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Fünf Jahre ka-news

Die Technologiefabrik war der erste Sitz der neuen Online-Tageszeitung
(Foto: ka-news)
Von Werner Herkert

Es gibt Situationen im Leben, da entscheidet sich weit mehr als die Zukunft der kommenden Tage, Wochen und Monate. Natürlich vorausgesetzt, sie werden erkannt, mit beiden Händen festgehalten und es wird aus ihnen auch etwas gemacht - mit allem Für und Wider. Manche Menschen nennen solche einschneidenden Momente Schicksal. Manche Menschen sprechen vom Glück des Tüchtigen. Was es auch immer bei den "Erfindern" von ka-news war, es sollte das Berufsleben gravierend verändern.

Oft erfordern richtungsweisende Entscheidungen eine gehörige Portion Mut zum Risiko. Insbesondere, wenn einem eine Idee nicht mehr aus dem Kopf geht, ihre Umsetzung allerdings mit gehörigem Einsatz verbunden ist. Lesen Sie hier die Vorgeschichte zu ka-news, über das Lampenfieber und über die Pressekonferenz am ersten Online-Tag. Und auch über einige der Hürden in der Startphase. Die Geschichte zweier nicht in Karlsruhe geborener und auch nicht in Karlsruhe aufgewachsener (Jung-)Unternehmer, die sich aber Karlsruhe längst mehr als verbunden fühlen.

Die Geschichte beginnt im Sommer 1998

Für die Gründer und alleinige Inhaber der mediaByte GbR, der "Mutter" von ka-news, Steffen Bischoff und Thomas Langer, war die zukunftsweisende Situation ein Aufeinandertreffen in der Technologiefabrik (Tefak) in der Karlsruher Haid-und-Neu-Straße. Mein Artikel über die beiden IT-Spezialisten und ihr 1996 gegründetes Unternehmen mediaByte sollte buchstäblich richtungsweisend werden. Sie entwickelten die erste CD-ROM über die Fächerstadt. Über die Recherche lernten wir drei uns kennen und einige Monate nach der Veröffentlichung des Berichts sollte sich unser Weg erneut kreuzen. Der Grund: es war die Idee für ka-news geboren.

Der Termin für die erste Besprechung fiel auf einen lauen Sommerabend 1998. Gegenüber der Technologiefabrik, im Biergarten der Hoepfner-Burg, kam es zu einer "folgenschweren Abmachung". Aus Bischoffs Gedanken an ein Online-Nachrichtenmagazin wurde durch meine journalistische Zusage ein konkretes Projekt. Es folgten mehr als zwei Jahre Entwicklungsarbeit. Nicht, ohne dass jeder von uns weiterhin seiner selbständigen multimedialen beziehungsweise journalistischen Arbeit nachging. Jeder hatte seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Die Entwicklung von ka-news musste, ohne zeitlichen und in der Planungsphase auch ohne finanziellen Druck, sozusagen "nebenher" passieren. Doch alle von uns waren - wie das bis heute der Fall ist - mit Herz und Seele bei der Sache. Uns war klar, ka-news ist weit mehr als ein Hobby. Nachrichten im Internet sind die Zukunft.

Am 1. Februar 2000 sollte es losgehen

Besuchern wird ka-news vorgeführt
(Foto: ka-news)
Oktober 1999 war dann der größte Teil der Arbeit hinter den Kulissen abgeschlossen. Uns war zu dem Zeitpunkt klar, dass wir soweit sind. Das erste Karlsruher Online-Nachrichtenportal stand kurz vor dem Startschuss. Aus vereinten und eigenen Kräften schufen wir ein neues, junges Medium für Karlsruhe und die Region. Doch nun, so knapp vor dem Ziel, fragten wir uns: Können und sollen wir "das Wagnis ka-news" wirklich eingehen? Es lag im Internet-Geschäft zu dem Zeitpunkt viel Hoffnung, uns waren aber auch die Risiken bewusst. Es sei erwähnt, dass wir nie mit dem Gedanken spielten, das "schnelle Geld" zu machen. Der "Neue Markt" war für uns nie ein Thema. Und mit Blick zurück, hat uns das auch das unternehmerische Leben gerettet. Auch, wenn uns dessen Talfahrt in unserer schwierigen Startphase beinahe mit in den Sog der IT-Pleiten und der Umsatzeinbrüche bei den Medien gezogen hätte. Da wir uns aber darauf einstellten, dass wir kleine Brötchen backen und lieber gesund wachsen wollten, konnte das den Internet-Markt aufmischende Gewitter uns am Ende nichts anhaben. Wobei wir zugeben, dass wir einige bittere und stürmische Zeiten in den ersten Jahren zu überstehen hatten.

