Auf dem Gelände des Campus Nord in Eggenstein-Leopoldshafen wurde die letzte Großanlage im Jahre 1991 abgeschaltet. Seither werden Stück für Stück die Rückbaumaßnahmen des ehemaligen Kernforschungszentrums fortgeführt. Darunter: Die Wiederaufarbeitungsanlage, das Behälterlager für hochradioaktiven Flüssigabfall, die Verglasungsanlage, drei Reaktoren, die Heißen Zellen und die LAW-Eindampfung. 

Dieser Rückbau soll noch bis zum Ende der 2040-er stattfinden, ehe der Atommüll in das erste nach dem Atomgesetz genehmigte Endlager in Deutschland (Konrad) transportiert werden soll. Einem ehemaligen Erz-Bergwerk in Niedersachsen. Dass das alles klappt liegt in der Hand des KTE. Unter dessen Führung wurde zwei weitere Hallen gebaut, um die zunehmende Menge an Atommüll zu lagern. 

Atommüll wird für das Endlager hergerichtet

"Unser Job ist es, den Abfall möglichst Volumengering und sicher für das Endlager aufzubereiten", erklärt die KTE-Chefin während eines Rundgangs durch die neuen Betonhallen. 

Hierbei ist der Geschäftsführerin des KTE besonders wichtig zu vermitteln, dass alle nötigen Sicherheitsvorkehrungen von der Baugenehmigung (2015) über den Baubeginn (2017) bis zur Fertigstellung (2021) konsequent eingehalten wurden.

Einweihung neue Atommüll-Zwischenlager am Campus Nord Karlsruhe
Der "Vergießungsraum" im LAW. Hier werden die Fässer in Container gepackt und mit Beton aufgegossen. | Bild: Metzger, Wolfgang

So wird das Lager für mittelradioaktive Abfälle (MAW) von einer rund 1,80 Meter dicken Mauer von der Außenwelt abgeschirmt. Die Wände der Konrad Logistik- und Bereitstellungshalle (LAW) ist wegen seines schwachradioaktiven Inhaltes "nur" 80 Zentimeter dick. Modernste Technik sorgt indessen dafür, dass kein Mitarbeiter direkten Kontakt zu den Fässern hat. "Von hier dringt nichts raus", so die KTE-Chefin.

Insgesamt lagern rund 61.600 Kubikmeter Atommüll auf dem Campus. Bis zum Ende der Rückbaumaßnahmen soll sich das Volumen auf rund 94.000 Kubikmeter erhöhen. 

Einweihung neue Atommüll-Zwischenlager am Campus Nord Karlsruhe
Im Inneren des MAW. Leere Fässer, die von den Arbeitern über einen Roboterarm verladen werden, stehen bereits in der Lagerhalle. | Bild: Metzger, Wolfgang

"Wir rechnen damit, dass wir 30 bis 40 Jahre lang im Schnitt 33 Züge ins Endlager schicken müssen", erklärt KTE-Chefin Iris Graffunder. Das heißt: Bis Ende der 2060er Jahre soll der Atommüll aus Karlsruhe komplett im Endlager " Schacht Konrad" verschwinden. 

"Konrad" Fertigstellung erst im Jahr 2027

Allerdings ist dieses Endlager im niedersächsischen Salzgitter noch nicht mal fertiggestellt. Aktuell gilt das Jahr 2027 als offizieller Abgabetermin. Damit verzögert sich die Fertigstellung um rund viereinhalb Jahre. "Bis es soweit ist, werden wir hier den Atommüll zwischenlagern und zur Not wird es auch zu einem längeren Zwischenlager. Wie lange das im Endlager dauert, dafür sind wir nicht verantwortlich. Das ist Aufgabe des Bundes", so Graffunder. 

Einweihung neue Atommüll-Zwischenlager am Campus Nord Karlsruhe
Iris Graffunder, Geschäftsführerin der Kerntechnischen Entsorgung Karlsruhe (KTE) | Bild: Metzger, Wolfgang

220 Millionen Euro Jahresbudget erhält die KTE für den Rückbau der Kerntechnischen Anlagen in Karlsruhe, davon werden 60 Millionen Euro als Vorauszahlung für das Endlager in Salzgitter fällig. Der Grund: Die Lager des Campus Nord werden zirka ein Drittel des Endlagers für sich beanspruchen müssen, welches mit einem Gesamtvolumen von rund 303.000 Kubikmetern gebaut werden soll. 

Allerdings, so die KTE-Chefin, sollen die Lager nur für den Atommüll aus Karlsruhes Rückbau-Aktionen in den Zwischenlagern landen. "Die Menge am Abfallkommt erst beim Rückbau zustande."

Die Anti-Atom-Initiative Karlsruhe und der BUND hatten zuvor unter anderem kritisiert, dass mit dem Bau dieser "badischen Atomkathedrale" suggeriert werde, das mit der Müllproduktion weitergemacht werden könne wie bisher.