Das Fußball spielen lernte der Kapitän von Bundesligist Borussia Mönchengladbach in seiner badischen Heimat. Erst beim TSV Wiesental, später beim Karlsruher SC. Mit 28 Jahren steht Lars Stindl am vorläufigen Höhepunkt seiner Karriere als Fußball-Profi.
Spätestens seit seinen drei Treffern beim Confed-Cup, darunter das Siegtor im Finale, ist Lars Stindl im ganzen Land bekannt. In der großen Kreisstadt Waghäusel ist man mächtig stolz auf den derzeit bekanntesten Sohn der Stadt.
Sein Talent wurde schnell erkannt
Bis zum Mai 2010 schnürte der Torjäger noch in der zweiten Bundesliga seine Kickschuhe für den KSC und wechselte danach zu Hannover 96. Im hohen Norden erkannte man schnell die herausragenden Qualitäten des heute 28-jährigen offensiven Mittelfeldspielers, der sofort zum Kapitän und Führungsspieler aufstieg.
Auch bei seinem aktuellen Verein Borussia Mönchengladbach trägt Stindl die Kapitänsbinde. Mit seiner Spielintelligenz und Torgefahr verfügt Stindl über Fähigkeiten, die er in der Bundesliga immer wieder unter Beweis stellt und die auch Bundestrainer Jogi Löw nicht verborgen geblieben sind.
Kaum im Nationalteam - schon eingeschlagen
Der Bundestrainer berief ihn spät ins Nationalteam, doch Stindl sorgte auf Anhieb im DFB-Trikot für Furore. Am 6. Juni absolvierte er sein Debüt in der A-Nationalmannschaft beim Freundschaftsspiel gegen Dänemark. Bereitete dort den Treffer zum 1:1-Endstand durch Joshua Kimmich vor. Seine ersten beiden Länderspieltore erzielte er in den beiden Gruppenspielen des Confederations-Cup beim 3:2-Sieg gegen Australien und im folgenden Gruppenspiel gegen Chile zum 1:1-Endstand. Im Endspiel in St. Petersburg – erneut gegen die Südamerikaner – gelang dem 28-jährigen Stindl nach glänzender Vorarbeit des Leipizgers Timo Werner der umjubelte Siegtreffer.
"Ich bin sehr froh, hier reinzuschnuppern", hatte der Neu-Nationalspieler, der 2009 lediglich ein Spiel für das U21-Nationalteam absolvierte, vor dem Turnier bekundet. Jetzt hat er in sechs Länderspielen bereits drei Tore erzielt und sich damit auch für die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr angeboten. Auch viele Experten sehen in dem Offensivspieler mehr als nur eine Alternative zu den etablierten Weltmeistern bei der WM im nächsten Jahr in Russland. "Ich sehe mich als zweite Spitze und will bei jedem Einsatz meine Torgefährlichkeit einbringen", so die Selbsteinschätzung des bodenständigen Fußballers.
In der Heimat fiebert man mit
"Technisch und läuferisch sehr gut. Ein raffinierter Spieler mit unglaublicher Spielintelligenz und guter Orientierung im Raum“, lobte der Bundestrainer seinen "Neuen", der zusammen mit dem jungen Timo Werner frischen Wind in das deutsche Sturmspiel brachte, bislang absolut überzeugte und zuvor in der Bundesliga schon Woche für Woche seine Bewerbungsunterlagen beim DFB einreichte.

Auch Waghäusels positiv fußballverrückter Oberbürgermeister Walter Heiler (eigentlich Fan des Hamburger SV) war und ist von den Leistungen Lars Stindls überaus angetan, hatte ihm noch während des Turniers in Russland und vor dem Finale alles Gute und viel Erfolg gewünscht." Wir sind alle in der Heimat mächtig stolz", erzählt der Rathauschef der 22.000-Einwohner-Kommune.
Fundament seiner Karriere in Karlsruhe gelegt

Privat und sportlich ist der am 26. August 1988 in der Pfalz, in Speyer, geborene Lars Stindl ein "Kind der Region". Er wuchs im Stadtteil Wiesental bei seinen Eltern Martina und Edi Stindl, zusammen mit einer Schwester, auf. Schon früh wurde man beim TSV Wiesental auf den talentierten Jugendspieler, der sich unter den Kadertrainern Rico Krämer und Karl-Heinz Gentner stets weiterentwickelte, aufmerksam.
Als 12-Jähriger wechselte er im Jahr 2000 in die Nachwuchsabteilung des KSC. Später legte er am Otto-Hahn-Gymnasium in der Fächerstadt sein Abitur ab und kam als A-Jugendspieler bereits zu einigen Einsätzen im KSC-Regionalliga-Team, wo er ein Jahr später Stammspieler wurde. Sein Bundesligadebüt feierte er im Alter von 19 Jahren am 15. März 2008 gegen Eintracht Frankfurt, im November gelang ihm gegen seinen späteren Verein Hannover 96 sein erstes Bundesligator.
Stammspieler in Gladbach - mit Langzeitvertrag
Am Ende der Saison musste der KSC in die 2. Liga absteigen, Lars Stindl hatte in seiner ersten Profi-Saison 23 Bundesligaspiele absolviert und 4 Tore erzielt. In der zweiten Bundesliga gehörte der Offensivspieler zur Stammelf der Blau-Weißen. Den nächsten Schritt sollte Stindl bei Hannover 96 machen. Für die Niedersachsen machte er in fünf Jahren 131 Ligaspiele (19 Treffer), heiratete in dieser Zeit seine Jugendfreundin Tanita aus Kirrlach und machte auch in der Europa-League mit Toren auf sich aufmerksam.
Zur Saison 2015/16 dann der Wechsel zu den "Fohlen" nach Gladbach. Dort wurde er mit einem Fünfjahresvertrag ausgestattet, den er kürzlich um ein weiteres Jahr bis 2021 verlängerte. Bislang bestritt Stindl dort 60 Bundesligaspiele und schoss 18 Tore. Auch in der Champions-League war der bodenständig auftretende Fußballer gegen Manchester City erfolgreich.

Ab und an in Wiesental zu Gast
In der Europa-League sorgte der Mann mit der Rückennummer 13 im Februar 2017 für Furore, schoss in Florenz innerhalb von elf Minuten drei Tore und erreichte so mit Borussia Mönchengladbach das Achtelfinale des Wettbewerbs. Inzwischen war Töchterchen Livia zwar im Rheinland geboren worden, doch Lars Stindl kommt mit seiner kleinen Familie so oft als möglich zurück in die alte Heimat. Beispielsweise zum großen Waghäuseler Stadtfest oder zu einem Jugendtraining seines Jugendvereins TSV Wiesental, wo man "ihren Lars" besonders gerne sieht.
Wenn die Karriere des jungen Mannes, der in Russland als Zweitbester Torjäger mit dem "Silbernen Schuh" ausgezeichnet wurde, weiter steil aufwärts geht, dürften die Heimatbesuche künftig weniger werden. Doch das nimmt man im Hause Stindl gerne in Kauf.