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Karlsruhe KSC-U19-Coach: Bayern zahlt 200.000 Euro Ablöse für Tim Walter

Rund 200.000 Euro zahlt der FC Bayern München als Ablöse. Nichts Besonders? Doch! Denn die Münchner berappen diese Summe für einen "No-Name-Trainer". Für einen Jugendcoach. Für - Tim Walter, zuletzt Erfolgscoach der U19 des Karlsruher SC. Walter entdeckte einst Bundesligastar Hakan Calhanoglu (Leverkusen) und holte den aus Mannheim in den Wildpark. Er formte unter anderem Schalkes Sead Kolasinac und den U-Nationalspieler Kevin Akpoguma.

Zehn Jahre war Tim Walter, der ein Sportstudium absolviert hat, im Jugendbereich des KSC als Trainer aktiv. Mit viel Erfolg coachte der 39-Jährige etliche Teams im Wildpark. Zuletzt erreichte die U19 unter seiner Regie das Halbfinale der deutschen Meisterschaft. All das machte den FC Bayern München auf den "Mann mit dem Talentauge" aufmerksam. Als ein Angebot aus München kam, nahm der einstige torgefährliche Offensivspieler im Amateurbereich dieses an, wechselte an die Säbener Straße. Mit Tim Walter, der beim FC Bayern für die U17 Verantwortung tragen wird und einen Vertrag bis 2018 hat, sprach Peter Putzing.

 

Herr Walter, Sie waren in Italien im Trainingslager. Mit der U17 des FC Bayern?

Nein, mit der U23. Nachwuchskoordinator und Amateure-Trainer Heiko Vogel hat mir das vorgeschlagen und ermöglicht. Es war prima, hat Spaß gemacht und so habe ich auch einige Abläufe im Verein hautnah mitbekommen. Zudem konnten wir uns da näher kennen lernen. Auch das ist gut für die bevorstehende Arbeit. Eines ist klar: Zwischen Heiko und mir – das passt. Ich gehe die neue Aufgabe mit großer Euphorie an.

Der FC Bayern wollte Sie unbedingt verpflichten, obwohl Sie beim KSC bis 2016 einen Vertrag hatten. Die Münchner werden nun als Ablöse ein Freundschaftsspiel im Wildpark absolvieren oder rund 200.000 Euro überweisen. Wie fühlt es sich an, wenn man plötzlich als Trainer so viel wert ist?

Dazu möchte ich gar nicht viel sagen. Der FC Bayern wollte mich als neuen Trainer haben und hat mit dem KSC eine Vereinbarung getroffen. Ich freue mich einfach auf die neue Aufgabe in München.

Spieler belastet hin und wieder eine hohe Ablösesumme. Besteht diese Gefahr auch bei Ihnen als Trainer?

Nein. Meine Konzentration liegt voll und ganz auf meiner neuen Aufgabe mit meinem neuen Team.

Hat man Ihnen, auch vor dem Hintergrund dieser für einen Jugendtrainer ungewöhnlich hohen Ablösesumme, von Seiten der Bayern Zielvorgaben, zum Beispiel den Gewinn der deutschen Meisterschaft, gemacht?

Nein. Das Ziel ist, in der Zukunft wieder mehr Spieler für die eigene Profimannschaft auszubilden. Das ist eine sehr spannende Aufgabe und ich freue mich, meinen Teil dazu beitragen zu können.

Hat der FC Bayern „Trainer-Scouts?“ Oder wurde man auf Sie aufmerksam, weil Sie- verdient, aber doch überraschend - mit der U19 des KSC das Halbfinale bei der deutschen Meisterschaft erreichten? Wie kamen die Kontakte zustande?

Dass ich mit meiner Mannschaft ins Halbfinale kam, war sicher ein Grund. Aber auch, wie sich diese Mannschaft in den Spielen gegen den Bayern präsentierte.

Haben Sie mit Uli Hoeneß, der im Moment ja in der Jugendabteilung aktiv ist, verhandelt?

Ich habe mit Uli Hoeneß gesprochen. Heiko Vogel rief mich an und sagte, dass mich Herr Hoeneß gerne kennen lernen wollte. Ich fuhr mit meiner Frau und unserem Sohn nach München und wir hörten uns alles an.

Wenn man eine Anfrage des FC Bayern hat, muss man da noch lange überlegen?

Ich musste nicht lange überlegen. Der FC Bayern war, neben dem KSC, immer mein Verein. Für mich und meine Familie war sofort klar, dass eine Anfrage vom FC Bayern München eine einmalige Chance ist, die man einfach ergreifen muss. Es ist für uns alle aber auch ein großes Abenteuer, denn wir verlassen unsere Heimat, unsere drei Kinder sind in Karlsruhe zur Welt gekommen. Wir haben hier unsere Freunde, Großeltern und einfach ein überragendes soziales Umfeld. Wir alle sind in Karlsruhe rundum glücklich gewesen, daher ist natürlich auch Wehmut dabei, innerhalb weniger Wochen den Lebensmittelpunkt komplett zu verlagern.

Die Nachwuchsabteilung des FCB ist gespickt mit Trainern, die eine KSC-Vergangenheit haben. Die Co-Trainer des U23 Teams sind Ex-KSC-Coach Rainer Ulrich und Ex-KSC Profi und Kapitän Danny Schwarz. Einer der Jugendkoordinatoren ist Michael Tarnat, der auch einst im Wildpark die Fußballschuhe schnürte. Ein Vorteil für Sie?

Das weiß ich nicht. Rainer Ulrich kenne ich schon sehr, sehr lange. Ich schätze ihn sehr. Er ist ein (ganz) angenehmer Mensch und absoluter Fußballfachmann. Danny habe ich erst dort kennen gelernt – und auch da passt es. Zu Michael Tarnat gab´s noch keinen Kontakt.

Was werden wohl die größten Unterschiede zur Arbeit beim KSC sein? Wird es professioneller werden?

Walter: Wir haben beim KSC auch sehr professionell gearbeitet. Wir hatten gute Strukturen, aber ich glaube, beim FC Bayern wird alles etwas größer werden. Einfach Champions League - FC Bayern eben.

Werden Sie Spieler vom KSC mit nach München nehmen?

Aktuell ist nichts geplant.

Sie ziehen mit der kompletten Familie nach München. Halten Sie dennoch weiterhin Kontakt zum KSC und nach Karlsruhe?

Natürlich. Die Trainer dort sind Freunde. Ob Markus Kauczinski, Agi Giannikis oder auch Patrick Westermann vom Profibereich, wie auch Lukas Kwasniok aus dem Jugendbereich, um nur einen zu nennen, da werde ich immer Kontakt halten.

Und privat? Zu Thomas Kies, dem Ex-KSC-Profi?

Selbstverständlich. Thomas ist mein bester Freund. Er ist mein Trauzeuge. Er und seine Frau sind die Paten unserer Kinder - und umgekehrt. Wir werden definitiv weiterhin engen Kontakt haben.

Ihre Frau Katrin ist promovierte Sportwissenschaftlerin. Werden Sie da ab und zu mal um Hilfe bitten?

Walter (lacht): Meine Frau ist für mich eine wichtige Ratgeberin in allen Lebenslagen. Als ehemalige Hockeybundesligaspielerin ist sie darüber hinaus sehr versiert und interessiert in taktischen Dingen.

Gibt's in München schon Kontakte nach ganz oben – sprich: Zu Guardiola, Sammer oder Rummenigge?

Matthias Sammer und auch Michel Reschke habe ich schon kennen gelernt. Mit Herrn Guardiola werde ich sicherlich in den kommenden Wochen Kontakt haben.

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