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Karlsruhe Die Kurbel: Ein Kino bangt um seine Existenz

Vor mehr als 50 Jahren eröffnete in der heutigen Kaiserpassage ein Filmtheater, in dem die neusten Kinofilme über die Leinwand flimmerten. Noch heute steht Die Kurbel am gleichen Ort und lockt Kinogänger in ihre Säle. Vor einigen Monaten entstand die Idee einer Kooperation mit der Kinemathek, die bislang im Prinz-Max-Palais untergebracht war. Aus einem gemeinsamen Projekt ist jedoch inzwischen eine großer Zwist geworden, bei der das Traditionskino um seine Existenz bangt.

Ein Bericht von Tabea Rueß

Bereits im Herbst 2008 hatte man sich zusammengesetzt und begonnen, die gemeinsame Nutzung der Räume zu planen. Dabei bot Die Kurbel dem kommunalen Kino an, eines ihrer vier Säle unterzuvermieten - beide Seiten sollten von der Idee profitieren. 

Konkurrenzlos: Kinemathek und Kurbel

Die Kinemathek, weil sie schon lange auf der Suche nach einem richtigen Kino mit einer größeren Leinwand war; die Kurbel, weil sie schon länger in finanziellen Schwierigkeiten steckte und die Miete nun nicht mehr alleine stemmen musste. "Beim Programm kommen wir uns schließlich nicht in die Quere, also waren wir alle begeistert von der Idee", erzählt Kurbel-Geschäftsführer Theo Herbstrith.

Bis Ende 2009 waren sich beide Seiten einig, der Vermieter hatte den geplanten Umbaumaßnahmen nicht nur zugestimmt, sondern diese sogar begrüßt. Gleich im Januar 2010 sollte damit begonnen werden, das Gebäude im März für die Kinemathek einzugsbereit sein.

Umsatzeinbuße würde den Ruin bedeuten

Da dies aber wiederum bedeutet hätte, dass während der acht- bis zehnwöchigen Umbauphase auch Die Kurbel teilweise ihren Kinobetrieb auf Eis legen müsste, platzte die Vertragsunterzeichnung. "Wir können uns einfach keine Umsatzeinbuße leisten", erklärt Herbstrith. Auch die Mitarbeiter hätten in dieser Zeit ohne Lohn auskommen müssen - "unvorstellbar", so Mitgesellschafter Christoph Stappert.

Aus der anfänglichen Euphorie wurde bald Verdruss. Denn zu diesem Zeitpunkt hatte die Kinemathek ihren Mietvertrag bereits gekündigt, sich auf die Zusagen des Vertragspartners verlassen. Derzeit hält sie ihr Programm lediglich mit Sondervorstellungen in der Nancy-Halle, in der Badischen Landesbibliothek oder im ZKM aufrecht. 

"Dabei wäre der künftige Mietpreis viel niedriger gewesen als zuvor", erklärt der Leiter der Kinemathek, Alfred Meyer. Zwar hätte die Kurbel einen Untermietvertrag mit der Kinemathek eingehen müssen, da sie finanziell nichts zum Umbau beitragen konnte, dabei wären aber wiederum 25 Prozent des bereits niedrigeren Mietpreises vom städtischen Kino getragen worden, wie Meyer erklärt.

Stappert hält dagegen, dass jedoch außerdem 25 Prozent an dauerhafter Umsatzeinbuße durch den Ausfall eines Saales auf die Kurbel zukommen würde.

Räumungsklage gegen Kurbel - wie geht es weiter?

"Das wäre alles nicht so schlimm gewesen", betont Herbstrith, "wir wollten ja von Anfang an, dass diese wichtige kulturelle Institution der Stadt ein ordentliches Kino bekommt". Aber den Verdienstausfall könne sich das Traditionskino einfach nicht leisten. Inzwischen steht es für Die Kurbel allerdings Spitz auf Knopf. Ihr eigener Mietvertrag wurde bereits letzten Sommer vom Vermieter gekündigt, dieser hat der Geschäftsführung die Pistole auf die Brust gesetzt.

Es läuft eine Räumungsklage gegen das Traditionskino: Bis Ende Juni 2010 sollte sich entschieden haben, wie es weitergeht. Denn entweder stimmt Theo Herbstrith dem ursprünglichen Vertrag mit der Kinemathek und dem Vermieter zu - oder zieht aus.

