1. Aktuelle Corona-Lage: Inzidenz im Stadtkreis steigt wieder

Ein Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt, dass sich die Corona-Inzidenzen im Stadt- und Landkreis Karlsruhe immer noch auf hohem Niveau bewegen.

Zum Vergleich: Waren am Dienstag, den 5. Oktober, noch 357 Personen mit dem Virus infiziert, so sind es am Freitag, 22. Oktober, 585. Der Sieben-Tage-Inzidenzwert liegt im Stadtkreis Karlsruhe bei 121,6 und im Landkreis bei 154,6 (Stand: Donnerstag, 21. Oktober, 16 Uhr). Die 7-Tage Hospitalisierungsinzidenz liegt mit aktuell 222 belegten Intensivbetten in Baden-Württemberg bei 3,4. Damit befindet sich das Land in der Basisstufe.

Corona Lagekarte 22.10
Bild: Landratsamt Karlsruhe

Warnstufe ab nächster Woche?

Zwar wurde schon vorab häufig  von einer vierten Welle oder einer "Welle der Ungeimpften" gesprochen - spätestens jetzt ist sie auch im Städtischen Klinikum angekommen. Grund dafür ist ein rapider Anstieg der Corona-Infektionen, was sich nicht nur in Karlsruhe, sondern landesweit niederschlägt.

Kurzum: Seit zwei Wochen werden immer mehr Covid-Betten benötigt, sodass die Kapazitäten mittlerweile in ganz Baden-Württemberg drastisch schrumpfen. So ist das Verschieben von Patienten innerhalb des Clusters kaum noch möglich, obwohl die kalte Jahreszeit noch nicht mal richtig begonnen hat. 

Links: Franz Kehl, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin
Rechts: Elvira Schneider, Pflegedirektorin
Links: Franz Kehl, Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin Rechts: Elvira Schneider, Pflegedirektorin | Bild: Verena Müller-Witt

"Wir haben eine angespannte Lage. Wir haben einen erheblichen Zuwachs an Covid-Patienten, die einer stationären Behandlung bedürfen. Es wird wirklich knapp mit Krankenhausbetten", erklärt der Direktor der Klinik für Anästhesie und Intensivmedizin, Franz Kehl. "Ich denke, die Warnstufe werden wir spätestens nächste Woche erreichen."

Bereitschaft des Personals sinkt

Dass es bereits jetzt so knapp mit den Betten wird, hänge jedoch auch damit zusammen, dass die Bereitschaft des Pflegepersonals immer weiter sinke. Der Grund: Die "ständige Konfrontation mit dem Tod auf den Intensivstationen" und die körperliche Erschöpfung durch die Dauerbelastung haben ihre Spuren hinterlassen. Viele Pfleger sind nicht mehr bereit, auf die Covid-Station zu wechseln.

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Doch wo kein Personal ist, kann auch keine Versorgung stattfinden. Infolgedessen mussten 35 Prozent der Covid-Betten inzwischen gesperrt werden. Aktuell befinden sich 13 Patienten auf der Covid-Allgemeinstation und sieben Patienten auf der Covid-Intensivstation, wovon fünf beatmet werden müssen. Auch einen Intensiv-Pädiatrie-Fall gibt es.  

Elvira Schneider, Pflegedirektorin am Städtischen Klinikum Karlsruhe
Elvira Schneider, Pflegedirektorin am Städtischen Klinikum Karlsruhe | Bild: Gudrun de Maddalena

"Was am Anfang der Pandemie wirklich hochmotiviert war, ist jetzt in Müdigkeit umgeschlagen. Die Mitarbeiter hatten keine Zeit, sich zu erholen", erläutert die Pflegedirektorin Elvira Schneider. "Es ist momentan die große Kunst, eine Balance zwischen Patientenversorgung und dem, was unsere Mitarbeiter noch stemmen können, hinzubekommen. Die Lage ist schwierig."

Klinikum spricht sich gegen Aufhebung der Pandemie-Lage im November aus

In diesem Zusammenhang klingt die Aussage der Politik, die Pandemie-Lage im November aufheben zu wollen, sehr widersprüchlich. Findet zumindest Klinikdirektor Kehl, der dieses Vorhaben besonders kritisch sieht: "Es sind nicht selten 50-Jährige, die auf der Intensivstation landen und uns dann unter den Händen wegsterben. Wir müssen zum Teil Schlaganfallpatienten woanders hinbringen", so der Klinikdirektor auf der Pressekonferenz am Freitag.

Krankenschwestern und Pflegekräfte arbeiten im besonders geschützten Teil der Intensivstation des Universitätsklinikums Greifswald.
Krankenschwestern und Pflegekräfte arbeiten im besonders geschützten Teil einer Corona-Intensivstation. | Bild: Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

"Wir kommen ohne Verordnungen nicht durch die Pandemie. Es muss nicht gleich ein neuer Lockdown sein, aber dass zumindest die effektiven Maßnahmen wie Abstand halten und Kontaktreduzierung beibehalten werden."

2. Entwicklungen der Neuinfektionen in Karlsruhe

Im Verlauf der Corona-Pandemie hat Karlsruhe nun mehrere Hochs und Tiefs hinter sich. Wie die Grafik zeigt, kletterte die Rate der Neuansteckungen im November 2020 in die Höhe, danach im März 2021 und erneut im Sommer 2021. Verantwortlich dafür ist die zurzeit vorherrschende Delta-Variante. 

Das Problem: Häufig sind Infektionsketten nicht mehr bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen, weshalb eine eindeutige Zuordnung schwierig ist. Dies nennt das Gesundheitsamt ein "diffuses Infektionsgeschehen."

3. So erfolgreich waren die Maßnahmen in Karlsruhe

Ob Schließung des Einzelhandels, Fernunterricht oder die Maskenpflicht: All diese Maßnahmen zielen darauf ab, die Ausbreitung des Corona-Virus zu verhindern. Wie die Grafik zeigt, haben die verschiedenen Beschränkungen jeweils ihre Wirkung entfaltet.

Jeweils rund eine Woche nach Einführung der Restriktionen war die Zahl der Neuinfizierten rückläufig. Dieser zeitliche Verzug ist durch die Inkubationszeit zu begründen. Im Mittel beträgt die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch von Covid-19 laut dem Robert-Koch-Institut (RKI) fünf bis sechs Tage.

In anderen Worten: Sollte es aufgrund der Vernachlässigung der Corona-Vorschriften zu vermehrten Ansteckungen kommen, kann dies erst rund eine Woche später an den Zahlen abgelesen werden.

 
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