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Karlsruhe Ablenkung Handy am Steuer: 200 Meter Blindflug sind große Gefahr

8.249 Fahrer mit dem Handy in der Hand - das ist die Zahl, die die Polizei Karlsruhe im Jahr 2017 auf frischer Tat ertappt hat. Doch diese Ablenkung wird immer noch stark unterschätzt. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg (DHBW) Karlsruhe zeigt mit einer Studie, wie gefährlich der Blindflug am Steuer ist.

Nur mal kurz schreiben, dass man gleich zuhause ist - bei einer Geschwindigkeit von 50 Kilometern pro Stunde werden dabei rund 200 Meter auf der Straße zurückgelegt. Quasi blind, ohne den Blick auf die Umgebung gerichtet zu haben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der DHBW Karlsruhe. Wie groß ist das Unfallrisiko? Wie groß die Ablenkung? 

Im Eye Tracking-Labor haben Forscher daher eine empirische Untersuchung gewagt. 24 Teilnehmer zwischen 18 und 26 Jahren (je 12 Frauen und Männer) sollten während einer simulierten Autofahrt eine Nachricht mit dem Text "Bin gleich da." schreiben. Das Ergebnis ist mehr als erschreckend. Mit dem Griff zum Handy waren die Probanden laut Pressebericht der DHBW im Schnitt 14,6 Sekunden abgelenkt um die Textnachricht zu verschicken. Frauen lösten die gestellte Aufgabe etwa zwei Sekunden schneller als die männliche Vergleichsgruppe. Doch in diesen knapp 15 Sekunden legten sie in der simulierten Autofahrt etwa 200 Meter Wegstrecke zurück. Ohne die Umwelt wahrzunehmen und die Situation nur durch flüchtige und oft auch unkoordinierte Blicke zu erfassen. 

Eye Tracking Autofahrt Ablenkung
Mit dem Eye Tracking konnten die Forscher der DHBW aufzeigen, wo die Blicke der Probanden hingehen, wenn sie dann mal vom Handy aufgeblickt haben. | Bild: Duale Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe

Nach der Studie: Teilnehmer verzichten auf Telefonieren

"Wahnsinn, das ist ja fast wie Blindflug", sagte eine Teilnehmerin nach der Studie überrascht. Bei einer Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometern beträgt der Anhalteweg, also die Reaktionszeit und der Bremsweg, 25 Meter - bei guten Straßenverhältnissen. In einer realen Gefahrensituation kann dieser Weg schon zu lang sein. 

Von den 24 Teilnehmern verzichtet nach der Studie fast die Hälfte auf das Telefonieren am Steuer. Jedoch lesen 92 Prozent der jungen Probanden ankommende Textnachrichten. Dagegen stehen 87 Prozent, die mit dem Schreiben einer Nachricht beim Fahren ein noch größeres Risiko der Ablenkung eingehen. 

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Kommentare (12)
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  •   mikado46
    (129 Beiträge)

    15.04.2018 20:15 Uhr
    Autoradio
    Jeder Verkehrsteilnehmer ist verpflichtet sich so zu verhalten dass er mit alle Sinne am Verkehrgeschehen
    teilnehmen kann. Dazu gehört auch , dass man das Radio ( egal ob Auto- oder Kopfhörer) nur so laut
    einstellt, dass man auch Umgebungsgeräusche wahrnimmt.
    Das scheint bei manche Autofahrer und Radfahrer nicht so populär zu sein.
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  •   art5gg
    (491 Beiträge)

    15.04.2018 14:38 Uhr
    Allein der Reaktionsweg bis zum Beginn der Bremsung....
    ....wird bei Tempo 50 mit 15m angenommen (Sehen/Erkennenen/Reagieren/Umsetzen/Ansprechen der Bremsen).
    Um dann einen Anhalteweg von 25m hinzuzubekommen, müssen aber Straßenverhältnisse und Reifenmischung optimal sein und der Fahrer sofort eine Gefahrenbremsung hinlegen.
    Da aber eher davon auszugehen ist, dass der Fahrer noch Restalkohol hat oder der letzte Joint noch nicht so lange her ist, ist der in der Fahrschule gelehrte Anhalteweg von 40m (aus 50km/h) wohl noch zu optimistisch.
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  •   Eckball
    (33 Beiträge)

