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Karlsruhe Virtuelle Zeitreise, Archäologie in Baden und Kaiser und Sultan: Das gibt es 2019 im Badischen Landesmuseum zu sehen

Das Badische Landemuseum ist auch 2019 definitiv einen Besuch wert. Warum? Das zeigt Ihnen die Übersicht über die Ausstellungen in diesem Jahr.

Audienz im Schloss - Eine virtuelle Zeitreise ins Barock

(Ab Ostern 2019 im Schloss Karlsruhe)

Im Mittelbau des Karlsruher Schlosses befand sich einst der prächtige Marmorsaal. Hier empfingen die Großherzöge den europäischen Hochadel und feierten im Glanz von Kronleuchtern, Gold und Marmor feudale Feste. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg lebt nun am Originalschauplatz die vergangene Pracht wieder auf - Virtual Reality (VR) sei Dank!

Marmorsaal, Westwand, Schloss Karlsruhe Fotografie um 1892
Marmorsaal, Westwand, Schloss Karlsruhe, Fotografie um 1892 | Bild: Badisches Landesmuseum

Ausgestattet mit einer VR-Brille begeben sich die Besucher zur Audienz: Im ehemaligen Barocksaal empfängt sie die Kabarettistin und Entertainerin Annette Postel in der Rolle eines der legendären Tulpenmädchen. Die Gespielin des Markgrafen Karl Wilhelm plaudert dabei manche Anekdote über das Schloss und seine Bewohner aus. Geschichte wird so zu einem Erlebnis für die Sinne.

Das Projekt wird vom Darmstädter Studio Faber Courtial realisiert, das sich auf die virtuelle Animation geschichtlicher Ereignisse und berühmter Bauwerke spezialisiert hat. Seine detailreichen Rekonstruktionen sind regelmäßig in großen TV-Dokumentationen zu sehen. Für die virtuelle Rekonstruktion wurden zahlreiche historische Fotografien nach Angaben aus zeitgenössischen Berichten und Inventarlisten koloriert. So entsteht ein authentisches und originalgetreues Bild des einstigen Marmorsaals - als Festsaal, als Ruine und als modernes Museum.

Neue Sammlungsausstellung "Archäologie in Baden"

(Ab 13. Juli, Schloss Karlsruhe)

Im Vorfeld einer Generalsanierung des Karlsruher Schlosses hat das Badische Landesmuseum eine neue Gesamtkonzeption für seine künftigen Sammlungsausstellungen entwickelt. Nach der Devise "Museumsbesucher zu Nutzern machen!" sollen die Bürger künftig - ähnlich wie in Bibliotheken und Lesesälen - direkten Zugang zu den Beständen erhalten. Die Neueinrichtung der Sammlungsausstellung Ur- und Frühgeschichte gilt als Testlauf für diese neue Konzeption. Die Abteilung "Archäologie in Baden - Expothek¹" wird am 13. und 14. Juli 2019 im Rahmen eines großen Museumsfestes eröffnet.

Die neue Abteilung "Archäologie in Baden" führt die Besucher zu den Anfängen der menschlichen Kulturgeschichte im badischen Raum. Präsentiert werden herausragende und einzigartige Stücke: unter anderem ein bei Karlsruhe gefundener, in Bronzedraht gefasster Eberzahn (1200-1100 v. Chr.) oder ein bei Altlußheim ausgegrabenes, vermutlich in Südrussland hergestelltes kostbares Schwert (1. Hälfte 5. Jh. n. Chr.).

Sogenannter Heidelberger Kopf, Heidelberg, Fragment einer keltischen Grabstele, 5 Jh. v. Chr.
Sogenannter Heidelberger Kopf, Heidelberg, Fragment einer keltischen Grabstele, 5 Jh. v. Chr. | Bild: Schoenen

Der erste Raum der neuen Ausstellung bietet mit 13 Highlight-Stationen eine zeitliche und räumliche Verortung. Der Rundgang beginnt mit dem Anfang der Altsteinzeit beim Neandertaler. Über Faustkeil, Beil und verschiedene Objekte der metallischen Revolution gelangen die Besucher zum sogenannten Heidelberger Kopf, dem Oberteil einer keltischen Grabstele aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Von dort geht es zu den Römern, Germanen und schließlich zu den Merowingern. Neben Texten auf Deutsch und Englisch führt eine Kinderspur Familien und junge Besucher zu den wichtigsten Ereignissen und veranschaulicht die Entwicklungen bis zur Zeit Karls des Großen.

