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Karlsruhe: "1.000 Gründe sprechen dafür": Deutscher Hanfverband demonstriert für legales Gras vor dem Karlsruher Schloss

Karlsruhe

"1.000 Gründe sprechen dafür": Deutscher Hanfverband demonstriert für legales Gras vor dem Karlsruher Schloss

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    "1.000 Gründe sprechen dafür": Deutscher Hanfverband demonstriert für legales Gras vor dem Karlsruher Schloss
    "1.000 Gründe sprechen dafür": Deutscher Hanfverband demonstriert für legales Gras vor dem Karlsruher Schloss Foto: Thomas Riedel

    In Zeiten der Pandemie lassen die Befürworter einer Legalisierung die Debatte um Marihuana nicht versiegen. So startete am Samstag den 15. Mai der Global "Marijuana-March" 2021 des DHV. Ihr Ziel: Aufmerksamkeit und Jugendschutz.

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    Foto: Thomas Riedel

    Die Demonstration begann auf dem Schlossplatz und zog am Bundesverfassungsgericht vorbei um lautstark gegen das Cannabis-Verbot zu protestieren. Es sei nur einer von zehn Märschen in verschiedenen deutschen Städten, so die Veranstalter gegenüber ka-news.de

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    Foto: Lars Notararigo

    Und der Marsch ist gut besucht. Weit mehr als die ursprünglich erwarteten 50 Demonstranten tummeln sich vor dem kleinen Infostand am Schlossgarten. Slogans, Statements und Spruchbanner in allen Ausführungen flattern im Wind, während die Menge rhythmisch zu Reggae-Klängen wippt.

    Der Konsum von Cannabis während der Veranstaltung verboten

    Begleitet wird die Demonstration von insgesamt vier Reden, die neben dem DHV auch von den Linken, der Karlsruher Linksjugend und den Jungsozialisten (JuSos) gehalten werden.

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    Foto: Thomas Riedel

    Schon zu Beginn der Demo wird betont, dass "der Genuss und Konsum von Cannabis während der gesamten Veranstaltung untersagt ist. Ausnahme sind medizinische Fälle." So lange der Konsum öffentlich verboten sei, wolle man sich auch daran halten, sagt der Ortsgruppenleiter des DHV Karlsruhe, David.

    Jährlich 2,6 Milliarden Euro Steuerverluste

    Dennoch liegt das Hauptaugenmerkt der Veranstaltung auf Argumenten gegen das Verbot. Es sei Verschwendung, Cannabis zu kriminalisieren, sagt David: "Die Polizei würde entlastet werden und könnte sich um echte Kriminalität kümmern, statt gegen Cannabis-Konsumenten zu ermitteln, die einfach nur in Ruhe gelassen werden wollen."

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    Foto: Thomas Riedel

    Das Besteuern von Cannabis brächte dem Staat "jährlich 2,6 Milliarden Euro, auf die durch die Kriminalisierung verzichtet wird. Das würde sicher gerade in Corona-Zeiten die Wirtschaft ankurbeln."

    Und nicht nur ökonomisch, auch ökologisch sei der Verzicht auf Hanf ein Fehler: "Aus Hanf ließen sich beispielsweise auch Textilien oder Papier herstellen. Dabei wären Ernte, Transport und Verarbeitung wesentlich umweltschonender als etwa bei Baumwolle oder Holz." Das wichtigste Thema, sei seiner Meinung nach jedoch der Jungendschutz

    "Wir wollen die Droge nicht glorifizieren"

    "Wir wollen die Droge nicht glorifizieren, im Gegenteil", sagt er in seiner Rede. "Wir wollen Gerechtigkeit und Jugendschutz." Cannabis sei bereits in allen Gesellschaftsschichten vertreten und durch Illegalisierung noch gefährlicher.

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    Foto: Thomas Riedel

    "Auf dem Schwarzmarkt gibt es keinen Jugendschutz", argumentiert David, "und da es an Schulen keine wirkliche Aufklärung zum Thema Cannabis gibt, rauchen viele Jugendliche nur das was sie illegal kaufen können."

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    Foto: Thomas Riedel

    Dies sei seiner Ansicht nach ein sehr gefährlicher Ansatz. "Solcher Stoff ist nicht selten chemisch aufbereitet und gestreckt. Mit Haarspray, synthetischen Drogen oder sonstigen Schadstoffen. In staatlicher Hand würde nur der Naturstoff Cannabis verkauft werden und das Risiko wäre von offizieller Seite kontrolliert."

    "Wer Sucht bekämpfen will darf Drogen nicht kriminalisieren"

    Auch die Kreissprecherin der Linken Karlsruhe, Anna Jahn, bezieht sich auf die Aspekte der Wirtschaft, des Umwelt- und des Jugendschutzes. Darüber hinaus spricht sie davon, dass Cannabis-Konsumenten aufgrund der Kriminalisierung oft stigmatisiert würden.

