Herr Jung, man liest, dass Sie auf dem Weg der Besserung sind. Wie ist der aktuelle Stand nach ihrem Kreuzbandriss?

Es geht mir gut. Aber das Knie braucht noch etwas Zeit, eine Aufbauphase. Ich muss die Muskulatur noch aufbauen.

Wie sieht Ihr Tagespensum aus? 

Ich bin inzwischen auf dem Platz, mache die Platz-Reha, dazu ein Kraftprogramm.

Wann werden Sie ins Mannschaftstraining einsteigen? 

Das wird schon noch ein paar Wochen dauern, bis ich so richtig ins Training einsteigen kann.

Sebastian Jung (KSC 2) schießt den Ball.
Sebastian Jung (KSC 2) schießt den Ball. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Es bleiben noch sieben Zweitligapartien. Ist es ein realistisches Ziel, da nochmals mitzumischen? 

Schwer zu sagen, aber es wird schon eng. Vielleicht, mit etwas Glück, zum Ende hin. Aber jetzt kann man noch nicht sagen, dass da noch was geht.

Gibt es für Sie irgendeine Deadline?

Das würde keinen Sinn machen. Wenn das Knie so weit ist, dass es starke Belastungen zulässt - dann ist es so weit. Aber einen Zeitpunkt setzen, das geht nicht. Etwas überstürzen macht keinen Sinn.

Ihr Vertrag läuft aus, der KSC wartet ab, weil sie Topleistungen brachten – man gibt Ihnen Zeit. Sie können mitentscheiden, wie es weitergeht.

(lacht) Es wäre natürlich schöner, wenn ich schon einen neuen Vertrag hätte. Aber ich bin kein junger Kerl mehr, der in solch einer Situation nervös wird. Wir haben das so vereinbart, wie Sie sagen. Jetzt warten wir ab, wann ich richtig auf den Platz komme und wie dann die Entscheidung ausfällt.

Sebastian Jung (KSC 2) springt zur Abwehr an den Ball.
Sebastian Jung (KSC 2) springt zur Abwehr an den Ball. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Das ist viel Vertrauen seitens des Clubs...

Absolut. Es gab eine Absprache, dass man sich unterhält, wenn ich wieder fit bin. Noch ist es nicht so weit, wir müssen geduldig sein.

Sie waren Stammspieler in der 1. Bundesliga, Nationalspieler, dann kamen viele Verletzungen. Denkt man da manchmal: Warum schon wieder ich?

Das macht man zwangsläufig, egal welche Verletzung man hat. Aber natürlich vor allem nach einem Kreuzbandriss, weil man weiß, dass das mindestens ein halbes Jahr geht, bis man zurückkehrt. Da denkt man schon: Warum immer ich?! Warum jetzt wieder?

Sebastian Jung (KSC 2) läuft Extrarunden um das Trainingfeld.
Sebastian Jung (KSC 2) läuft Extrarunden um das Trainingfeld. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Am Tag, als es passierte, war ich schockiert, absolut down - ich finde für dieses Gefühl nicht die richtigen Worte. Dann wird klar, man muss es hinnehmen. Es ist, wie es ist. Das sind ist doch alles menschliche Empfindungen.

Wussten Sie sofort, wie schwer die Verletzung ist?

Sofort. Ich habe noch auf dem Platz gesagt: Das ist das Kreuzband!

Sie kennen Ihr Körpergefühl - was sagt das? Spüren Sie, dass es weitergeht?

Von der OP bis jetzt verlief alles gut, ich bin sehr zuversichtlich. Es geht viel, noch keine Zweikämpfe, aber sonst fast alles. Die Stabilität im Knie ist da. Ich bin zuversichtlich.

Das heißt, Sebastian Jung will weiter Fußball spielen?

Aber sicher, deswegen mache ich das Ganze überhaupt. Es sieht gut aus, ich bin optimistisch, dass ich weiterhin Fußball spielen werde. Am Tag der Verletzung hatte ich kurz solche Gedanken an das Aufhören, am Tag danach war das alles verflogen.

Sebastian Jung (KSC 2)
Sebastian Jung (KSC 2) | Bild: ka-news.de

Und: es wurde mir schnell vom Trainerteam signalisiert, dass sie mich unterstützen, dass sie sich auch für einen neuen Vertrag einsetzen werden. Das hilft, das gab ein positives Gefühl. Das Trainerteam hat mich von Tag eins an unterstützt. Das war super, das hat mich sehr gefreut, das macht Mut und hilft.

Sind Sie bei den Spielen des KSC vor Ort?

Direkt nach der OP nicht, sonst bei jeder Partie.

Und: Wie beurteilen Sie die Leistung Ihrer Kollegen?

Die Mannschaft hat eine sehr starke Saison gespielt, obwohl es einige Langzeitverletzte gab. Seit dem Nürnberg-Spiel wird fast immer richtig gut Fußball gespielt. Nürnberg, Schalke, HSV, St. Pauli die zweite Halbzeit, da haben wir echt richtig gut gespielt. Die Elf holt oft das Maximum raus.