Erstmals in einem großen kulturgeschichtlichen Museum ist ein Großteil der Objekte hautnah erfahrbar – ganz ohne Vitrinenglas. Rund die Hälfte der zirka 1.500 gezeigten Ausstellungsstücke werden auf individuellen Wunsch der Besucher durch sogenannte Explainer vorgelegt. Bei diesen Explainern handelt es sich um geschulte Museumsmitarbeiter, welche die Originale aus den Vitrinen entnehmen und persönlich Auskunft geben. In der neuen Expothek sind sie darüber hinaus Ansprechpartner für die digitalen Tools der Ausstellung.

Ausgerüstet mit Smartphones können Nutzer die neue Expothek eigenständig erkunden. An interaktiven Medientischen ist es möglich, Lieblingsobjekte auszuwählen, Quizfragen und Puzzles zu lösen und Erfolge in Highscore-Listen zu verzeichnen. Jäger und Sammler des 21. Jahrhunderts verfolgen virtuelle Tierchen, die erst durch Augmented Reality sichtbar werden.

Merowingische Zierscheibe, Hüfingen, Darstellung eines Reiterheiligen, Silber, um 600
Merowingische Zierscheibe, Hüfingen, Darstellung eines Reiterheiligen, Silber, um 600 | Bild: Gaul

Ein Roboterarm scannt live und in 3D Originalobjekte, welche dann für die eigene Recherche zur Verfügung stehen. Diese intuitiv bedienbare und leicht verständliche 3D-Digitalisierungsstation verdankt das Badische Landesmuseum der Förderung durch die Klaus Tschira Stiftung. Die digitale Entdeckungsreise in der Ausstellung endet im ExpoLab: Mithilfe von VR-Brillen entstehen um reale Objekte herum allmählich Lebenswelten. Drei Alltagsszenen werden lebendig: Die Nutzer tauchen ein in eine Geschichte lange vor unserer Zeit ...

So verschmilzt in der neuen Sammlungsausstellung "Archäologie in Baden" der analoge Museumsbesuch mit neuesten digitalen Anwendungen. "Die Nutzerinnen und Nutzer haben große Handlungsfreiheit in der neuen Sammlungsausstellung. Sie ist Labor, digitales Spielfeld und Objektpräsentation zugleich. Über die Authentizität der Originale, aber auch über die digitalen Formate werden neue Zugänge geschaffen. Wir definieren den Museumsbesuch ganz neu", so Landesmuseumsdirektor Eckart Köhne.

Beim Museumsfest ist die neue Ausstellung erstmalig zu erleben. Das Ticket für das Museumsfest kann im Anschluss als Nutzerausweis freigeschaltet werden: Einmalig erworben, gilt dieser nach der Registrierung ein ganzes Jahr lang als Eintrittskarte in die neue Abteilung und die Sammlungsausstellungen im Karlsruher Schloss. Zudem erlaubt der Nutzerausweis den digitalen Besuch der "Archäologie in Baden" vom eigenen Wohnzimmer aus.

Kaiser und Sultan – Nachbarn in Europas Mitte 1600-1700 - Große Landesausstellung 2019

(19. Oktober 2019 bis 19. April 2020, Schloss Karlsruhe)

Das Badische Landesmuseum feiert im Jahr 2019 sein 100-jähriges Gründungsjubiläum. Zum Kernbestand des Hauses zählt die weltbekannte "Karlsruher Türkenbeute" – eine Trophäensammlung der badischen Markgrafen aus den Türkenkriegen des 17. Jahrhunderts. Wie kaum eine andere Sammlung steht sie für die Geschichte Badens und beleuchtet gleichzeitig deren europäische Dimension.

Turbanhelm, polnisch, Ende 17. Jahrhundert
Turbanhelm, polnisch, Ende 17. Jahrhundert | Bild: laboratory Stock National Museum in Krakow

Erstmals widmet sich die Große Landesausstellung "Kaiser und Sultan" den historischen und kulturellen Verflechtungen in Ostmittel- und Südosteuropa. Das im Herzen Europas gelegene und von den Osmanen Rumelien genannte Gebiet war im 17. Jahrhundert Schauplatz von Kriegen und Glaubenskonflikten. Im Spannungsfeld der Großmächte wurden Ungarn, Siebenbürgen und die Balkanhalbinsel zu Transit- und Grenzräumen.

