Karlsruhe Kulturfrühstück: Kultur und Digitalisierung - eine Herausforderung!

Das Besitos am Marktplatz war sehr ordentlich gefüllt, Kulturamtsleiterin Susanne Asche hatte beim traditionellen (und wie immer öffentlichen) Kulturfrühstück zum Thema "Kultur und Digitalisierung - eine Herausforderung" eingeladen. Es versprach also spannend zu werden.

Neben der Gastgeberin waren eine stattliche Anzahl an Vertretern kultureller Karlsruher Institutionen präsent, es ging primär um die Notwendigkeit neuer Konzepte und Handlungsansätze hinsichtlich der gebotenen Fragestellung.

Chancen liegen etwa darin, Kulturgüter von Museen, Bibliotheken, Bildungseinrichtungen und Archiven ortsungebunden weltweit zu präsentieren und zugänglich zu machen. "Kultur für alle" als kulturpolitische Kernforderung ist so in virtuellen Gemeinschaften und Plattformen unabhängig von Sprache, Herkunft und Nationalität realisierbar.

Digitalisierung - Fluch oder Segen?

Digitalisierung als eigenständige Kunstform ermöglicht neue Ausdrucksformen und bereichert bisherige Kunstsparten. Notwendig sind ebenso neue Kommunikationswege, die rechtssichere Klärung von Fragen zu Urheber- und Autorenschaft sowie die Neugestaltung von Förderrichtlinien und -töpfen.

Der anwesende Direktor des Badischen Landesmuseums, Eckart Köhne, schaltete sich ins Gespräch ein, "Digitalisierung" sei auch "als Chance zu sehen", eine digitale Nation zu werden, dies sei ein Ziel, "digital ist demokratisch", da gebe es keine Hürden.

Schüler lernen in der Stadtbibliothek

Auch Bibliotheken sind sich ihrer Verantwortung bewusst, sie seien für die Leute da, welche sich aus pekuniärer Sicht nicht alles kaufen könnten, was für sie interessant sei. Schüler würden in der Stadtbibliothek lernen und Referate vorbereiten, es entstehe ein Gefühl, mit der ganzen Lernerei "nicht allein zu sein". Auch beim ZKM sieht man das ähnlich, die aktuelle Ausstellung "Open Codes" sei auch als "Lernexperiment" zu sehen, Besucher würden durch die spezielle Atmosphäre inspiriert, "gemeinsam zu arbeiten".

Jan Linders vom Badischen Staatstheater sieht seine Einrichtung in einer besonderen Rolle: das Theater sei ein "geschützter, analoger Raum", als Ort, der durchaus "Technologie integriere" und trotzdem "analog bleibe"; ein Beispiel sei die Einbindung von Video in Live-Produktionen. Zudem versuche man, Kunst immer "barrierefreier" zu gestalten (Stichwort Untertitel).

Langzeitarchivierung kostet Geld!

Und dann gibt es da noch die Frage der anfallenden Kosten. Ernst Otto Bräunche vom Karlsruher Stadtarchiv erläuterte dabei auf Nachfrage, dass diese eine relevant sei: "Die Digitalisierung analoger Bestände kostet Geld, Langzeitarchivierung (LZA) einen fünf- bis sechsstelligen Betrag!"

Bräunche brachte auch den Begriff der "E(lektronischen)-Akte" (oder auch Digitale Akte) mit ins Spiel, die im Prozess des Scannens aus einer "A(nalogen)-Akte" entstehe. Bräunche ergänzt: Durch Inhalte, die im Netz stünden, kämen natürlich "deutlich weniger Besucher vorbei".

Asche warf ein, die Digitalisierung trage zur "Segmentierung der Gesellschaft" bei - ein nicht ganz uninteressanter Gedanke in der heutigen Zeit. Eine große Aufgabe sei es, "Digitales mit Analogem sinnvoll zu verbinden". Man müsse den "Spaß und die Begeisterung an Digitalem nutzen".

Eine Arche Noah für die digitale Sintflut!

Auch Oliver Langewitz vom umtriebigen Filmboard Karlsruhe steuerte seinen Beitrag bei: Digitalisierung "durchdringe nicht nur die filmische Welt", sondern die gesamte Gesellschaft. Die Frage sei: Wie bringt man die jungen Leute auch angesichts der allumfassenden Präsenz der (sozialen) Medien wieder ins Kino? Mit der zu entwickelnden Webpräsenz "filminkarlsruhe.de" wolle man eine lückenlose Übersicht über cineastische Aktivitäten in der Fächerstad geben und zugleich "in analoge Welten locken".

Ein echtes Bonmot gab es schlussendlich auch noch: Die Welt bricht unter einer echten Sintflut an Daten zusammen - die Institutionen sollten als moderne Arche Noah fungieren und die Sachen herausfiltern, die wichtig respektive gefährdet sind. Hierbei müsse priorisiert werden. Das Fazit dieses Termins konnte also nur lauten: Mit Mut, Konsequenz und Innovation in die digitale Zukunft starten!

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