Doch nochmals zurück in den Herbst 1999. Uns war bewusst, dass wir mit einem Online-Start vor oder inmitten des Weihnachtstrubels niemandem einen Gefallen tun. Schon gar nicht uns selbst. Und da sich bekanntlich im Januar die meisten Menschen noch eher mit dem Winterschlaf als mit Frühlingsgedanken beschäftigen, entschieden wir uns für den 1. Februar 2000 als Geburtsstunde von ka-news. Zumal die letzten Wehen in der redaktionellen und damit der inhaltlichen, journalistischen Arbeit vor dem Onlinestart noch zu überstehen waren. Schließlich galt es angesichts unseres überschaubaren Etats anfangs ein sehr kleines, aber feines Team zusammenzustellen, damit wir die lokalen und regionalen Nachrichten vom ersten Tag an selbst produzieren konnten.

Der "große Tag" rückt immer näher

Wie Vieles keine leichte Aufgabe, denn nicht jeder lässt sich auf ein Online-Projekt ein, dessen Zukunft niemand vorher sagen konnte. Zwar kann der Glaube bekanntlich Berge versetzen, aber er garantiert nicht die Honorar-, Miet- und Fixkostenzahlungen, die auch bei einem jungen Internet-Medium Monat für Monat anfallen. Aber letztlich meisterten wir auch diese Hürde - und dafür danken wir allen helfenden Händen der ersten Stunden, Tagen, Wochen und Monate.

So sah ka-news in den ersten Tagen aus (Grafik: ka-news)

Der große Tag rückte näher und näher. Und wie es zu einem ehrgeizigen, unternehmerischen Vorhaben gehört, feilten und schufteten auch wir bis zur letzten Sekunde, um eine möglichst "gute Figur" im Netz, aber auch gegenüber den Kollegen der schreibenden und sendenden Zunft abzugeben. Denn wie sich das für ein Medienunternehmen zum Online-Start gehört, veranstalteten wir am 1. Februar um 14 Uhr eine Pressekonferenz (PK) mit einem kleinen Empfang. Dass wir keine halbe Stunde zuvor noch an der ersten Topmeldung von ka-news schrieben und uns bei den ersten Berichten, die online gingen, eine fette journalistische Panne im Eifer des Gefechts unterlief - Leser der ersten Minuten erinnern sich vielleicht an die falsche "Grötzinger Tunnel-Meldung" -, verdeutlicht den Trubel an dem für uns großen Tag. Beides gehörte mit zu den Punkten, die unser Lampenfieber ins fast Unermessliche an dem Nachmittag steigerten.

Betriebsspionage bei ka-news

Nachdem jedoch alle gewünschten Informationen den Kollegen der Badischen Neuesten Nachrichten, der Rheinpfalz, der Stadtzeitung und all den weiteren Wochen- und Monatsblättern übermittelt wurden, kamen die Rundfunk-Journalisten zum Zug. Das SWR-Team machte seine letzten Bilder, um dann eilig den Beitrag für die "Landesschau" im Südwest-Fernsehen fertig zu stellen. Am Ende der PK hatten die Brezeln ihre Abnehmer gefunden, die Sekt- und Saftgläser standen zum Spülen bereit und die Mediadaten waren eifrig eingesteckt worden. Das Interesse an ka-news seitens der Redakteure und Journalisten war beeindruckend. Jedes Medium schickte mindestens eine Vertreterin oder einen Vertreter in die Technologiefabrik. Dass allerdings am Ende in keinem Printmedium auch nur eine Zeile über den Start des "ersten Karlsruher Online-Magazins" zu lesen war, verwunderte uns dann doch sehr. Noch nicht einmal die Chronistenpflicht in Form einer Kurzmeldung sahen die "Betriebsspione" als notwendig an. Ganz anders die Kollegen vom öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunk. Fair und sachlich fielen die Berichte im Radio und SWR-Fernsehen aus.

Steffen Bischoff nimmt den Preis entgegen (Foto: ka-news)
An dieser Lage hat sich bis auf wenige Ausnahmen bis heute nichts Wesentliches geändert. Leider. Inzwischen mit Ausnahme der kollegialen Hilfe seitens der "Klappe Auf" und vom "Wochenblatt Baden/Pfalz". Doch wenige Monate nach dem Start war die für uns erfreulichste Ausnahme der 6. November 2001. An diesem Abend erhielt das zu dem Zeitpunkt wesentlich vergrößerte Team von ka-news den "Karlsruher Innovationspreis", verliehen von der Fiducia und der Volksbank Karlsruhe. Diese Verleihung fand letztlich in den angestammten Printmedien dann doch Beachtung, worüber wir uns sehr freuten und wofür wir uns auch bedanken. Denn es ist, im Gegensatz zu etlichen anderen Städten, in Karlsruhe alles andere als alltäglich, in den konkurrierenden Medien namentlich erwähnt zu werden.

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