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Karlsruhe Nachhaltige Feste dank Mehrweggeschirr: "Wir wollen Müll vermeiden und setzen auf Produkte aus Zuckerrohr, Porzellan oder Papier"

Wo gegessen wird, da fallen Abfälle an - nicht nur die Essensreste auf dem Teller. Gerade öffentliche Veranstaltungen und Feste tragen zu einem erhöhten Abfallaufkommen bei. Um das einzudämmen, ist es seit 1990 in der Fächerstadt verboten, bei Stadtteil- oder Straßenfesten oder auf der Mess' Einweggeschirr auszugeben.

Wie ökologisch sind die Karlsruher Feste und Jahrmärkte und warum geben nicht alle Beschicker das gleiche Geschirr aus? Das ist eine Anfrage der FDP-Fraktion an die Stadtverwaltung. "Was nicht eintreten darf, dass auf verschiedenen Karlsruher Festen immer wieder verschiedene Regeln gelten. Denn derzeit sehen wir diverse Varianten von kompostierbarem Maisgeschirr oder Bambus oder essbare Waffeln", heißt es in der Anfrage weiter. "Wir sollten eine einheitliche Linie schaffen!" 

Einweg ist bei Festen in Karlsruhe seit fast 30 Jahren verboten

Dabei gibt es schon lange diese "einheitliche Linie", wie die Stadtverwaltung auf die FDP-Anfrage antwortet. "Seit einem Gemeinderatsbeschluss im Juli 1990 ist die Verwendung von Einweggeschirr auf Stadtteil- oder Straßenfesten oder auf der Jahrmärkten grundsätzlich untersagt!"

Plastikverpackungen
Plastikgeschirr in einem Mülleimer. (Symbolbild) | Bild: Alexander Heinl

Heißt konkret: "Alle Speisen und Getränke müssen auf Mehrweggeschirr beziehungsweise in Mehrweggläsern ausgegeben werden", schreibt die Stadt Karlsruhe weiter. 

Schüsseln aus recycelbarem Material, wie etwa Bambus, müssen auf Karlsruher Festen ausgegeben werden. | Bild: Thomas Riedel

Ein Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit war schon vor der Einführung des Gemeinderatsbeschlusses das Brigandefeschd. So sagte Horst Geppert, Inhaber vom Wurschtl-Bratwurststand, gegenüber der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur bereits im Sommer 2011: "Es waren sich in den 1990ern alle schnell einig, dass wir mit Keramikgeschirr unsere Gerichte besser präsentieren können. Das Auge isst schließlich mit. Und eine Schweinshaxe mit Plastikbesteck zu schneiden - mit Verlaub - das geht gar nicht. Esskultur ohne Mehrweg ist heute gar nicht mehr vorstellbar. Umso schöner, wenn es gleichzeitig der Umwelt nützt", so Geppert. 

Müll im Schlossgarten
Eingesammelter Müll in Karlsruher Grünanlagen. | Bild: ka-news

Und er führt weiter aus: "Wir brauchen schon lange keine großen Müllcontainer mehr - und diese Entwicklung hat sich bewährt", so Geppert. Auch wenn das Spülen und die Pfandrückgabe personalintensiver sei, "die Vorteile beim Mehrweg wiegen die Nachteile mehr als auf". 

"Feste kann man auch nachhaltig feiern"

Auch auf anderen Festen in Karlsruhe wird Mehrweggeschirr verwendet, wie etwa Das Fest. Das Thema Nachhaltigkeit liegt den Machern am Herzen. "Wir sind davon überzeugt, dass man nur wirklich Feste feiern kann, wenn man dies nachhaltig und bewusst tut, mit Rücksicht auf die Umwelt. Feiern auf Raubbau wird im Kater enden", sagt Markus Wiersch, stellvertretender Geschäftsführer der Karlsruhe Marketing und Event GmbH (KME), gegenüber ka-news. 

