sprache "In der siebten Klasse im Englischbuch gab es eine Seite mit Leserbriefen. In einem hieß es, Esperanto sei als Weltsprache gestorben", erinnert sich Huber. Dass das so nicht stimmt, beweisen die Zahlen.

"Die Schätzungen gehen von 200.000 bis zu 2 Millionen Sprechern in über 120 Ländern aus", erklärt der Karlsruher Esperanto-Sprecher. Darunter sind sogar einige Muttersprachler, die mit der Plansprache aufwuchsen. Dem Deutschen Esperanto-Bund zufolge gibt es etwa 1.000 bis 2.000 davon (Stand: 2016). Auch in den Medien ist Esperanto präsent: Es gibt Filme, Bücher, Musik und sogar einen Sprachkurs der App "Duolingo", in dem über 1,5 Millionen Lernende eingeschrieben sind.

"Esperanto ist einfach zu lernen und eine neutrale Sprache"

Englisch wird weltweit von 510 Millionen Menschen als Mutter- beziehungsweise Zweitsprache gesprochen und ist damit eine der wichtigsten Verkehrssprachen. Frank Huber erklärt, warum es sich dennoch lohnt, Esperanto zu lernen: "Man ist gegenüber den Muttersprachlern immer benachteiligt, wenn man sich als Englischlernender verständigen will. Dagegen setzt Esperanto die Neutralität." Und es sei viel einfacher zu erlernen.

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Bild: David Michalik

"Man braucht deutlich weniger Zeit als bei anderen Sprachen. Das hängt natürlich davon ab, welche Muttersprache man beherrscht. Für einen Chinesen ist es sicher schwieriger als für einen Europäer," so Huber. Was ihn an Esperanto begeistert, ist vor allem die Idee dahinter: "Kommunikation zwischen Menschen verschiedener Muttersprachen zu erleichtern, und das auf einfache Art und Weise", fasst Huber zusammen.

Sprache verbindet die Menschen

Sprachen sollen verbinden, sie sollen Brücken bauen zwischen den Menschen. Vielleicht wurde deswegen eine Brücke in Karlsruhe dem Esperanto gewidmet. Seit 1967 überspannt sie die Pulverhausstraße in Grünwinkel.

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Die Esperanto-Brücke spannt sich über die Pulverhausstraße im Stadtteil Grünwinkel. | Bild: David Michalik

Verbindungen zu anderen Esperanto-Sprechern findet man auf vielen Veranstaltungen, die das ganze Jahr überall in der Welt stattfinden. "Als Esperanto-Sprecher ist man weltweit vernetzt. Esperanto lebt von einer kontaktfreudigen Gemeinschaft und einer international geprägten Kultur", schwärmt Huber.

Das Ziel von Esperanto: eine Zweitsprache für alle sein

"Esperanto" bedeutet "der Hoffende" in seiner eigenen Sprache. Ein Hoffender ist auch Frank Huber: "Die große Idee des Esperanto ist es, gemeinsame Zweitsprache für alle Menschen zu sein. Realistisch gesehen liegt dieses Ziel aber noch in weiter Ferne." Die Esperanto-Gemeinschaft bestehe aus Menschen, die sich für die Idee einer gemeinsamen Sprache begeistern und sich ehrenamtlich für ihre Verbreitung einsetzen, sagt Huber.

"Mein Traum ist es, dass irgendwann Länder mit weniger verbreiteten Sprachen einsehen, dass gerechte, internationale Verständigung nur mit einer neutralen Sprache wie Esperanto möglich ist. Vielleicht ist das ein Weg, dem großen Ziel näher zu kommen." "Bonsancon!" kann man ihm da nur wünschen - viel Erfolg.