Sie sind wie guter Wein. Je älter, desto besser! Tatsächlich sind sie jedoch steinalt, sogar älter als die Rolling Stones. Als sich die englischen Urgesteine - die bekanntlich immer noch auf Tour sind - im Jahre 1962 in London gründeten, waren die "Starboys" aus Forst schon da und bereits ein Jahr früher am Start.

Während ein gewisser Bob Dylan 1961 seine Weltkarriere in Angriff nahm, fühlten sich die "Starboys" bodenständiger und blieben stets der Region verbunden. "Wir hatten alle unsere Wurzeln beim Musikverein Forst, trafen uns bei mir daheim und beschlossen in der aufkommenden Beat-Ära, künftig als 'Tanz- und Showband Starboys' den Menschen Freude zu bereiten", eröffnet das noch immer aktive Gründungsmitglied Josef "Seppl" Schmidt. Jetzt kann die bis weit über die Region hinaus bekannte Formation bereits auf eine 60-jährige Geschichte zurückblicken.

Fünf Mark betrug die erste Gage pro Kopf - nicht lange danach bot man ihnen bereits 1.000 Mark für jedes Bandmitglied.
Fünf Mark betrug die erste Gage pro Kopf - nicht lange danach bot man ihnen bereits 1.000 Mark für jedes Bandmitglied. | Bild: Hans-Joachim Of

Eigentlich wäre das runde Jubiläum mit einer Livemusik-Session schon im Vorjahr angestanden, doch aus den bekannten Gründen (Corona lässt grüßen!) war keine Feier möglich. Am 30. Juli soll diese im Rahmen des 125-jährigen Geburtstages des Turnvereins Forst nachgeholt werden. Die fünfköpfige Gruppe kommt in der Zeit von 19 Uhr bis 22.30 Uhr auf die Eventbühne bei der Waldseehalle Forst und wird mit bekannten Songs an die "gute, alte Zeit" anknüpfen.

Die Formation, die in den 60er-Jahren sogar einen Vertrag mit dem Karlsruher Starclub hatte und in dieser Zeit mit namhaften Kapellen aus dem In- und Ausland gemeinsam auf der Bühne stand, spielt an diesem besonderen Abend in der Besetzung, die jetzt schon einige Jahre "auf dem Buckel" hat. Die älteren Leser erinnern sich vielleicht an den Starclub Karlsruhe, Kaiserstraße 95, "Center of Beat", genannt. "Da hat die Hütte gebrannt" wissen noch heute die früheren Konzertgänger.

Erste Gage: Fünf Mark

Der Rückblick: Der 75-jährige Josef Schmidt, früherer Oberstudienrat am Bruchsaler Schönborn-Gymnasium, war damals zusammen mit Heinz Margrander, Günter Rudolf, Manfred Veith und Manfred Swiduruk mit einem heute nicht denkbaren Instrumentarium - drei Klarinetten, einer Posaune, einer Gitarre - angetreten. "Wir spielten zunächst deutsche Lieder wie 'Heißer Sand', 'Ich schau den weißen Wolken nach' oder auch den 'Schneewalzer'", erinnert sich Schmidt, der als Frontmann immer noch den Ton angibt, sowie Gitarre und Saxophon beherrscht.

Der erste öffentliche Auftritt der "Starboys" war im Jahr 1962 bei einer Jugendtanzveranstaltung an.
Der erste öffentliche Auftritt der "Starboys" war im Jahr 1962 bei einer Jugendtanzveranstaltung an. | Bild: Hans-Joachim Of

Der erste öffentliche Auftritt? "Das war eine Jugendtanzveranstaltung an einem Sonntagnachmittag des Jahres 1962 in der örtlichen Jahnhalle, zu der sogar unser Bürgermeister gekommen war." Ihre Gage: "Fünf Mark pro Mann und ein Schnitzel." Überhaupt: Die Forster Jahnhalle ist untrennbar mit dem Namen "Starboys" verbunden. Dort begann die musikalische Karriere der heute "Ältesten Beatband und Boygroup" in der Region. Dort feierte man legendäre, runde Geburtstage mit viel Prominenz sowie alten und neuen Fans.

Angebot zur Deutschland-Tour: Was wäre aus den "Starboys" geworden?

Ein besonderes Erlebnis aus früheren Zeiten erzählt Josef Schmidt immer wieder gerne: "1965 hatten wir zwei Auftritte in eben diesem, legendären Karlsruher Starclub, zusammen mit der damals sehr bekannten englischen Beatband 'Casey Jones & The Govenors', die mit dem Hit 'Dont't Ha Ha' Geschichte schrieben." Die "Starboys" seien mit Beifall überschüttet worden und man bot ihnen an, für die traumhafte Monatsgage von 1.000 Mark pro Mann dort jeden Abend zu spielen sowie auf eine anschließende Starclub-Tour durch Deutschland zu gehen.

Josef Schmidt, Frontmann der "Starboys".
Josef Schmidt, Frontmann der "Starboys". | Bild: Hans-Joachim Of

"Wir standen damals schon im Berufsleben oder haben studiert. Deshalb lehnten wir dankend ab", lacht Schmidt. Heute ist die Band, die "weit über 200 Songs im Repertoire" hat, neben Josef Schmidt in folgender Besetzung am Start: Hans-Albert Graf (71)) aus Odenheim spielt Bass, Trompete und Gitarre. Alois Wiedemann (70) aus Forst (Gitarre, Bass). Rainer Kneis (68) aus Karlsdorf (Keyboards) und Karl-Heinz Epli aus Forst (Drums). "Wir möchten unsere Fangemeinde wie seit Jahr und Tag mit toller Livemusik verwöhnen und durch besondere, ausgesuchte Titel aus dem gesamten Rock- und Pop-Universum für Begeisterung und Tanzvergnügen sorgen", heißt es aus dem Bandlager.