Am gestrigen Dienstag hatte Lukas Kwasniok endlich die Zeit, um über die unerwartete Entwicklung der vergangenen Tage nachzudenken. Dem erfolgreichen U19-Coach des KSC flatterte ein enorm lukratives Angebot ins Haus. "Am vergangenen Mittwoch, auf der Rückreise von der Costa Brava, am letzten Tag des Familienurlaubs, erhielt ich den Anruf von Erzgebirge Aue. Am Tag danach führte ich schon das erste konstruktive Gespräch", erzählt Kwasniok, der dann ergänzt: "Der KSC war von Anfang an informiert!" 

Der Zweitligist Erzgebirge Aue will den ehemaligen Kapitän der deutschen U16-Nationalelf, der seine aktive Karriere schon Anfang 20 wegen mehrerer schweren Verletzungen beenden musste, als Cheftrainer.

KSC-Nachwuchscoach Lukas Kwasniok: "Ich brauche Spieler, die sich für den Verein zerreissen"
KSC-Nachwuchscoach Lukas Kwasniok: "Ich brauche Spieler, die sich für den Verein zerreissen" | Bild: M. Ripberger

Es liegt nun am Karlsruher SC

Kwasniok, der die U19 des KSC in der A-Junioren-Bundesliga auf einen überragenden fünften Rang führte, entschied sich für das Angebot aus Aue, bat beim den KSC-Verantwortlichen um Freigabe, denn sein Vertrag läuft im Wildpark noch bis 2019. "Ich bin mir mit Aue einig, die Vereine müssen eine Lösung finden: Das Heft des Handelns liegt in der Hand des KSC." 

Doch das könnte schwierig werden, denn angeblich hatte man anfangs im Wildpark eine Ablöseforderung von rund 500.000 Euro im Kopf. Viel Geld für den 36 Jahre alten, unerfahrenen Kwasniok, der allerdings beim Fußballlehrer-Lehrgang des DFB im März 2018 mit der Traumnote 1,0 abgeschlossen hat. Inzwischen soll man im Wildpark die Summe nach unten angepasst haben.

Karlsruhes Trainer Lukas Kwasniok gestikuliert.
Karlsruhes Trainer Lukas Kwasniok gestikuliert. | Bild: Uwe Anspach (dpa)

Kwasniok als Nachfolger von Aues Chefcoach Drews

Für Tim Walter, der vor drei Jahren vom KSC zu den Bayern München wechselte und dort die U19 übernahm, erhielt der KSC die Einnahmen eines Freundschaftsspieles, rund 250.000 Euro. Und: Aue hat für Domenico Tedesco, inzwischen erfolgreicher Trainer beim FC Schalke 04, "schlappe" 15.000 Euro nach Hoffenheim überwiesen. Fast logisch, dass der KSC weg von der halben Million ging, jetzt eine annehmbare Summe in den Raum geworfen haben soll.

Klappt der Deal, dann würde Kwasniok, dessen Familie weiterhin ihren Lebensmittelpunkt in Muggensturm hat, die Tradition von Jugendtrainern, die in Aue erfolgreich ins Profigeschäft einsteigen, fortsetzen. Nach Tedesco kam Hannes Drews, der war zuvor Coach in der Jugend von Holstein Kiel. Drews bat vergangene Woche, nach der erfolgreichen Relegation gegen den KSC, aus privaten Gründe um Vertragsauflösung.

Interims-Trainer Lukas Kwasniok
Interims-Trainer Lukas Kwasniok | Bild: M. Ripberger

"Großartige Chance, die mich sehr glücklich macht"

Das würde auch Kwasniok gerne machen. "Ich habe noch ein Jahr Vertrag und ich habe eine enorme Verbundenheit mit dem KSC. Aber: Die Chance eine Zweitligamannschaft zu trainieren ist großartig", so Kwasniok, aus dem es nur so heraussprudelt: "Ich bin ein überaus glücklicher Mensch. Und jetzt habe ich die Möglichkeit, einen Zweitligisten zu übernehmen, das könnte dazu führen, dass ich sehr, sehr glücklich werden könnte", sagte er, fügt sofort hinzu: "Gleichzeitig zählen für mich Werte wie Vertragstreue etwas, sie sind etwas sehr Wichtiges. Ich akzeptiere es total, dass der KSC das Bestmögliche herausholen will. Sollte es nicht klappen, dann werde ich als glücklicher Mensch weiterhin meinen Job beim KSC mit vollem Einsatz und Riesenfreude machen."

Dann blickt "Luki", wie er in seiner Zeit beim FC Rastatt 04 nur genannt wurde, ganz weit nach vorne. "Wenn Alois Schwartz nach 13, 14 Jahren toller Arbeit in Rente geht – gibt es vielleicht die Möglichkeit sein Nachfolger zu werden", sagt er. Von einem ist er absolut überzeugt: "Irgendwann geht für mich eine Tür nach oben auf. Dafür arbeite ich."

Beim KSC könnte Zlatan Bajramovic Nachfolger von Kwasniok werden. Denn: Nach Auflösung der U23 ist Bajramovic im Moment ohne konkreten Aufgabenbereich… Doch ob er diesen enorm zeitintensiven und nicht sonderlich guten Job annimmt?