Das Generallandesarchiv Karlsruhe tritt 2022 mit einer eindrucksvollen Ausstellung an die Öffentlichkeit. Die deutsch-französische Präsentation "Der Tod im Winterberg-Tunnel. Eine Tragödie im Ersten Weltkrieg - La mort dans le tunnel de Winterberg. Une tragédie de la Première Guerre mondiale" zeichnet das dramatische Schicksal von etwa 100 bis 150 badischen Soldaten nach, die im Frühjahr 1917 während der Schlacht an der Aisne in Nordfrankreich in ihrem Schutzstollen lebendig begraben wurden. Erstmals zeigt die Präsentation Original- Grabungsfunde aus dem Unglücksstollen. Die Schau besticht durch ihre dreidimensionale Ausstellungsarchitektur, die mittels ihrer Tunneloptik eine Anmutung des historischen Schauplatzes vermittelt. Sie ist vom 19. Mai bis 14. August 2022 zu sehen.

Am 4. Mai 1917 wurden im Winterberg-Tunnel bei Craonne am Chemin des Dames im Nordfrankreich rund 150 Soldaten vornehmlich des badischen Reserve-Infanterie- Regiments 111 verschüttet. Ihre Leichen wurden nie geborgen. Der Ort des Geschehens selbst war nach Ende der Kampfhandlungen nicht mehr auffindbar. Als mehr als ein Jahrhundert später der Eingang des Tunnels im Jahr 2020 wiederentdeckt wurde, entschloss sich das Landesarchiv Baden-Württemberg, die damaligen Geschehnisse anhand der im Generallandesarchiv Karlsruhe aufbewahrten Quellen zu rekonstruieren und das Schicksal der betroffenen Menschen der interessierten Öffentlichkeit in einer deutsch-französischen Wanderausstellung näher zu bringen. Sie wird nach ihrem Start 2022 in Karlsruhe durch Deutschland, Frankreich und Belgien reisen.

Stahlschutzhelm, Modell 1916, aus dem Inneren des Winterberg-Tunnels
Stahlschutzhelm, Modell 1916, aus dem Inneren des Winterberg-Tunnels | Bild: Foto: Elias Siebert

Unterstützt wird das Projekt vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., der freundlicherweise auch erste Grabungsfunde zur Verfügung gestellt hat. Noch ist die Situation offen. Können und sollen die Toten geborgen werden? Wie könnte eine angemessene Gedenkstätte für sie aussehen? Für diese wichtige erinnerungskulturelle Diskussion will die Präsentation die notwendigen Grundlagen schaffen und solide Informationen bereitstellen. Die Ausstellung wird mit ihrem pädagogischen Begleitmaterial daher zugleich auf der landeskundlichen Internetplattform LEO-BW präsentiert, ergänzt durch eine wissenschaftliche Darstellung der damaligen Ereignisse sowie eine Datenbank mit 320 Biogrammen von getöteten, vermissten, geretteten, verwundeten oder gefangenen Soldaten, die in den Militärunterlagen über die Tragödie im Winterberg-Tunnel identifiziert werden konnten. Das exemplarische Projekt möchte den Menschen, die im Großen Krieg verloren gingen, ihre Namen und ihre Geschichte zurückzugegeben.

Weitere Informationen zur Ausstellung findet Ihr hier.

Offiziere am Nebeneingang des Winterberg-Tunnels, 1917
Offiziere am Nebeneingang des Winterberg-Tunnels, 1917 | Bild: LABW GLA Karlsruhe Cr_651_11
 
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