Der aktuelle technische Stand an den Karlsruher Schulen ist eher bescheiden. Das geht aus einer Untersuchung der Stadtverwaltung hervor, die am Dienstag dem Gemeinderat präsentiert wurde. Es geht hervor, dass aktuell von 90 schulischen Einrichtungen in Trägerschaft der Stadt Karlsruhe 71 eine "strukturierte Datenverkabelung" habe. 17 Schulen haben nur in einem Computerraum Netz - zwei Schulkindergärten sind völlig vom Netz getrennt.
Doch auch wenn eine Datenverbindung vorhanden ist, gibt es zum Teil massive Unterschiede zwischen den Schulen. So haben nur die Schüler an fünf Einrichtungen Zugriff auf eine 150 Mbit-Leitung. Fünf weitere Schulen haben immerhin einen VDSL-Anschluss mit einer Geschwindigkeit von 25 oder 50 Mbit pro Sekunde. Der Großteil, 58 Schulen, verfügt über einen 16 Mbit-Anschluss, elf Schulen haben sogar nur 6 Mbit pro Sekunde auf der Leitung.
Zum Vergleich: Mit einer modernen Glasfaserverkabelung sind mittlerweile theoretisch Download-Geschwindigkeiten von bis zu 1.000 MBit pro Sekunde möglich! An das Glasfasernetz sind derzeit nur elf berufliche Schulen angeschlossen, die allerdings auch nur über eine Rate von 10Mbit/s verfügen.
Zudem sind aktuell weniger als die Hälfte (1.150 von 2.650) Klassenräumen mit einem Beamer ausgestattet, 180 weitere Räume haben ein interaktives Whiteboard. Dieses Gerät projiziert zum einen Bildschirminhalte an eine weiße Wand, kann aber auch per Stift oder Fingerdruck auf der Tafel bedient werden.
Gemeinderat ist sich einig
Dieser "digitale" Zustand soll sich in den nächsten Jahren allerdings deutlich verändern - darüber war sich der Gemeinderat bei seiner letzten Sitzung einig: "An der Notwendigkeit der Anpassung an das moderne Zeitalter besteht keine Kritik", so Oberbürgermeister Frank Mentrup in seinem Vorwort zur Beschlussvorlage. So bestehe kein Zweifel, dass etwas gemacht werden müsse. Bislang habe es nur das Problem gegeben, dass der Stand der einzelnen Schulen unklar war. Aber nicht nur eine besseren Anschluss und die Ausstattung mit Endgeräten sei nötig, sondern auch eine entsprechende Fortbildung für die Pädagogen müsse angestrebt werden, so Mentrup weiter.
Dieser Stellung stimmten die Stadträte einheitlich zu. So stellte beispielsweise Sibel Habibovic (SPD) fest, dass es in dem Bereich Verbesserungspotential gibt, auch um die jungen Menschen die Kenntnis für die Technik von heute und morgen näherzubringen. Auch Erik Wohlfeil (Kult) begrüßt, dass die Kinder so auf die digitale Gesellschaft vorbereitet werden.
Niko Fostiropoulos (Linke) kritisiert lediglich, dass diese Entwicklung mit viel Verspätung käme. Als Ergänzung zur Ausstattung fordert Friedemann Kalmbach (GfK) ein entsprechendes pädagogisches Konzept. Dazu ergänzt Tom Hoyem (FDP), dass auch das entsprechende Personal nötig ist, um die Technik zu warten. Diese Meinungen schlossen sich CDU und Grünen an.
Schulen sollen in vielen Bereichen digitalisiert werden
Konkret geht es dabei um folgende Pläne: In einem ersten zeitnahen Schritt soll veraltete Netzwerktechnik erneuert werden. Aber auch eine kabellose Alternative - die flächendeckende WLAN-Struktur - soll schnellstmöglich her. In Sachen Präsentationsmöglichkeiten sei das Ziel, in jedem Klassenzimmer und Fachraum eine "digitale Möglichkeit" bereitzustellen.
Doch nicht nur das ist in den Plänen vorgesehen: Der Gemeinderat sprach sich vor allem auch für die Erweiterung der digitalen Ausstattung an Karlsruher Schulen aus. So soll ein "1:1-Verhältnis" der Lehrenden und den Schülern zu den Endgeräten hergestellt werden. Alternativ dazu seien in Zukunft sogenannte "BYOD (Bring Your Own Device)-Szenarien" vorstellbar. Das Prinzip: Die Schüler bringen ihre eigenen Endgeräte mit. Das müsse allerdings zwischen dem Kultusministerium und den kommunalen Landesverbänden geklärt werden.
Fast 15 Millionen Euro in fünf Jahren
Für diese Zukunftspläne will die Stadt einiges an Geld investieren: Insgesamt sollen einmalig fast 15 Millionen, verteilt auf fünf Jahre, ausgegeben werden. Der größte Anteil dieser Summe bildet dabei die Investition in die Ausstattung der Schulen (PC, Notebooks, Tablets, Beamer oder auch Whiteboards): Hierfür sind mit Einberechnung der zusätzlichen Vernetzung und Umbauten über sieben Millionen Euro vorgesehen.
Für die erste Ausstattung der Schüler sollen zunächst rund zwei Millionen Euro in die Hand genommen werden. Damit können laut Plan insgesamt drei Geräte pro Klasse zur Verfügung gestellt werden. Zukünftig werden dann pro Jahr drei weitere Geräte pro Klasse für fast 3,5 Millionen Euro angeschafft. Diese Summe ist allerdings nicht in der Gesamtsumme von 15 Millionen eingeplant.
Für den stationären Internet-Anschluss der Schulen sind laut Plan fast 4,5 Millionen beabsichtigt. Damit zusätzlich auch WLAN in den Klassenzimmern vorhanden sein wird, sind zudem über 1,7 Millionen Euro angedacht. Auch bei diesen Summen sind bereits die aufkommenden Bauarbeiten inbegriffen.