Das Fest - Pressekonferenz
Markus Wiersch, stellvertretender Geschäftsführer der KME. | Bild: Paul Needham

Auf dem Karlsruher Kult-Festival wird das Essen beispielsweise auf Tellern aus Zuckerrohr ausgegeben. "Wir wollen Müll vermeiden und Ressourcen schonen. Darum verpflichten wir die Stände zur Verwendung von Produkten aus Zuckerrohr, Palmblatt, Holz, Porzellan oder biologisch abbaubarem Papier", so Wiersch weiter. Zudem wird auf das Geschirr, wenn es an den Fest-Besucher abgegeben wird, Pfand verlangt. "Das hilft mit, dass wir weniger Müll in der Günther-Klotz-Anlage einsammeln müssen!"

Plastikmüll
(Symbolbild) | Bild: Christoph Sator

Auch andere Events nutzen nachhaltiges Geschirr

Für Markus Wiersch von der KME ist es sinnvoll, dass von der Stadt Leitlinien vorgegeben werden. Ob es allerdings möglich ist, dass sich alle Veranstalter an das gleiche Konzept halten können? "Das kommt drauf an, wie sie aufgestellt sind", so Wiersch im Gespräch mit ka-news. 

Street Food-Festival Festplatz
Auf dem Street Food-Festival werden die Burger auf kompostierbaren Tellern ausgegeben. | Bild: Sascha Kemper

Bei den Veranstaltungen der KME, die nicht nur Das Fest organisieren sondern auch Events wie die Schlosslichtspiele, das Indoor Meeting oder das Karlsruher Stadtfest, wird immer das gleiche Konzept für Mehrweg- oder recycelbares Geschirr verwendet, wie Markus Wiersch sagt.

Das Fest - Pressekonferenz
Bild: Paul Needham

"Gemeinsam mit dem Amt für Abfallwirtschaft entwickeln wir uns hier auch immer weiter und sind stets auf der Suche nach innovativen und nachhaltigen Müllvermeidungs-­ und Entsorgungsmöglichkeiten", erklärt der stellvertretende Geschäftsführer gegenüber ka-news. "Ob sich unser Konzept so einfach auf andere Feste und Veranstaltungen übertragen lässt, muss je nach Veranstaltungstyp individuell geprüft werden."

Sicher ist jedoch, dass sich das Thema Nachhaltigkeit für Das Fest wohl lohnt: Bereits zum fünften Mal in Folge ist es zum Gewinner des Greener Festival Award gekürt worden. 

 

 

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  •   Eine_Armlaenge_Abstand
    (1122 Beiträge)

    29.01.2019 15:21 Uhr
    Ich überlege mir gerade,
    wer sich denn -äh - qualitativ nicht so ganz hochwertiges Essen mittels Plastikgeschirr in einer staubigen und verschwitzten Menschenmasse reinschaufelt.

    Das muss so eine grenzdebile Anwandlung von dekadentem Jungvolk sein. Oder solchen, die gerne noch jung wären.
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  •   sodele
    (184 Beiträge)

    29.01.2019 17:34 Uhr
    Es wird von Ein- und Mehrweggeschirr gefaselt
    anstatt einmal eine richtige Ökobilanz von so einer Veranstaltung zu machen.
    Da sind zum einen der Lärm, die Anreise der Leute mit Auto / Bahn, die Erzeugung von Fäkalien usw.
    Erwähnt werden sollte auch, dass der Genuß von Alkohol und der Verzehr fettiger und übersüßter Speisen gesundheitsschädlich ist.
    Hinzu kommen noch die Berge von Müll .

    Also wenn die DUH vom Fest Wind bekommt, sehe ich schwarz grinsen
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    30.01.2019 06:54 Uhr
    Um
    sicher zu gehen sollte man dort den Gebrauch von Ohrenstäbchen ganz verbieten!
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  •   sodele
    (184 Beiträge)

    30.01.2019 13:30 Uhr
    Ein
    super Vorschlag. Ich empfehle Ihnen die adhoc Arbeitsgruppe "Ohro kratz" ins Leben zu rufen und mit der Lobbyarbeit zu beginnen grinsen
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  •   SteMoe
    (28 Beiträge)