    14.04.2018 23:59 Uhr
    Ich bin kürzlich...
    ... im Feierabendgewühl gegen 17:30 über die Kreuzung am Mühlburger Tor gefahren. Eine junger Dame im Auto rechts neben mir hat in der linken Hand ein großes Smartphone und das Lenkrad gehalten und mit der rechten Hand eine WA getippt während der Überfahrt über die Kreuzung; unbegreiflich! Als Vielfahrer sind mir schon mehrere Fahrzeuge teilweise auf meiner Seite entgegengekommen; die Köpfe der FahrerInnen waren jeweils nach unten geneigt. Einmal half nur ausweichen auf den befestigten Grünstreifen. Wann wird endlich etwas dagegen unternommen? Hier sollten drastiche Strafen angeordnet werden; in Singapur geht das auch. Den Kommunen ist es leider wichtiger, Autofahrer abzukassieren, die die erlaubte Höchstgeschwindigkeit geringfügig überschreiten.
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  •   Hüttenkäse
    (421 Beiträge)

    15.04.2018 11:37 Uhr
    Warum eigentlich Singapur - Saudi-Arabien wäre für Sie viel besser!
    Dort dürfen Frauen nicht Auto fahren -und ist WhatsApp da eigentlich erlaubt?
    Zitat von Eckball Als Vielfahrer sind mir schon mehrere Fahrzeuge teilweise auf meiner Seite entgegengekommen;
    Sind Sie wirklich "Vielfahrer" oder eher "Geisterfahrer"? zwinkern
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  •   mikado46
    (129 Beiträge)

    14.04.2018 22:32 Uhr
    Da bin ich .....
    ....aber froh, dass Radfahrer mit Kopfhörer, die freihändig fahren weil sie das Handy bedienen, keine Gefahr
    darstellen. Zumindest sind von der Polizei 8249 Autofahrer von der Polizei erwischt worden und mit
    Busgeld und Punkte belegt worden. Aber kein einziger Fahrradfahrer .
    Behördlich gewollte Narrenfreiheit für die Radfahrer.
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  •   lenkdreiachser
    (390 Beiträge)

    16.04.2018 21:43 Uhr
    Gut finde ich...
    ...das auf dem Rad auch nicht. Aber die potenzielle Gefahr für Leib und Leben durch einen halbtauben Honk auf zwei Rädern ist doch exponentiell geringer als auf vier Rädern.
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  •   NeoTiger
    (624 Beiträge)

    15.04.2018 09:14 Uhr
    Nicht alle Kopfhörer sind geschlossen
    Auch wenn der Eindruck dadurch oft entsteht sie seien taub: es gibt viele Earplug-Kopfhörer, die die Umgebungsgeräusche nahezu ungemindert durch lassen. Damit Rad zu fahren ist auch nicht anders als mit Autoradio zu fahren.
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  •   betablocker
    (3670 Beiträge)

    16.04.2018 10:09 Uhr
    Das wage
    ich doch sehr zu bezweifeln, zumal man davon ausgehen kann, dass die Musik im allgemeinen eher laut gehört wird.
    Und im Gegensatz zu früher wurde man ja überall durch das Geplärre aus den Kopfhörern belästigt, heute hörst du keinen Fatz mehr. Und wo nichts rauskommt geht auch nichts rein, soviel ist sicher. Die Dinger sitzen in den Ohren wie Gehörschutz.
    Besonders beeinruckt hat mich die Tage mein Nachbarsmädle, da habe ich nämlich gesehen, dass sie die Dinger unterm Helm trägt. Dazu braucht man dann ja wohl gar nichts mehr zu sagen. Hätte ich gerne, aber ich bin nicht ihr Erziehungsberechtigter.
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  •   NeoTiger
    (624 Beiträge)

    14.04.2018 19:09 Uhr
    Mir ist es unbegreiflich ...
    ... wie die Leute überhaupt auf die Idee kommen während der Fahrt auf ihr Handy zu glotzen. Ständige Verkehrsbeobachtung ist für mich das A und O beim Autofahren.
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  •   Hüttenkäse
    (421 Beiträge)

    15.04.2018 11:18 Uhr
    Autofahren ist eine kognitiv sehr anspruchsvolle Tätigkeit...
    ... für die jeder Mensch eben sehr unterschiedlich individuell ausgestattet ist. Entsprechend ist es vermessen zu sagen, dass Handy-Telefonierer grundsätzlich schlechter Auto fahren, als "ständige Verkehrsbeobachter" wie Sie.

    Gerade letzteres überfordert ja viele - wie anders sind z.B. die üblichen Panikreaktionen vor einem stinknormalen Kreisverkehr zu erklären? Ich will eigentlich längst weiterfahren, aber er/sie vor mir ist noch damit beschäftigt den Verkehr zu beobachten. zwinkern
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