Weil bei den meisten Personen das Reizdarmsyndrom nur leichte Beschwerden auslöst, benötigen sie keine Therapie. Bei einigen Menschen sind die Beschwerden aber auch so stark, dass sie das tägliche Leben erheblich einschränken. In diesem Fall ist eine gezielte Therapie problematisch, weil die Ursachen des Reizdarmsyndroms bisher kaum geklärt sind.

Studienlage zur Reizdarm-Behandlung

Eine Behandlung, die bei allen Betroffenen die Symptome lindert, gibt es laut der Studienlage bisher nicht. Bisher ist belegt, dass die folgenden Maßnahmen vielen Menschen helfen:

  • Psychologische Behandlungen (z.B. kognitive Verhaltenstherapie und Hypnose)
  • Krampflösende und antibiotische Medikamente, Mittel gegen Verstopfung und Antidepressiva
  • Nahrungsergänzungsmittel mit Pfefferminzöl oder Probiotika

Zu vielen anderen Empfehlungen gibt es bisher keine aussagekräftigen Studien. Dazu gehören Darmspülungen, Reflexzonenmassagen und verschiedene Arten der Ernährung, die etwa durch mehr Ballaststoffe das Reizdarmsyndrom lindern sollen.

Die hilft laut Studien beim Reizdarmsyndrom

Die folgenden Behandlungsmethoden können laut Studien bei vielen Menschen die Symptome des Reizdarmsyndroms lindern. Welche der Methoden die höchsten Erfolgsaussichten bietet, lässt sich jedoch nicht allgemein sagen.

Mittel gegen Verstopfung

Wenn sich das Reizdarmsyndrom vorwiegend durch Verstopfungen bemerkbar macht, helfen häufig Abführmittel (Laxantien), die ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind. Inzwischen werden auch spezielle Reizdarm Kapseln angeboten, die die Darmtätigkeit normalisieren, Darmverstopfungen verhindert und somit Schmerzen reduzieren.

Sollten diese Mittel nicht wirken, gibt es in Deutschland noch verschreibungspflichtige Medikamente mit dem Wirkstoff Linaclotid (Constella). Dieser konnte in Studien bei Reizdarmsyndrom mit Verstopfung helfen. Es kann jedoch zu Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopf- und Bauchschmerzen und blutigem Stuhl kommen.

Probiotika

Im Darm leben unterschiedlichste Bakterien, die für die Verdauung essenziell sind. Bei manchen Menschen mit Reizdarm ist die Darmflora jedoch gestört. In diesem Fall können probiotische Mittel mit Bakterienkulturen helfen. Welche Bakterienart dafür am nützlichsten ist und wie hoch die Dosis sein muss, hat die Wissenschaft bisher nicht herausgefunden. Weil Probiotika von fast allen Personen gut vertragen werden, ist ein Selbsttest bei Menschen mit Reizdarmsyndrom sinnvoll. Zu den seltenen Nebenwirkungen gehören leichte Blähungen.

Pfefferminzöl

Pfefferminzöl ist ein bekanntes Naturheilmittel, dass den Darm beruhigt und dessen Muskulator entspannt. Laut einigen Studien hilft Pfefferminzöl auch Menschen mit Reizdarmsyndrom kurzfristig. Eingenommen wurden zwischen 500 und 800 mg täglich in Kapselform. Ob auch Pfefferminzlösungen oder -tropfen helfen, wurde noch nicht erforscht. Bei neun Prozent der Probanden kam es durch das Pfefferminzöl zu leichten Nebenwirkungen wie Aufstoßen und Sodbrennen.

Krampflösende Mittel

Bei einem Teil der Patienten mit Reizdarmsyndrom kommt es zu starken Krämpfen. Laut Studien können diese mit krampflösenden Medikamenten (Spasmolytika) wie Butylscopolamin, Cimetropium, Pinaverium und Otilonium behandelt werden. Diese entspannen die Darmmuskulatur und lindern dadurch die Schmerzen. In Deutschland ist ausschließlich Butylscopolamin erhältlich, das rezeptfrei in Apotheke gekauft werden kann. Einige Patienten berichten auch, dass der Krampflöser Mebeverin hilft. Diese Wirkung wurde aber noch nicht durch Studien bestätigt. Mögliche Nebenwirkungen der Krampflöser sind eine verschwommene Sicht, ein trockener Mund und Schwindel. Diese treten aber nur bei einem kleinen Teil (5 %) auf.

Antibiotika

Bei manchen Reizdarmpatienten mit starken Blähungen und Durchfall können Antibiotika die Symptome deutlich lindern. Gut erforscht ist vor allem das Antibiotikum Rifaximin. In Deutschland ist Rifaximin leider nur zur Behandlung von Reisedurchfall zugelassen. Ärzte haben aber die Möglichkeit im Rahmen eines „Off-Label-Use“ das Medikament auch an Menschen mit starkem Reizdarmsyndrom zu verschreiben. Die Kosten dafür werden jedoch nicht immer durch die Krankenkasse übernommen.

In Studien konnte das Antibiotikum kurzfristig die Beschwerden eines Reizdarms lindern. Noch ist aber unklar, ob die Erkrankung auch langfristig mit dem Medikament behandelt werden kann. Aufgrund der teils starken Nebenwirkungen wie Übelkeit und Pilzinfektionen und allergischen Reaktionen sollte Rifaximin mit Bedacht eingesetzt werden. Bei einigen Patienten kam es überdies dazu, dass das Antibiotikum die Beschwerden sogar verstärkt hat, weil es die Darmflora beeinflusst.

Antidepressiva

In einigen Fällen wird Reizdarm überdies mit trizyklischen Antidepressiva und Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) behandelt. Auch diese Medikamente sind in Deutschland verschreibungspflichtig und können nur im Rahmen eines „Off-Label-Use“ nach ausführlicher ärztlicher Beratung zur Behandlung des Reizdarmsyndroms verwendet werden.

Laut Studien können sowohl trizyklische Antidepressiva als auch SSRI beim Reizdarmsyndron helfen, weil sie eine schmerzlindernde Wirkung haben und die Muskulatur des Magen-Darm-Trakts entspannen. Aufgrund der teilweise starken Nebenwirkungen wie sexueller Unlust, Übelkeit und Appetitlosigkeit werden Antidepressiva bei Reizdarm in der Regel nur zur Behandlung verwendet, wenn andere Therapien erfolglos blieben. Problematisch ist außerdem, dass manche Antidepressiva zu Verstopfung oder Durchfall führen können und somit die Symptome des Reizdarmsyndroms zusätzlich verstärken.