Rossschweif osmanisch, 2. Hälfte 17. Jh.
Rossschweif osmanisch, 2. Hälfte 17. Jh. | Bild: Elke Estel, Hans-Peter Klut

Gerade dieser Korridor bildete sich auf dem europäischen Kontinent zu einem bislang kaum bekannten Tor des Wissenstransfers heraus. Die Große Landesausstellung rückt die zivilisatorischen Neuerungen in den Mittelpunkt, die im Schatten von Machtpolitik und Glaubenskonflikten entstanden: Innovationen in Architektur, Kunst und Mode oder die Einführung neuer technischer Verfahren. Hochkarätige Exponate von osmanischen oder osmanisch beeinflussten Artefakten dokumentieren den gegenseitigen fruchtbaren Austausch.

Handpauke osmanisch, 17. Jh.
Handpauke, osmanisch, 17. Jh. | Bild: Christian Stoye

Die gewählte Zeitspanne umfasst rund 100 Jahre vom "Langen Türkenkrieg" (1593–1606) bis zum Ende des "Großen Türkenkriegs" (1683–1699). Mit seinen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Kriegen, die breite Flucht- und Migrationsströme zur Folge hatten, ist das 17. Jahrhundert ein Spiegel unserer Zeit: Es bietet Anknüpfungspunkte zur gegenwärtigen Globalisierung mit ihren zunehmend interkulturellen Gesellschaften und hinterfragt gegenwärtige Stereotypen über den Islam und das vermeintlich Fremde.

Telleruhr - Augsburg, vor 1680
Telleruhr - Augsburg, vor 1680 | Bild: Manfred Horvath

Die Ausstellung präsentiert rund 350 Exponate. Erstmals vereint sie in großem Umfang die Sammlungen aus Karlsruhe mit der bedeutenden "Türckischen Cammer" der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Darüber hinaus werden Leihgaben aus anderen deutschen Städten sowie international aus Budapest, Krakau, Wien sowie aus Ptuj (Slowenien) präsentiert. Ein wissenschaftlicher Beirat mit Vertretern von Universitäten und Museen aus Deutschland, Kroatien, Österreich, Polen und Ungarn begleitet das Projekt.

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Kommentare (5)
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  •   malerdoerfler
    (5306 Beiträge)

    16.02.2019 14:48 Uhr
    Haben wir nicht genug Sultan?
    Denkt daran - unter großen Opfern bewahrten unsere Vorfahren 1683 die Stadt Wien und womöglich ganz Mitteleuropa vor dem gleichen Schicksal wie Konstantinopel 1453.
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  •   karlsruher1955
    (1164 Beiträge)

    17.02.2019 03:58 Uhr
    Genau
    Das ist wohl war, auch wenn ein Ex Bundespräsident dies anders sieht.
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  •   malerdoerfler
    (5306 Beiträge)

    17.02.2019 07:31 Uhr
    Du meinst jenen, der
    mit Anfang 50 das Handtuch schmiss und mit ca 200 000€ pro Jahr bis an sein Lebensende ....... ach, lassen wir das.
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  •   ALFPFIN
    (6685 Beiträge)

    17.02.2019 12:06 Uhr
    Nachdem die
    Staatsanwaltschaft ihn ins Visier genommen hatte, konnte "jener" gelassen mit Handtüchern um sich schmeißen, da er ja wusste, dass er für seinen zwar kurzen aber "aufopferungsreichen und anstrengenden Einsatz" ganz ohne Anstrengung eine fürstliche Entlohnung erhält.
    Unsereins müsste da ein Leben lang mit Handtüchern um sich werfen, ohne dass auch nur ein Cent mehr dabei herauskommt. grinsen

    Nun ja, und die Exponate aus der "Türckischen Cammer" sind uns ja bis heute nicht gefährlich geworden.
    Allerdings bin ich der Meinung, ein paar Kammern sollte man schon sehr sorgfältig beobachten.
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  •   80er
    (5692 Beiträge)

    16.02.2019 19:18 Uhr
    Na, und....
    ...dann wäre es halt anders gekommen. Wer weiß, vielleicht sehe der Islam dann anders aus....
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