Die Filmstadt/der Filmstandort Karlsruhe war Thema beim aktuellen Kulturfrühstück - und es wurde angeregt besprochen, diskutiert und (auch ein bisschen) gestritten. Die spannendste Frage war: Wie steht es um den Filmstandort Karlsruhe, wohin kann er sich entwickeln, was sind die neuesten Ideen?

Unter dem Motto "Vom Flimmern & Rauschen – der Filmstandort Karlsruhe" schwelgte Kulturamtsleiterin und Moderatorin Susanne Asche schwelgte zu Beginn ein wenig in Erinnerungen, denn das letzte Kulturfrühstück mit Thema Filmstadt Karlsruhe fand vor 12 Jahren statt und war von der Größe noch deutlich überschaubarer. Auf deutsch: Man hat sich gut entwickelt im vergangenen Jahrzehnt.

Susanne Asche (links) beim Kulturfrühstück (Archivbild)
Susanne Asche (links) beim Kulturfrühstück (Archivbild) | Bild: tfr

Asche sprach von einer "brodelnden, bunten, nervösen und vielfältigen" Karlsruher Filmszene. Hier tun sich vor allem Persönlichkeiten wie Oliver Langewitz mit seinem Filmboard (seit 2007) hervor, der uns unter anderem mit seinem Newsletter wöchentlich mit Neuigkeiten rund um den Film in Karlsruhe versorgt - das ist Fleiß und Enthusiasmus gleichermaßen, und man liest genau heraus, welch (Kino-)Fan Langewitz immer noch ist! Großartig!

Der Verein vernetzt darüber hinaus unter seinem Dach Unternehmen, Regisseurinnen und Regisseure, Autorinnen und Autoren, Schauspieler und Kameraleute untereinander, aber auch mit der deutschlandweiten wie internationalen Film- und Fernsehbranche. Langewitz ist überzeugt: Ohne Kontinuität wäre alles nichts, und auch, dass filmische Events ohne engagierte Menschen und Ehrenämtler nicht zu stemmen wären und dass es in Karlsruhe "natürliche Wachstumsgrenzen nach oben" gibt.

Fehlende Infrastruktur im filmischen Karlsruhe

Es gab natürlich auch kritische Stimmen und Einschätzungen: Welche Arbeitsbedingungen finden Filmschaffende und Produktionsfirmen vor? Hier wurde unter anderem die fehlende Infrastruktur (beispielsweise spezielle Dienste, Technik-Verleih) angesprochen, auch die problematische Baustellen-Situation war Gegenstand der Diskussion, welche Karlsruhe schon etwaige Groß-Produktionen gekostet hätte.

Es ist aber trotzdem herausragend, was sich da in Sachen Film so entwickelt hat in der Fächerstadt. Man denke nur an die zahlreichen und vielschichtigen Festivals, die den jährlichen Kulturkalender Karlsruhes bereichern. Da wären: Die schon legendären "Independent Days", das 3-D-Festival "Beyond" sowie das Stummfilmfestival sind mittlerweile zu Klassikern avanciert.

2014 wurde zudem das Dokumentarfilmfestival "dokKa" aus der Taufe gehoben, es gibt ein queeres Festival, ein Jugendfilmfestival und zum vierten Mal findet in diesem Jahr in der Kinemathek das "Handicap im Film Festival" statt. Weiterer Pluspunkt Karlsruhes ist die variable Kinolandschaft, deren filmisches Spektrum vom Blockbuster bis zum Autoren- und Arthauskino reicht.

Festivals mittlerweile echte Karlsruher Marken

Die interessanteste (und wohl auch spannendste) Eingebung aber kam an diesem Vormittag von Kulturamtsleiterin Susanne Asche selbst: Warum nicht EIN großes (eventuell auch interdisziplinäres), jährliches Filmfestival aufziehen? Man (be)merkte aber schnell, dass die jeweiligen anwesenden Festival-Macher der Idee eher kritisch gegenüberstanden, der Gedanke von gegenseitigem Kannibalismus stand im Raum. Die Festivals seien zudem mittlerweile echte Karlsruher Marken geworden, diese gingen verloren oder verwässerten zumindest.

Einhellige Meinung war aber bei allen, dass einige neue Ideen kein Stückwerk bleiben dürften, sondern als konzertierte Aktion weitergedacht werden müssten. Ein beispielhafter Gedanke sei eventuell eine gemeinsame Website, um überregionales und internationales Publikum anzuziehen, man benötige ein "klassisches Marketingkonzept", um letztendlich zu reüssieren.

www.independentdays-filmfest.com
www.schauburg.de
www.stummfilmfestival-karlsruhe.de
www.beyond-festival.com
www.kinemathek-karlsruhe.de
www.dokka.de