    29.01.2019 11:48 Uhr
    Trinkrücksack bzw. Blase nicht erwünscht.
    Wie ist das mit dem Trinkrücksack bzw. der Trinkblase auf solchen Veranstaltungen ?
    Ist nicht gerne gesehen oder sogar verboten weil man soll ja dort Konsumieren.
    Hat mit Konsumieren und oder gar Sparen garinchts zu tun sondern ist genau die Müllvermeidung die man hier propagieren möchten mit Nachhaltigkeit.
    Mit Camelback wurde mir der Zutritt schon mal verwehrt soviel zum zum Thema Müllvermeidung bei Festivität.....
    Gründe des Verbots der Trinkblase liegen also nicht im Umweltschutz !
    Nur ein Bsp. Das Konzert von Andrea Berg auf ihrer Ranch.
    Glasflaschen auch für Babynahrung wurden beim Einlass aussortiert und somit Zutritt nur ohne diese.
    Was wurde beim Konzert dann verkauft - Glasflaschen !
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  •   Consigliere
    (345 Beiträge)

    29.01.2019 09:27 Uhr
    Abfallvermeidung
    passt halt nicht in eine braune Deppenideologie, sie wollen nur unsere die Erde ausbeuten und nach ihnen die Sintflut.
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  •   glaubnetalles
    (399 Beiträge)

    30.01.2019 06:57 Uhr
    So an
    Quatsch, die Braunen waren doch die ersten Ökospinner! Denen ihr Chef war sogar Vegetarierer
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  •   ralf
    (3670 Beiträge)

    29.01.2019 01:11 Uhr
    Umfüllen von Flaschen in Plastikbecher
    Ich habe es schon mehrfach erlebt, dass aus Gründen der "Sicherheit" doch Glasflaschen in Plastikbecher umgefüllt wurden. Irgendwie wirkt das Gesamtkonzept auf mich nicht schlüssig.
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  •   Joerg_Rupp
    (2703 Beiträge)

    28.01.2019 15:55 Uhr
    seit dem letzten Jahr
    nimmt China keine europäischen Plastikabfälle mehr an. Seitdem ist noch sehr viel mehr Druck auf dem Plastikabfallmarkt. Kleinere Mengen Plastik - 150 kg bei uns im Betrieb im letzten Jahr - werden von Kunststoffrecyclern kaum mehr angenommen, selbst wenn die Ware einwandfrei, sortenrein und sauber ist.
    Platik landet also unnötigerweise in der Verbrennung - oder in der Landschaft.
    Müllvermeidung ist wie Energiesparen noch eines der nachhaltigsten Mittel, um Ressourcen zu sparen. Der Plastikkontinent im Atlantik, das Vorkommen kleinster Plastikteilchen überall macht es notwendig, dass jede*r seinen Beitrag leistet. Da sind andere Länder schon viel weiter.
    Und ja: Plastikgeschirr ist unnötig wie ein Kropf. Ich benutze seit Ewigkeiten keines mehr. Und wenn "Strohhalme" wieder Strohhalme werden - ist doch alles in Ordnung. Wenn Plastikbesteck durch Holzbesteck ersetzt wird - super. Meist noch dazu spülbar und bindet damit auch CO².
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  •   SteMoe
    (28 Beiträge)

    29.01.2019 12:15 Uhr
    Premiere
    Als langjähriger passiv Leser von Ka-News ist es das erstmal das ich dem Herren Rupp 100% zustimmen kann - bzw. sogar muß.
    Als Mitglied im PWV und aktiver Wanderer und Outdoorgriller finde ich diesen Plastikmüll also das "Plaste Geschirr" für absoluter Umwelt-Wahnsinn der um jeden Preis vermieden werden sollte.
    Selbst auf einer mehrtägigen Wanderung ist es leichter den Edelstahbecher / Teller und das BW-Besteck mitzuschleppen als zig Plastikbecher / Teller usw.
    Auf vielen Weihnachstmärkten ist es fast schon Tradition ( seit Jahren z.B. in Bad Wimpfen ) das man selber seine Tasse mitbringt für den Glühwein.
    Und es geht.....Nur auf dem Fest geht es NICHT !
    Warum ?
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