Besonders betroffen seien Wildgehölze wie Pfaffenhütchen (Spindelstrauch), Weißdorn, Schlehen, Traubenkirschen, Weiden und Obstgehölze wie Apfel, Kirsche und Pflaumen. "Trotz starker Fraßschäden ist eine Bekämpfung nicht unbedingt notwendig", weiß Werner Schempp. Die betroffenen Gehölze erholen sich meist und treiben wieder aus. Bei Obstbäumen kann jedoch nach einem starken Befall die Ernte komplett ausfallen.
Um hier die Schäden gering zu halten, sollten besiedelte Gespinste in einem möglichst frühen Stadium entfernt werden. Der Experte aus dem Amt für Umwelt und Arbeitsschutz rät, befallene Triebe abzuschneiden und in der Biotonne zu entsorgen oder im Garten zu vergraben. "Auch die chemische Bekämpfung ist nur zu einem frühen Zeitpunkt sinnvoll, da die Raupen in den voll ausgebildeten Gespinsten gut vor Pflanzenschutzmittel geschützt sind", erklärt Werner Schempp. Spätestens Ende Juni, wenn sich die meisten Mottenlarven verpuppt haben, ist der Spuk für dieses Jahr vorbei. Wer allerdings keinen Wert auf eine Neuauflage legt, "sollte die Gespinste rechtzeitig vernichten oder die befallenen Triebe frühzeitig behandeln", so Schempp. Dazu bieten sich Bacillus thuringiensis-Produkte an und Mittel, die Extrakte aus Neembaum-Samen enthalten.
Die Gespinstmotte ist eine Schmetterlingsart
Die Gespinstmotten stellen eine eigenständige Familie der Schmetterlinge dar. In Mitteleuropa kommen etwa 90 Arten vor. Die Biologie der Tiere ist recht ähnlich. Am weitesten verbreitet sind Apfel-Gespinstmotten, Pfaffenhütchen-Gespinstmotten, Pflaumen-Gespinstmotten sowie Traubenkirschen-Gespinstmotten. Die unscheinbaren Falter haben eine Flügelspannweite von circa. 20 Millimeter. Die weißen Vorderflügel sind mit vielen kleinen schwarzen Punkten versehen. Sie erscheinen im Hochsommer und legen ihre Eier in Gelegen zu 40 bis 80 Stück an den Zweigen ihrer Wirtspflanzen ab. Nach drei bis vier Wochen schlüpfen die Eiraupen. Sie verharren bis zum Frühjahr und beginnen mit dem Fraß. Anfangs fressen die kleinen Raupen an beziehungsweise in den Knospen und jungen Blättern. Erst mit zunehmendem Alter beginnen sie mit dem Kahlfraß unter den charakteristischen Gespinsten. Ende Juni ist die Entwicklung der meist graugelben bis zwei Zentimeter groß werdenden Larven mit der Verpuppung abgeschlossen und der Kreislauf beginnt erneut. Natürliche Feinde sind vor allem Vögel, Schlupfwespen sowie diverse Krankheitserreger.