Parallel zu den rückläufigen Asylbewerberzahlen reduziert der Landkreis Karlsruhe aktuell seine Gemeinschaftsunterkünfte. Menschen, die in einer solchen Unterkunft leben, befinden sich derzeit im zweiten Schritt des in Baden-Württemberg praktizierten dreigliedrigen Aufnahmesystems. Aber von vorne:

In Karlsruhe befindet sich, mit der Landeserstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge, abgekürzt LEA, die erste Anlaufstelle für asylsuchende Menschen in Baden-Württemberg. Hier besteht die Möglichkeit einen Asylantrag zu stellen, es folgt die Registrierung und die Verteilung auf die Bundesländer. Diese Verteilung ist durch sogenannte Aufnahmequoten geregelt. Die Quote für Baden-Württemberg liegt bei 12,9 Prozent. Dieser Vorgang stellt die erste Stufe des in Baden-Württemberg gängigen dreigliedrigen Aufnahmesystems dar.

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Die Mackensen-Kaserne in Karlsruhe wurde eine Notunterkunft in der Hochzeit der Flüchtlingskrise. (Symbolbild) | Bild: lb

Von der LEA aus folgt die zweite Stufe, die sogenannte vorläufige Unterkunft durch die Aufnahmebehörden bei den Stadt- und Landkreisen. Diese Zuteilung erfolgt durch einen Bevölkerungsschlüssel. Hier werden die Betroffenen bis zum Abschluss des Asylverfahrens und maximal für zwei Jahre, untergebracht. Nach dem Ende der vorläufigen Unterbringung werden die Flüchtlinge innerhalb des Landkreises auf die kreisangehörigen Gemeinden, in die sogenannte Anschlussunterbringung (= Schritt drei), verteilt.  

Knapp 2.000 freie Plätze

Inzwischen stehen viele der über 3.800 vorläufigen Unterkünfte im Landkreis Karlsruhe leer. Nur noch wenige Personen sind dort untergebracht. In einer Kreistag-Sitzung im Mai stand die Flüchtlingssituation im Landkreis Karlsruhe zuletzt auf der Tagesordnung. Das Ergebnis dieser Sitzung zeigt, dass sich die Flüchtlingszahl in diesen Unterbringungen weiter verkleinern wird, da in naher Zukunft weitere Asylbewerber zur Anschlussunterbringung in die Städte und Gemeinden zugewiesen werden sollen.

Flüchtlingsunterkunft in Rheinstetten
Flüchtlingsunterkunft in Rheinstetten (Symbolbild). | Bild: (ks)

"Zwölf Gemeinden haben ihre Aufnahmepflicht für 2017 erfüllt, im Jahr 2018 werde sich diese Zahl weiter verringern", führte Landrat Christoph Schnaudigel bereits in einer Kreistag-Sitzung im November 2017 aus. Schaudigel wies damals darauf hin, dass in vielen Fällen keine neuen Unterkünfte geschaffen werden müssen. So wird sich der Landkreis weiterhin, sofern es möglich ist, von einigen Mietobjekten (Wohnungen, Mehrfamilienhäusern, Gewerbeobjekten) trennen. Demzufolge sollen rund 1.000 Plätze an die kreisangehörigen Städte und Gemeinden vermietet werden. Insgesamt 2.500 Plätze können es, unter Berücksichtigung der Rückbauplätze, bis 2019 sein.

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Landeserstaufnahmeeinrichtung in Karlsruhe (Symbolbild). | Bild: Paul Needham

Rückbau hat bereits begonnen

Der Kreistag nahm in seiner jüngsten Sitzung vom 17. Mai zur Kenntnis, dass im vergangenen Jahr 935 Plätze an 16 Standorten abgebaut und 50 von 51 angemieteten Einzelwohnungen wieder frei gegeben wurden. Derzeit verfügt der Landkreis über 3.847 Unterbringungsplätze in 36 Unterkünften, von denen bis Ende nächsten Jahres weitere 1.510 Plätze zum Abbau anstehen.

Das Schlafzelt bietet Platz für über 1.000 Flüchtlinge.
Das Schlafzelt in der Mackensen-Kaserne bietet Platz für über 1.000 Flüchtlinge. | Bild: (lb)

Landrat Christoph Schnaudigel kündigte im Hinblick auf die hohe Nachfrage für Mietwohnungen an, landkreiseigene Kapazitäten nicht völlig aufzulösen sondern für den Mietmarkt zu öffnen. Er wies darauf hin, dass der Landkreis bereits eine spürbare Entlastung des Wohnungsmarkts erreicht habe, indem frei werdende Kapazitäten auf Wunsch den Städten und Gemeinden für Zwecke der Anschlussunterbringung zur Verfügung gestellt wurden. 925 Flüchtlinge sind auf diese Art bereits in sogenannten "Kombimodellen" untergebracht.

Integration steht über Unterbringung

"War bislang die Schaffung von Unterbringungsmöglichkeiten dringlichste Aufgabe, so steht nun die Integration der Menschen im Fokus", führte der Schnaudigel weiter aus. Kernstück der Integrationsförderung durch das Land sind ausgebildete Integrationsmanager, die die Flüchtlinge in der Anschlussunterbringung individuell unterstützen. 28 Gemeinden im Landkreis Karlsruhe nehmen das Angebot des Landkreises auf Integrationsmanagement bisher wahr.

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