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  •   womenzel
    (137 Beiträge)

    20.05.2010 19:02 Uhr
    Beide haben Mist gebaut
    Hallo! Zur Kinemathek: Na ja, man sollte einen Mietverhältnis nicht kündigen bevor das andere unter Dach und Fach ist.
    Und zur Kurbel: Wenn man ein Kino untervermietet sollte einem schon klar sein das dann ein Saal fehlt. Und das mit den nötigen Umbauarbeiten dürfte doch auch schon länger bekannt sein...
    Ehrlich gesagt hat die "Kurbel" für mich als Kino nicht so eine Bedeutung. Ich geh da einfach nicht gerne rein, vielleicht auch weil es "etwas" ab vom Schuss ist.
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  •   _Danny_
    (145 Beiträge)

    20.05.2010 14:01 Uhr
    ....
    Leider hat die Kurbel den Zug der Zeit verpasst und nicht auf digitale Projektion mit 3D umgestellt. Das ist wohl den finanziellen Problemen des Unternehmens geschuldet, denn die Umstellung auch nur eines Saales kostet ganz erhebliche Summen. Dadurch gingen viele Kassenschlager an der Kurbel vorüber, man denke nur an Ice Age 3, Avatar oder Alice im Wunderland. Auch viele der nächsten Blockbuster werden in 3D herausskommen, wodurch es sehr schwer ist, die Leute in die 2D-Versionen zu locken, auch wenn es da keine Zuschläge gibt. So brechen noch mehr Einnahmen weg und eine Umstellung auf digitale Projektion und 3D wird noch schwerer, ein Teufelskreis.
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  •   rheintaeler
    (772 Beiträge)

    20.05.2010 13:16 Uhr
    Ich glaub
    der Herr Herbstrith kann einfach nicht rechnen, ist ja echt ne hanebüchene Argumentation von dem...

    Davon abgesehen, was bringt's es an irgendwelchen "Traditionen" festzuhalten die niemand bezahlen kann. Nur weil der Betreiber es verpasst hat in guten Zeiten die Weichen für die Zukunft zu stellen, kann er jetzt nicht rumheulen... es ist nur schade für die Kinemathek.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1456 Beiträge)

    20.05.2010 15:05 Uhr
    > es ist nur schade für die Kinemathek.
    Genau das ist die Kernaussage. Das IMHO wichtigste Kino in Karlsruhe hat seit 5 Monaten keine Spielstätte mehr. Die Alternativen, das KoKi in Pforzheim oder das Karlstorbahnhofskino in Heidelberg, sind weit weg.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (1018 Beiträge)

    20.05.2010 13:30 Uhr
    So gesehen richtig
    aber dann müsste man auch mal langsam alle subventionierten Theater einstampfen. Allen voran das Karslruher Staatstheater. Denn..

    "was bringt's es an irgendwelchen "Traditionen" festzuhalten die niemand bezahlen kann." zwinkern
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  •   80er
    (6120 Beiträge)

    20.05.2010 16:16 Uhr
    Genau....
    ...das ist meine Rede schon lange....das Staatstheater zu machen. Kostet nur und bringt nichts.
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  •   yokohama
    (3451 Beiträge)

    20.05.2010 16:22 Uhr
    ...
    Staatstheater, ZKM, Kunsthalle, Landesmuseum und -bibliothek, Uni, etc.: Weg damit - Geldverschwendung!
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  •   rheintaeler
    (772 Beiträge)

    20.05.2010 20:43 Uhr
    Sorry
    wir reden von Äpfeln und ihr kommt mit Birnen zwinkern

    Ein Kino ist in erster Linie zur kommerziellen Unterhaltung da, es sei denn man hat wie der Fricker ein Kommerzkino (Filmpalast) und ein Programmkino (Schauburg).

    Staatstheater, Museen, Bibliotheken usw. dienen der allgemeinen Kulturförderung und haben m. E. schon noch eine Existensberechtigung.
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  •  hat kein leider Bild
    unbekannt
    (215 Beiträge)

    20.05.2010 11:57 Uhr
    Au weia
    "Inzwischen steht es für Die Kurbel allerdings Spitz auf Knopf. Ihr eigener Mietvertrag wurde bereits letzten Sommer vom Vermieter gekündigt,... " Da scheint aber der Schuh gewaltig zu drücken, wenn jetzt der Retungsvertrag mit der Kinemathek nicht unterschrieben wird. Schade, auch wenn ich seit dem ZKM weniger dort war, liefen ab und zu doch noch ganz nette Filme, die ich gerne dort angeschaut habe. War für mich eine gute Nummer 2.
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