Projektionen auf einem weißen, transparenten Vorhang an der hinteren Seite des Reitvierecks webten den roten Faden durch das Programm. Vom Ursprung des Lebens bis hin zur Verwendung des Pferdes im Laufe der Geschichte und den verschiedenen Rassen der Kontinente huldigte die Gala jenem Geschöpf, auf dessen Rücken für so viele das Glück dieser Erde liegen soll. Stimmungsvoll war auch die Beleuchtung, welche die sonst für Sportzwecken genutzte Europahalle in festliches Licht tauchte. In der Mitte der Halle zogen schließlich die Hauptakteure des Abends die Zuschauer in ihren Bann: Hengste der fünf edelsten Rassen überhaupt.
Mini-Pony mal ganz groß
Araber, deren Zucht als die älteste der Welt gilt, fegten an den Tribünen vorüber, Andalusier - die feurigen Pferde Spaniens - zeigten ihr Temperament, Lipizzaner, die edlen Schimmel, bezauberten durch ihre Eleganz, Lusitanos bewiesen ihr Dressurtalent und Friesen, die "Schwarzen Perlen", sorgten allein durch ihre majestätische Erscheinung für Staunen
Sissi und Graf Andrássy (Foto: pr) |
Mal vollführten spanische Reiter das traditionelle Garrocha, das Spiel mit den Hirtenstangen, mal erinnerte eine Friesenquadrille an die Verwendung des Pferdes im Kampf. Höfisch mutete es an, als "Sissi" auf ihrem Lipizzaner-Hengst samt Gefolge im Damensattel einritt oder der Friese Chagall vor der "Hollywood-Kutsche", einer Spezial-Konstruktion, die dem Pferd maximale Bewegungsfreiheit erlaubt, Lektionen der Hohen Schule ausführte. Dass das Pferd im Sport kaum noch wegzudenken ist, zeigte eine Vorführung der Dressur-Kunst mit schwierigen Elementen wie Galoppwechsel, Schenkelweichen oder Piaffen. Ein quirliges Mini-Pony durchbrach jene Kür und zeigte, dass auch Kleine hoch springen können.
Schulen über der Erde die Perfektion der Reiter
Mit der Hohen Schule ging es nach der Pause weiter. Der in der Fachwelt bekannte und vielgerühmte Luis Valenca zeigte mit seinen Lusitanos den Weg von der Remonte, also quasi dem noch an die Dressur heranzuführenden Jungpferd, bis hin zum fertig ausgebildeten Pferd. Den Schwerpunkt bildeten hier die Schulen über der Erde. Levaden, bekannt als die "Denkmalpose", bei denen das Pferd mit aufgerichteten Vorderbeinen nur auf den Hinterbeinen steht, schienen unter seiner Führung zu den leichtesten Übungen zu gehören. Die Capriole gilt als der schwierigste Sprung überhaupt - das Pferd springt mit allen Vieren in die Luft und schlägt am höchsten Punkt mit den Hinterbeinen aus - bei Valenca gab es jene Lektion gleich mehrfach zu sehen.
Überhaupt saßen bei der Galanacht ausschließlich Profis im Sattel. Scheinbar ohne Hilfen dirigierten sie die Pferde durch die ausverkaufte Halle, wohlgemerkt ausschließlich Hengste, und wer selbst reitet weiß, welche Leistung allein dahinter steckt. Reiten mit Feuer, im Verführungsspiel mit einer tuchschwingenden Flamencotänzerin oder an der applaudierenden Menge vorbei - das Fluchttier Pferd war so hervorragend ausgebildet und geführt, dass es nichts aus der Ruhe zu bringen schien, ohne dabei jedoch an Esprit verloren zu haben.
Reiten zur Kunst verfeinert
Féria Sebastian Fernandez und Alejandro Barrionuevo (Foto: pr) |
Das geflügelte Pferd Pegasus gehörte sicherlich zu den Höhepunkten des Abends. Ganz ohne Zügelhilfen und nur mit den Beinen ließ die Reiterin ihren Lipizzaner zum Gesang einer Opernsängerin förmlich durch die Halle schweben. Danach das Finale und ein zauberhafter Abend voller Leidenschaft, der in die Welt der Reitkunst und Pferde entführt hatte, ging zu Ende.
Die prachtvollen und traditionellen Kostüme sowie die fein abgestimmten einzelnen Figuren und Bilder, untermalt von Live-Musik, Gesang und Tanz, erhoben die "Galanacht der Pferde" zu einem Erlebnis nicht nur für Pferdefreunde, sondern für Ästheten. "Apassionata" ließ bildhaft werden, was es bedeutet, wenn Pferd und Reiter als Einheit in Harmonie und voller Vertrauen zusammen agieren, nämlich dass Reiten zur Kunst verfeinert wird. "Unsere Pferde sind Show-Pferde. Sie lieben ihre Karotte, aber auch den Applaus", hieß es zu Beginn der Veranstaltung. Letzterer wollte am Ende kaum mehr abebben.