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    Foto: Thomas Riedel

    "Durch diese Stigmatisierung wird es sehr viel schwieriger, Suchtopfern und Abhängigen zu helfen." Viele Drogenabhängige ließen die Möglichkeit auf Hilfe aus einem Schamgefühl heraus verstreichen, so ihre Einschätzung. 

    "Wer Sucht bekämpfen will darf Drogen nicht kriminalisieren. So hilft man den Betroffenen nicht. Wir brauchen Aufklärung und Beratung statt Verteufelung. Aus diesem Grund ist die Linke für die Entkriminalisierung aller Drogen. Natürlich nur mit entsprechendem Aufklärungsangebot." Aufklärung sei vor allem wichtig, damit "bei der Legalisierung die Sicherheit des Konsumenten im Mittelpunkt steht, nicht etwa die Interessen der Vertreibenden", wie Jahn ergänzt.

    "1.000 Gründe für eine Legalisierung"

    "Es sprechen 1.000 Gründe für eine Legalisierung", so Anna Jahn während ihrer Ansprache vor dem Schloss. "Und die Gegenargumente lassen sich meist leicht widerlegen." Dabei bezieht sie sich auch auf die Gefährlichkeit der Droge.

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    Foto: Maximilian Plenert

    "Alkohol steht laut einer Studie des britischen Drogenforschers David Nutt an der Spitze der Drogen mit dem höchsten Schadenspotenzial. Und das noch vor Heroin", so ihr Resümee. Dies gelte sowohl für die eigene Person, als auch für die Gesellschaft. Cannabis liege laut der Studie im Mittelfeld.

    Vier Parteien sprechen sich dafür aus

    Dennoch werde "Alkohol von der CDU angepriesen, während Cannabis verteufelt wird." Gerade die CDU benennt sie als Hauptfaktor, der der Legalisierung von Cannabis im Wege stünde.

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    Foto: Lars Notararigo

    "Die Linke, die Grünen, die SPD und die FDP sprachen sich bereits für eine Entkriminalisierung aus. Nur die CDU hält dagegen." Dabei beriefen sich die Christdemokraten, laut Jahn, in erster Linie auf die Tradition des Cannabisverbots und auf den Ruf des Hanfs als Einstiegsdroge, für gefährlichere Substanzen. Beide Argumente weist die Vertreterin der Linken jedoch zurück.

    "Es gibt keine Einstiegsdroge"

    "Es gibt keine Einstiegsdroge. Der Kontakt mit anderen Drogen über Cannabis wird nur dadurch hergestellt, dass auf dem Schwarzmarkt viele Drogen gleichzeitig verkauft werden. Und das ohne jede Kontrolle." Wie ein Sprecher der Linksjugend Solid, Benjamin Benz, hinzufügt. 

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    Foto: Lars Notararigo

    Zuletzt, so sagt Anna Jahn, würde sie das Verbot "als Bevormundung empfinden. Die CDU wehrt sich nach Kräften gegen ein Tempolimit auf der Autobahn - redet von persönlicher Freiheit. Aber was sich erwachsene Menschen ihrem Körper zuführen, das soll nicht unter das Persönlichkeitsrecht fallen."

    "Wir verstehen die Kritik nicht"

    Gleichzeitig habe die CDU jedoch selbst eine Studie zum Thema Cannabis herausgegeben. "Diese Studie ist sehr positiv für Cannabis, seinen Nutzen und seine Legalisierung ausgefallen", so der Veranstalter David. "Seitdem wurde auch nicht mehr von dieser Studie geredet."

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    Foto: Thomas Riedel

    Und gerade das stoße bei vielen der Anwesenden auf Unverständnis. "Wir verstehen die komplette repressive Kritik an der Legalisierung nicht. Wir verstehen genauso wenig, warum die Bundesregierung auf das Geld verzichtet, das damit eingenommen werden könnte."

    Cannabis in Kanada

    In anderen Ländern, wie etwa Kanada, sei bereits legalisiert worden. Dies habe laut dem Veranstalter zur Folge gehabt, dass "Der Konsum zurückging, weil der Reiz des Verbotenen wegfällt. Er wurde außerdem verantwortungsvoller. Ebenso wurde das Justizsystem entlastet und der Staat nahm einiges an Geld ein."

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    Foto: Thomas Riedel

    Doch ob eine Legalisierung in Deutschland realistisch ist, weiß niemand der Anwesenden zu sagen. "Zurzeit wird ein Antrag im Bundesverfassungsgericht bearbeitet um zu prüfen, ob die Illegalisierung von Cannabis verfassungswidrig ist", so der DHV-Sprecher weiterhin. "Allerdings wird der schon seit Jahren verschoben und soll nicht vor 2022 Ergebnisse liefern."

    Weitere Bilder zum Global Marijuana-March 2021:

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