Frau Springmann, Präsidentin oder Vize-Präsidentin - welchen Posten hätten Sie lieber?

Natürlich würde ich lieber Präsidentin werden. Doch ich habe starke Mitbewerber. Als Außenseiterin würde ich mich natürlich freuen, wenn es klappt. Falls nicht, wäre ich auch gewillt, den Verein als Vize-Präsidentin zu unterstützen. Denn das ist es, worum es eigentlich geht: Den Verein in seinem Aufstreben weiter voranbringen!

Was hat sich seit Ihrer Kandidatur verändert?

Der Medienrummel hat enorm zugenommen. Zuvor hat mich auf der Straße nur der eine oder andere "Tatort-Fan" erkannt. Seit der Kandidatur werde ich öfters angesprochen.

Polizei
Springmann stand schon für den Tatort vor der Kamera. | Bild: Thomas Riedel

...Tatort-Fan?

Ich bin unter anderem bei den Dreharbeiten "Tatort Ludwigshafen" dabei, hatte da schon kleinere Rollen. Des Weiteren war ich vor der Kamera zum Beispiel auch als "SEK" im Einsatz.

Hat sich seit Ihrer Kandidatur Ihre Ansicht über den KSC verändert?

Verändert nicht, aber ich bekomme nach und nach Einblicke in vereinsinterne Angelegenheiten. Da haben die Konkurrenten vermutlich bessere Voraussetzungen. Das ist möglicherweise ein Nachteil für mich. Ich sehe es aber auch als Chance an, die Dinge durch keine Brille zu sehen. Ich bin völlig frei von eventuell eingefahrenen Mustern und Denkweisen.

Zu internen betriebswirtschaftlichen und kaufmännischen Vorgehensweisen kann ich derzeit noch nicht so gezielt Stellung nehmen, wie jemand, der seit Jahren mitbestimmt. Es ist aber durchaus umsetzbar, sich in adäquater Zeit einzuarbeiten und entsprechende Entscheidungen fällen zu können.

Wie gut sind Sie vernetzt? Haben Sie Kontakte zu Bündnismitgliedern?

Kommende Woche ist eine Vorstellungsrunde geplant, an der ich selbstverständlich teilnehmen werde. Bisher gab es lediglich per Mail oder telefonisch Kontakte.

Feiernde KSC-Fans in Aalen
Feiernde KSC-Fans. | Bild: Reisenauer

...und Kontakte zu den Fans?

Ja, zu Marco Fuchs, dem Vorstand der Supporters. Es gab einen Terminvorschlag für ein Treffen mit Fans und Mitgliedern. Allerdings kollidiert der - mit meiner Hochzeit. Und die ist schon lange geplant.

Der Termin mit den Fans der "Gegengerade" wäre mir mitunter einer der Wichtigsten, denn ich glaube, dass ich auf dieser Ebene einen großen Rückhalt bekommen würde. Ich werde versuchen, da zumindest online für Fragen zur Verfügung zu stehen, damit sich jeder einen angemessenen Eindruck von mir verschaffen kann.

Wären das Amt der Präsidentin und Ihr Beruf zeitlich vereinbar?

(lacht) Das wurde ich auch beim Wahlausschuss gefragt. Es gibt bei der Polizei unterschiedliche Sparten. Als ich noch im Personenschutz tätig war, wäre das nicht gegangen, da war ich viel auf Reisen. Jetzt arbeite ich Tagschicht und habe an den Wochenenden meist frei. Sollte es mal gar nicht mit dem KSC passen, kann ich die Schicht tauschen - in Absprache mit den Vorgesetzten. Die zeitliche Komponente stellt absolut kein Hindernis dar.

Der kommunale Ordnungsdienst (KOD).
(Symbolbild) | Bild: Archiv/Paul Needham

Einige Fans ließen verlauten, sie seien gegen eine Polizistin als Präsidentin…

Einige sind skeptisch. Auch daher sind mir vorab die Gespräche wichtig. Ich habe mich auch in meiner Rede, die für die Mitgliederversammlung online gestellt wird, dazu speziell geäußert. Mein Beruf als Polizeibeamtin erfordert sehr viel menschliches Geschick und Verantwortungsbewusstsein und ist niemals gegen Menschen gerichtet, die sich für ihren Verein mit Hingabe einsetzen. Ganz im Gegenteil, unser Sport lebt von der Fankultur und der Stimmung in den verschiedenen Stadien.

Eine Grundsatzfrage: Warum kandidieren Sie?

