Die Mühlburger und Durlacher Bürger sind verärgert. Nur mal eben parken und fix zum Bäcker flitzen - das geht seit Anfang Juli auf den Geldbeutel, denn: Das Brötchenticket, mit dem 30 Minuten kostenloses Parken in den sogenannten B-Zentren Mühlburg und Durlach möglich sind, wurde vom Gemeinderat abgeschafft.

Seit 2004 war das Konzept etabliert, um den Einzelhandel zu beleben und den Umsatz zu steigern. Doch schnell wurde klar: Das Geld fehlt dann an anderer Stelle: Rund 270.000 Euro sind der Stadt Karlsruhe nach eigenen Angaben jährlich durch die Brötchentaste auf den Parkautomaten entgangen. 

"Der größte Fehler überhaupt"

Grüne und SPD hatten Anfang 2020 daher den Wunsch nach dem Aus des kostenlosen Kurzzeitparkens in den Karlsruher Gemeinderat eingebracht. Mit 27 Ja- und 20 Nein-Stimmen wurde die Abschaffung schließlich besiegelt - ein Fehler, wie nun, fast drei Monate nach dem Ende der Brötchentaste, die Bewohner Mühlburgs eine erste Bilanz ziehen.

Massimo Ferrini
Massimo Ferrini, der Vorsitzende des Bürgervereins in Mühlburg, erhält zahlreiche Beschwerden zur fehlenden Brötchentaste. | Bild: CDU Karlsruhe

"Ich bekomme ständig wütende Anrufe, von Bürgern, die keinen Parkplatz bekommen", sagt Massimo Ferrini, Vorsitzender des Mühlburger Bürgervereins, im Gespräch mit ka-news.de. Zwar gebe es auch positive Stimmen, diese seien aber eher die Ausnahme. Stattdessen sei die Abschaffung des kostenlosen Parkens der "größte Fehler überhaupt".  Denn: das lange Suchen eines Parkplatzes sei vor allem für die älteren Bewohner des Stadtteils nicht vertretbar. 

Einnahmen der Stadt steigen

"Außerdem muss man jetzt ständig das passende Bargeld parat haben, da die Automaten nur Großmünzen annehmen", so Ferrini weiter. Zehn und 20 Cent Stücke blieben außen vor. Das führe wiederum dazu, dass für kurze Parkzeiten oft mehr gezahlt werde als nötig. Auch das Ordnungsamt Karlsruhe bestätigt auf Anfrage von ka-news.de, dass durch den Wegfall der Brötchentaste die Einnahmen entsprechend gestiegen sind. Konkrete Zahlen könne man jedoch nicht nennen.

"Aus diesem Grund wäre ein Umrüsten der Parkautomaten nötig", meint der Bürgervereins-Vorsitzende.

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Wenn das passende Kleingeld nicht parat ist, zahlen Kurzzeitparker häufig drauf. | Bild: Thomas Riedel

Potentielle Kunden fahren lieber zum Discounter

Doch nicht nur die Mühlburger, auch die Durlacher sind von der Abschaffung der Brötchentaste nicht begeistert, meint auch Gregor Wick, Sprecher des Vereins Mittelstand und Handwerk (MH) und seinerzeit Mitinitiator der Brötchentaste. Seine Kritik: Statt - wie von den Verantwortlichen erhofft - durch das Aus des kostenlosen Parktickets CO2 zu sparen und damit "ein Zeichen zu setzen", habe der Suchverkehr nach Kurzzeit-Parkplätzen nun stark zugenommen - und damit auch wieder der CO2-Ausstoß.

Gregor Wick, Sprecher des Vereins Mittelstand und Handwerk (MH).
Gregor Wick, Sprecher des Vereins Mittelstand und Handwerk (MH). | Bild: privat

"Sowohl Geschäftsleute als auch Bürger und Kunden sagen mir, dass sie dann eben zum Discounter rausfahren und dort einkaufen. Dort gibt es kostenloses Kurzzeit-Parken, aber eben weitere Wege. Der Fach- und Einzelhandel - dramatisch Corona-gebeutelt - ist den selbsternannten Umweltschützern so ziemlich egal", sagt er im Gespräch mit ka-news.de.

Mühlburg und Durlach wollen Verbot der Brötchentaste nicht hinnehmen

Laut Massimo Ferrini sei derselbe Effekt auch in Mühlburg zu erkennen: "Die Geschäfte merken, dass manche Kunden nicht mehr kommen. Besonders Kunden, die auf der Durchfahrt dort gehalten haben, fallen jetzt weg", sagt der Bürgervereins-Vorsitzende.

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Das Problem, das beide Seiten sehen: Seit der Entscheidung zu Beginn des Jahres werde das Thema im Gemeinderat ignoriert. Sowohl Gregor Wick als auch Massimo Ferrini streben nun nach eigenen Angaben danach, das Problem im Gemeinderat nochmal aufzurollen. Der Vorsitzende des Bürgervereins Mühlburg plant, Beschwerde bei Oberbürgermeister Frank Mentrup einreichen.

Gregor Wick indes will eine Unterschriften-Aktion in Mühlburg und Durlach durchführen. Sollte das nicht fruchten, so sagt er im Gespräch mit ka-news.de., will er sich bei den nächsten Kommunalwahlen im Jahr 2024 weiterhin für die Brötchentaste einsetzen.