Durch das Schalten eines Inserates soll das Auto direkt von interessierten Firmen für Werbung gebucht werden. Das Unternehmen verspricht: "Je mehr Werbeflächen Sie zur Verfügung stellen können, desto größer sind die Verdienstmöglichkeiten. Durch die Teilnahme an Werbeaktionen können Sie mit Ihrem Fahrzeug an einem Tag (8 Stunden) zusätzlich bis zu 82,- EUR verdienen."

Jessica Rapp war von dem Angebot begeistert. "Ohne eigenes Zutun Geld verdienen, das hörte sich doch gut an", so die 26-Jährige. Daher meldete sich Rapp umgehend unter der angegeben Nummer und vereinbarte einen Termin mit einem Vertreter. Dieser kam schließlich zu ihr nach Hause. Der Vertreter überzeugte die junge Mutter mit seinem souveränen Auftreten sofort.

Statt Verdienst ein Abo an der Backe

Rapp ging schließlich folgenden Deal ein: Sie stellt ihr Auto für Werbezwecke zur Verfügung. Durch ein Inserat auf der Internetseite des Unternehmens sollten mögliche Werbekunden auf ihr Auto aufmerksam werden und es als Werbefläche mieten. Der Vertreter erzählte ihr, dass die Auftragslage sehr gut sei und sich nach vier Wochen garantiert die ersten Interessenten melden würden. Rapp müsse nur einen Kfz-Bogen mit den Daten zu ihrem Auto ausfüllen und unterschreiben sowie ein Zeitschriftenabonnement abschließen. Das Inserat und die Werbefolien würden durch das Abo finanziert.

Der Vertreter rechnete ihr vor, dass die Ausgaben durch das Abo im Vergleich zu den monatliche Einnahmen von 50 bis 80 Euro aus der Autowerbung nicht weiter ins Gewicht fallen.

Die gutgläubige Frau willigte ein und unterschrieb. Vier Wochen später hatte sich noch immer kein Werbekunde bei Rapp gemeldet. Rapp wurde stutzig und recherchierte im Internet. Hier stieß sie auf etliche Foren, in denen viele Personen von ähnlichen Erfahrungen mit ActiveCar berichten. Jetzt wurde auch Jessica Rapp klar: Sie hat sich von dem Vertreter täuschen lassen.

"Was die Vertreter erzählen, dass wissen wir nicht"

Statt satter Gewinne durch Autowerbung bezieht Rapp nun 24 Monate lang eine Zeitschrift und muss dafür insgesamt etwa 300 Euro bezahlen. Das 14-tägige Widerrufssrecht ist bereits verfallen, da sie vier Wochen abwartete, wie es ihr der Vertreter geraten hatte. Der Verdacht liegt nahe, dass es immer nur darum ging, Rapp ein Abo zu verkaufen.

Die vertretungsberechtigte Geschäftsführerin der CURA Verlags- und Internetwerbung GmbH, zu der die Marke ActiveCar gehört,  Rosemarie Domine, zu den Vorwürfen gegenüber ka-news: "Ein Inserat ist nunmal kostenpflichtig. Unsere Kunden können wählen zwischen 149,90 Euro Inseratsgebühr oder dem Abschluss eines Abos. Wir vermitteln nur Inserate und mehr versprechen wir nicht. Was die Vertreter den Kunden erzählen, dass wissen wir nicht. Wir aber täuschen keine Menschen. " Über die Erfolgsquote der Anzeigen auf ihrer Internetseite konnte Domine allerdings keine Aussage machen. Laut Domine bekommt ein Vertreter 12,90 Euro für die Vermittlung eines Inserates.

Vertreter gab falsche Telefonnummer an

Nach Informationen der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg arbeiten viele freiberufliche Vertreter im Auftrag von Firmen auf Provisionsbasis, um Abos oder Telefonanschlüsse zu verkaufen. Der Verbraucherzentrale sind Autowerbungsangebote als Lockmittel durchaus bekannt. Gerade in Krisenzeiten tauchen solche Angebote massenhaft auf. "Mit der Notsituation der Menschen wird Kasse gemacht", erklärt Christian Gollner, Referent für Telekommunikation der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Wir wünschen uns, dass die Unternehmen hier besser hinsehen. Es gibt in diesem Bereich leider viel Raum für Missbrauch", so Gollner weiter.

Konfrontiert mit dem Namen des Vertreters, der bei Rapp zu Besuch war, sagt Domine, dass sie diesen nicht kenne. Die Telefonnummer des Vertreters, die ka-news genannt wurde,  führt allerdings ins Leere.

Der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Abonnentenwerbung, Werner Pienak, ist der Meinung, dass Menschen selbst schuld sind, wenn sie sich auf solche Geschäfte einlassen: "Wenn man wirklich glaubt, dass bei der Vielzahl von Werbung auf den Straßen eine Firma Interesse für ein Auto von Privatmenschen hat, dann ist das ein Motivirrtum."

Sofort schriftlich widerrufen

Die Pressevertriebszentrale (PVZ), die auch das Abonnement von Jessica Rapp verwaltet, hat inzwischen angedeutet, dass Abo überprüfen und zurücknehmen zu wollen. Die Firma ActiveCar ist dort nicht bekannt und die PVZ möchte nicht mit solchen Methoden in Verbindung gebracht werden. Rapp solle den Sachverhalt schriftlich schildern und die Kopien der Verträge mitschicken.

Die sicherste Variante ist allerdings, sich gar nicht auf solche Geschäfte einzulassen. Gollner warnt: "Auf keinen Fall eine finanzielle Vorauszahlung tätigen, egal in welcher Form. Vor allem dann nicht, wenn der Nebenverdienst nicht schriftlich zugesichert wird. " Wenn man dennoch einem solchen Vertrag zugestimmt hat, dann rät Gollner zum sofortigen schriftlichen Widerspruch: "Im Nachhinein sind Unternehmen oft bereit ohne eine Rechtspflicht Verträge zu widderufen."

Rapp wird nun schriftlichen Widerspruch bei der PVZ einlegen und hofft das diesem stattgegeben wird. "Ich war zu gutgläubig und habe daraus gelernt. Ich bin noch jung und kann dafür kämpfen. Aber viele andere Leute sind nicht dazu in der Lage", so Rapp.