In erster Linie aus der Leidenschaft für den Fußball, zu meinem Lieblingsverein KSC. Dann möchte ich mit aller Kraft mitwirken, die "Marke KSC" wieder größer zu machen. Durch gute Außendarstellung sind neue Sponsoren leichter zu begeistern. So fließen Gelder leichter.

Dorotheé Springmann
Dorotheé Springmann kandidiert für das Amt der KSC-Präsidentin. | Bild: Springmann

Dann: Das Nachwuchsleistungszentrum muss noch mehr gefördert werden, die KSC-Jugend braucht eine bessere Perspektive. Es muss noch besser funktionieren, dass Talente aus der eigenen Jugend in den Profikader kommen und dann auch eine bessere Perspektive haben, länger dem Verein erhalten zu bleiben.

In der Vergangenheit klappte das schon besser, als es noch eine zweite Mannschaft gab. Wir müssen wieder attraktiv sein für Nachwuchsspieler und diese behutsam in eigenen Reihen aufbauen für große Aufgaben. Es muss von jedem das Ziel sein, die eigenen Talente lange in eigenen Reihen zu halten. So wird die Qualität wieder von unten heraus gesteigert.

Ein Blick zurück: Seit wann kommen Sie in den Wildpark?

Mit Dauerkarte länger als zehn Jahre.

Die KSC-Fans im Jubel.
Springmann besucht seit vielen Jahren das Wildparkstadion. | Bild: Carmele | TMC-Fotografie

Sie gaben Ihre Bewerbung relativ spät ab. Warum?

Ich habe mir das lange und intensiv überlegt. Ich habe nur mit einem ganz kleinen Personenkreis darüber geredet. Mein zukünftiger Mann, mein Vorgesetzter - dann habe ich alles abgewogen. Und: Es kommt nicht jeden Tag vor, dass man eine Bewerbung auf solch einem hohen Niveau formuliert.

Wo und wie haben Sie den Klassenerhalt des KSC gefeiert?

Wir haben hier in der Offenburg, bei meinem zukünftigen Schwiegervater, gegrillt - wobei das Grillen zweitrangig war. Wir haben das Spiel gegen Fürth angeschaut, gezittert, gejubelt und dann gefeiert.

Was sind Ihre Ziele mit dem KSC?

Zunächst muss sich der KSC in der 2. Liga etablieren. Dazu muss man den Kader verstärken und dazu wiederum muss man neue Einnahmequellen erschließen. Mit dem aktuellen Etat ist das schwierig. Außerdem liegt auch hier ein Hauptaugenmerk auf der Integration der Eigengewächse in den Profikader. Der KSC soll wieder die Talentschmiede werden, die er zu Zeiten Oliver Kahns und Mehmet Scholls war.

Willi Wildpark motiviert die Fans.
Willi Wildpark motiviert die Fans. | Bild: Tim Carmele | TMC-Fotografie

Ich will versuchen die Mitgliederzahl weiter zu steigern und die Anzahl der Sponsoren zu erhöhen. Der Aktienverkauf ist ein guter Ansatz, der muss weiter forciert werden. Das Stadion muss optimal vermarktet werden. Aber: All das geht nur mit attraktivem und erfolgreichem Fußball und den treuen Fans, die den Verein weiter unterstützen.

Sie sagten, die Konkurrenz sei "alteingesessen" - Sie würden dagegen auf Ihre Weise punkten. Was heißt das konkret?

Dass ich mit Charme an die Sache gehe, dass ich neuen, frischen Wind in den Verein bringe. Eine junge, weibliche Präsidentin an der Vereinsspitze - das hat wenig Antiquiertes. Ich habe andere Ansichten als ein Alteingesessener, der lange dabei ist. Ich habe andere Perspektiven. Ich bin unvoreingenommen und nicht von Mustern belegt.

Dorotheé Springmann
Dorotheé Springmann | Bild: privat

Es ist mir sehr wichtig, dass die Gremien wieder an einem Strang ziehen und nicht wie zuletzt zum Teil gegeneinander arbeiten. Es ist wie auf dem Platz - nur wenn alle zusammenarbeiten, ist ein gutes Ergebnis möglich. Der Teamspirit steht ganz oben.

Schätzen Sie: Ihre Chancen stehen bei wie viel Prozent?

Zu Prozenten kann und will ich nichts sagen. Ich lasse mich überraschen und ich habe nichts zu verlieren. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Ich habe den Schritt gewagt, in die Höhle des Löwen zu treten. Das ziehe ich durch. Nach der Wahl wird man dann sehen, wie ich meinen Verein unterstützen darf.