Schon vor dem offiziellen Beginn des Spatenstichs kam es zu einer Diskussion zwischen dem künftigen Grünen-Stadtrat Manfred Schubnell und Finanzbürgermeisterin Margret Mergen. Schubnell ist der Ansicht, dass mit dem Bau des Info-Pavillions "800.000 Euro zum Fenster rausgeworfen" werde, daraufhin erwiderte Mergen: "Die Leute wollen informiert werden und der Aufsichtsrat hat sich hierfür entschieden". Schubnell: "Information ja, aber nicht so großkotzig!"

Auch Linken-Kommunalpolitikern Sabine Zürn brachte mit Plakaten ihren Widerwillen zum Ausdruck, im Gespräch mit ka-news meint sie: "Es ist bedauerlich, dass die Mehrheiten so sind." Jürgen Wenzel von den Freien Wählern freut sich auf eine künftig noch engere Zusammenarbeit mit den Grünen zum Thema Kombilösung. Grüne, Linke und Freie Wähler demonstrierten mit Transparenten, Plakaten und Sprachparolen gegen das städtische Jahrhundertprojekt Kombilösung. Auf den Protest ging auch Oberbürgermeister Heinz Fenrich bei seiner Festrede mehrfach ein.

"Bemühen Sie sich nicht, ich hab das Mikro und das ist immer lauter!"

"Ich begrüße sehr herzlich Frau Landtagsabgeordnete Splett", so Fenrich zu beginn seiner Rede. Damit nahm er allem Anschein nach Bezug auf die Pressemitteilungen der letzten Tage, in denen Splett massiv Front gegen die Kombilösung und deren Kostensteigerung machte. So behauptete sie, dass Bund und Land noch nicht offiziell über die Kostensteigerung informiert seien. Fenrich widersprach gegenüber ka-news dieser Aussage: "Natürlich weiß der Bund Bescheid" und eine unabdingbare Kostensteigerung werde mitgetragen.

Neben den demonstrierenden Stadträten waren auch noch die restlichen Fraktionen anwesend sowie der "Vater der Kombilösung" und Gründer des KVV Dieter Ludwig. Besonders hervorgehoben wurde außerdem die Anwesenheit von Regierungspräsident Rudolf Kühner. "Ich begrüße Befürworter und Ablehner der Kombilösung gleichermaßen herzlich", so Fenrich. Die Protestler antworteten mit dem Sprachchor "U-Strab Millionengrab!" Diesen Ruf wiederholten die Demonstranten bei jeder Gelegenheit ungeachtet Fenrichs Hinweis: "Bemühen Sie sich nicht, ich hab das Mikro, und das ist immer lauter!"

Keine Haushaltserleichterung durch Streichung der Kombilösung

Im weiteren betonte Fenrich abermals die Vorteile der Kombilösung, sie sorge für Arbeitsplätze und diene dem Wohl der Bürger aus der ganzen Region. Der Spatenstich zum Infopavillion sei ein auf "Neudeutsch: warming up". Schließlich sei Transparenz das oberste Gebot bei diesem Projekt. Auch der ausgewählte Ort habe Symbolcharakter: Am Ettlinger Tor werden sich die beiden "untrennbar verbundenen" Teilprojekte kreuzen und in zehn Jahren sei das "Gesicht der Stadt ganz anders".

Außerdem bringe eine Streichung der Kombilösung nicht die notwendige Haushaltserleichterung, da die 20 Prozent der insgesamt 588 Millionen Euro städtischer Anteil über die Karlsruher Schieneninfrastruktur-Gesellschaft (Kasig) abgewickelt. Die anderen 80 Prozent seien verbindlich zugesagt, 60 vom Bund, 20 vom Land. Rhetorisch fragte Fenrich: "Wie stünden wir da, wenn wir das nun ablehnen? Und wie würden künftige Karlsruher Anträge behandelt?"

Infopavillon als "Ort für Veranstaltungen"

Den darauf folgenden Parolen der Kombilösungskritiker entgegnet das Stadtoberhaupt: "Schreien ersetzt halt keine Argumente!" Getroffene Mehrheitsentscheidungen müssten akzeptiert werden, auch dies gehöre zur Demokratie. Zum Schluss unterstrich Fenrich, dass für ihn der Bau des Infopavillons ein weiterer wichtiger Schritt sei.

Der 800.000 Euro teure Pavillon soll für alle Interessierten "zum Ort für Veranstaltungen und Ausstellungen zur Kombilösung werden". Die derzeit dort noch stehende Werbetafel des Badischen Staatstheaters soll zudem in Form einer elektronischen Informationsfläche in das Bauwerk integriert werden.