Herr Gondorf, wo und wie feiern Sie Weihnachten?

Zu Hause, traditionell mit der Familie. Da wir Kinder haben, switchen wir jährlich am Heiligen Abend. Einmal geht es zu meiner Familie, dann zu der meiner Frau. Auch an den Feiertagen wechseln wir ab.

Nun zum Fußball: Gibt es ein Ereignis aus der bisherigen Saison, das Ihnen ganz besonders im Gedächtnis haften blieb?

Das Spiel gegen Paderborn! Für mich und für die Mannschaft war das in gewisser Hinsicht etwas Außergewöhnliches - in beide Richtungen. Die erste Halbzeit war schlimm - die zweite haben wir dann richtig gut bestritten. So etwas Extremes ist uns in der ganzen Saison ansonsten nicht passiert.

Jerome Gondorf (KSC 8) im Duell.
Jerome Gondorf (KSC 8) im Duell. | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Sind Sie zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf? Mit dem Team? Mit Ihrer Leistung?

Wir können auf jeden Fall zufrieden sein. Vor der Spielrunde sagten alle, dass das die schwerste Zweitligasaison aller Zeiten wird. Mit Absteigern wie Schalke und Bremen. Und nach der Vorrunde haben wir nun nur zwei Punkte weniger als in der Saison zuvor - damit können wir zufrieden sein. Was uns alle ärgert, ist dass wir gegen vermeintlich leichte Gegner -wie beispielsweise Ingolstadt oder Dresden - Punkte haben liegen lassen. Und gegen Topteams - wie zum Beispiel Schalke oder den HSV - haben wir gepunktet. Das fuchst mich und alle im Team. Es ist noch Luft nach oben.

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Hat Ihre Leistung gepasst?

Obwohl wir zu Beginn eine Top-Punkteausbeute hatten - die Mannschaft und ich haben etwas Zeit gebraucht, so richtig in die Saison zu kommen. Wir haben uns dann alle gemeinsam gesteigert, reingekniet - reingearbeitet.

Ich persönlich habe ordentliche Leistungen abgerufen, dann kam die Verletzung. Da war es mir wichtig, dass ich früh wieder zurückkomme. Das ist gut gegangen, ich war schneller wieder einsatzbereit als erwartet. Beim ersten Spiel nach der Verletzung, gegen Aue, da habe ich schon gemerkt: Hoppla, du warst vier Wochen raus!

Jerome Gondorf (KSC 8) im Kopfballduell
Jerome Gondorf (KSC 8) im Kopfballduell | Bild: Carmele/TMC-Fotografie

Aber ich wollte der Mannschaft den Input geben und unter dem Strich ist mir das auch gelungen. Ich ging vorneweg, habe Zweikämpfe geführt, Gas gegeben und gekämpft bis zum Umfallen. Danach waren wir wieder in der Spur. Bis dann das erwähnte Paderbornspiel kam, aber danach lief es wieder gut.

Sie sagten: Luft nach oben… Wo besteht für die Restrunde Verbesserungspotential? Wo gar der Zwang dazu?

Wir sind zum Beispiel zu ungenau im letzten Drittel, fällen unter Druck nicht immer die richtige Entscheidung. Und: Wir kassieren Slapstick-Tore, da muss mehr Konzentration und insgesamt mehr Konstanz her. Wir sind allerdings alle bodenständig, wissen um unsere Schwächen.

Das große Plus des Teams?

Wir sind in jedem Spiel in der Lage ein Tor zu erzielen.

Die Schwäche?

Gefühlt haben wir zu viele Gegentore kassiert. Wenn man die Statistik anschaut, stimmt das zwar nicht, denn es waren in der Hinrunde exakt so viele wie die Saison zuvor -aber diese Slapstick Tore: Das muss vorbei sein. Wir müssen versuchen, defensiv wieder besser zu stehen.

Haben Sie den Aufstieg im Hinterkopf?

Nein.

Jerome Gondorf (KSC 8) zeigt die Anspielstation an, dahinter Kyoung-Rok Choi (KSC 11)
Jerome Gondorf (KSC 8) zeigt die Anspielstation an, dahinter Kyoung-Rok Choi (KSC 11) | Bild: Carmele|TMC-Fotografie

Und was ist dann das Ziel für die In der Restrunde? Sollen noch 30 Punkte her? Gibt es exakte Ziele? In Sachen Punkten - in Sachen Platzierung?

Ganz einfach: Den Abstand nach hinten weiter groß halten, eine ruhige Saison spielen. Der KSC ist weiterhin in einer Entwicklungsphase. Da ist wichtig, so schnell wie möglich weg vom großen Druck um den Klassenerhalt zu kommen, damit man sich weiterentwickeln kann. Gelingt das, dann kann man in zwei, drei Jahren, wenn der Verein wieder finanziell besser dasteht, wenn man den Etat steigern konnte - darüber reden.

Wie verbringen Sie die kurze Pause?

Meine Frau und ich gehe zwei Tage in ein Wellness-Hotel, ohne Kinder - das zählt mehrfach.

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Abschlussfrage: Als Kapitän bestreiten Sie die Seitenwahl. Ihre Teamkollegen warten in einem Kreis auf Sie. Nach der Wahl laufen Sie dahin, bücken sich, binden ihre Schuhe. Die Kollegen müssen warten, bis Sie fertig sind und dann die Worte an sie richten. Ist das Aberglaube? Ein Ritual? Oder: Machtdemonstration des Chefs?

Zunächst: Die Beobachtung ist korrekt. Aber: Das ist kompletter Aberglaube - mit Machtdemonstration hat das überhaupt nichts zu tun. Die Jungs wissen das, daher muss ich mir hin und wieder dazu einen witzigen Spruch anhören.

Aber: Ich habe die Erfahrung, dass mir dieses Ritual, die Schuhe nochmals ganz, ganz fest zu schnüren, hilft. Das mache ich schon sehr lange, es hilft gegen Verletzungen. Und ich kann dabei auch die richtigen positiven Worte für die Kollegen finden.