Herr Müller, warum wollen Sie KSC-Präsident werden? Sie sind mehrfacher Vater, erfolgreicher Geschäftsmann. KSC-Präsident: Das ist ein sehr zeitintensiver Job, der nicht honoriert wird.

Zunächst: Das bekommt man honoriert. Nicht mit Geld - aber in Werten. Ich bin seit drei Jahren im Verwaltungsrat. Da habe ich mich stark eingebracht, sonst hätte ein Günter Pilarsky nicht so eine vernünftige Meinung von mir. Ich habe in dieser Zeit festgestellt: Wenn man nicht satzungsgemäß arbeitet, ist der Verwaltungsrat außen vor - und das war mir nicht mehr genug.

Wenn man in einem so tollen Gremium ist wie dem Verwaltungsrat, in dem man beraten und kontrollieren soll, aber nicht zum Beraten und Kontrollieren der wirklich kritischen Themen hinzugezogen wird, dann ist es nicht zufriedenstellend. Daher biete ich eine Alternative zu der bisherigen Vereinsspitze. Ich sage bewusst nicht Vereinsführung, denn bei mir würde ein Präsidium mehr im Hintergrund arbeiten als an vorderster Front. 

Das heißt konkret? Was würden Sie verändern? 

Ich würde die Gremien stärker einbinden. Ich sehe beim KSC vier Geschäftsbereiche. Nummer eins: Der Sport, das ist unser Produkt. Dann die Wirtschaft, die Wirtschaftlichkeit. Dazu das Thema Marketing und Vertrieb. Dort müssen wir das Geld reinholen, das wir in der Wirtschaft gut verwalten. 

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Dann das große Thema: Mitglieder- und Fanbetreuung. Ich kann mir vorstellen, dass in jedem Gremium ein Fachmann für einen Bereich sitzt, dessen Meinung man immer anhören muss.

Feiernde KSC-Fans in Aalen
Auch für die KSC-Fans will sich Martin Müller einsetzen. | Bild: Reisenauer

Dass am Ende jemand entscheiden muss, ist klar. Das ist dann das gesamte Gremium des Präsidiums. Mein Ansatz war und ist: Ich arbeite im Ruhigen. Mein Credo war schon immer: Der beste Chef rationalisiert sich als erstes weg. Mein Unternehmen funktioniert so, da brauche ich gar nicht so viel Zeit.

Der KSC hat viele juristische Auseinandersetzungen. Mit der Stadt, mit dem DFB, mit dem Vermarkter Lagardère - werden Sie diese Kampflinie weiterfahren?

(lacht) Definitiv: Nein! Wir unterscheiden uns da im Führungsstil zu der aktuellen Führung. Das kann ich belegen. Unsere Firma ist in Karlsruhe und Umgebung der größte Projektentwickler und Bauträger, ich leite Projekte mit einem Gesamtvolumen, das ein Vielfaches von dem des neuen Wildparkstadions umfasst. Ich habe bisher nicht einen Euro in Rechtsberatung investieren müssen, dazu reichte unserer Rechtsberatung im Haus aus.

Präsident Ingo Wellenreuther
Präsident Ingo Wellenreuther | Bild: Hammer Photographie

Herr Wellenreuther und ich unterscheiden uns im Führungsstil und in der Herangehensweise an die Lösung von Problemen nicht unmaßgeblich. Ich habe mein eigenes Geld investiert - das ist vielleicht der Unterschied, warum das so ist.

Günter Pilarsky macht laut BNN-Informationen sein weiteres Engagement nicht mehr vom Verbleib Ingo Wellenreuthers abhängig. Wie haben Sie diesen Sinneswandel herbeigeführt?

Relativ einfach: Wir arbeiten seit drei Jahren zusammen. Er als Vizepräsident, ich im Verwaltungsrat, und wenn es kritische Themen gab, haben wir uns ausgetauscht, haben uns unterhalten. Dabei habe ich eine sehr hohe Meinung und Wertschätzung von ihm gewinnen können und einen sehr hohen Respekt. Das beruht auf Gegenseitigkeit. Wir haben ein sehr gutes, sehr vertrauensvolles Verhältnis.

Günter Pilarsky (KSC Vizepräsident)
Günter Pilarsky (KSC Vizepräsident) - mit ihm pflegt Martin Müller ein freundschaftliches Verhältnis. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Das heißt: Es wäre für Sie kein Nachteil, mit Günter Pilarsky als Vizepräsident zusammenzuarbeiten?

Es wäre mein absoluter Wunsch, mit Günter Pilarsky im Präsidium zusammenarbeiten zu können und dürfen. Er wäre mein absoluter Wunschkandidat als Vizepräsident. Ich sagte: Ich stelle keine Bedingungen bei der Wahl. Ich bin der Meinung, man muss mit den Leuten zusammenarbeiten, die von den Mitgliedern gewählt werden. Ich halte nichts davon, vorzugeben, wen die Leute zu wählen haben. Das hat für mich nichts mit einer Wahl zu tun. Daher habe ich mich gegen eine "Paketwahl" entscheiden.

Natürlich freue ich mich, dass Edgar Schmitt sich zur Wahl stellt. Da hätte man die Fußball-Profi-Kompetenz im Präsidium. Und ein Präsidium bestehend aus Günter Pilarsky, der ein Topmann ist, Edgar Schmitt und meiner Wenigkeit - das könnte sich schon sehen lassen.

Edgar "Euro-Eddy" Schmitt.
Zieht Edgar "Euro-Eddy" Schmitt auch ins KSC-Präsidium ein? | Bild: (ks)

Sie erwähnen es: Überraschend stellt sich KSC-Legende "Euro-Eddy" als Stellvertreter zur Wahl. Ein Schachzug?

Das war kein Schachzug, das war Überzeugung. Wir kennen uns seit Jahren, reden immer wieder über den KSC, was wir gerne machen würden und haben jetzt die Chance gesehen, gemeinsam an einem Strang zu ziehen.

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