Das heutige Bild zeigt, warum sich der KSC "Deutscher Meister"auf den Wimpel schreiben darf: Die Mannen von Phönix Karlsruhe sind am Ziel ihrer Träume - nach dem Finalsieg 1909 gegen Berlin!

Das Foto wurde unmittelbar nach dem Schlusspfiff in Breslau geschossen: Die Karlsruher hatten trotz frühem Rückstand das Match noch gedreht und mit 4:2 gewonnen - Tore: Beier, Noe (2), Leibold - und wurden noch auf dem Platz mit einem übergroßen Lorbeerkranz geehrt.

Lustig: Von dem Siegerfoto gibt es insgesamt drei Varianten, von denen zwei nicht optimal gelangen. Denn während sich auf der vorliegenden Abbildung "Ottl" Reiser (hinten, 2.v.li.) noch schnell den Schweiß aus dem Gesicht wischt (und dadurch kaum zu erkennen ist), schauen bei einer anderen Version fast alle Spieler zu Boden oder am Fotografen vorbei.

Interessant ist auch, dass Phönix-Goalie Otto Michaelis (hinten, 1.v.li.) schon sein berühmtes Outfit ausgezogen hatte - er trat fast immer im weißen Pullover und weißer Kappe an - und im Spieler-Trikot kaum als Torwächter identifiziert werden kann. Den Zuschauer mit hübscher Melone zwischen Robert Neumaier (hinten, 3.v.li.) und Arthur Beier (hinten, 4.v.li.)) scheint das jedenfalls prächtig zu amüsieren!

Der Endspielgegner von Viktoria Berlin war ein illustrer und gefürchteter Haufen: So traten die "Löwen von Mariendorf" nicht nur mit fünf Nationalspielern an, sondern auch mit Stürmern, die u.a. "die kleine Schießbude", das "Tier vor dem Tor" und "der kalte Tortöter" gerufen wurden! Der Berliner Schlussmann Paul Skranowitz galt zudem als Wundertorhüter - er soll jeden Elfmeter gehalten haben, weil er dem Schützen ansah, wo er hinschießen wollte.

Als Berlin 1907 im Meisterschaftsfinale gegen Freiburg angetreten war, ging das mächtig schief: Der Freiburger Professor Josef Glaser schoss seinen Elfer nach eigenen Angaben so schlecht (und mit geschlossenen Augen!), dass der Ball in die entgegen gesetzte Ecke ging – unhaltbar für Skranowitz.

Was für harte Burschen und Marathonläufer beide Finalisten waren, beweist eine kleine Episode über eine Reise der Berliner: "Viktoria hat in einer Woche fünf Spiele in Bern, St. Moritz und Teplitz mit einem Goalergebnis von 22:7 durchgeführt. Sie fuhren 70 Stunden in der Bahn, bestiegen an ihrem einzigen spielfreien Tage einen Gletscher und machten drei Feste mit", war die "Illustrierte Österreichische Sportzeitung" erstaunt. Fast unglaublich also, dass die Karlsruher nach 23-stündiger Bahnfahrt (!) bis nach Breslau noch die Kraft hatten, diese "Konditionsmaschinen" im Finale niederzukämpfen.

Laut Zeitungsannonce im "Breslauer Morgen-Anzeiger" kostete der Eintritt zur "Bundesmeisterschaft" (Deutsche Meister wurden offiziell erst ab1911 ermittelt!) zwischen 50 Pfennig und 1,50 Mark. Sitzplätze oder gar eine Tribüne wurden im Finale nicht geboten. Die Organisatoren vom DFB hatten es zur Ehrung der Sieger übrigens nicht weit. Der Schiedsrichter des Endspiels war nämlich kein geringerer als der "erste DFB-Vorsitzende Hinze". Sportlich, sportlich: 1908 hatte Duisburg im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft gestanden - mit (dem ziemlich beleibten) Gottfried Hinze als Torhüter zwischen den Pfosten!

"Die Deutschmeister. 1909 - eine vergessene Meisterschaft" von Thomas Alexander Staisch ist ab 30. Juni für 24,80 Euro im Handel erhältlich. Bei Bestellungen bis zum 18. Juni kostet es den Jubiläumspreis von 18,94 Euro. Das Buch erscheint beim BadnerBuch Verlag, ISBN 978-3-944635-09-5, Infos unter: www.facebook.com/diedeutschmeister und www.badnerbuch.de

120 Jahre Karlsruher FC Phönix 1894: Der Vorgängerverein des Karlsruher SC feiert am 6. Juni Jubiläum. Anlass für ka-news in der Vergangenheit zu graben. Ab Montag, 2. Juni, greifen wir daher in die historische Fotokiste: Täglich präsentieren wir Ihnen hier historische Fotos garniert mit spannenden Anekdoten aus der Geschichte des Karlsruher FC Phönix 1894. Reinschauen lohnt sich!

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