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Insekten und Spinnen
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Ernährung mit Insekten: Wie viel Protein haben sie?

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Ernährung mit Insekten: Wie viel Protein haben sie?

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    Mehl aus getrockneten Hausgrillen wird für das Verpacken vorbereitet.
    Mehl aus getrockneten Hausgrillen wird für das Verpacken vorbereitet. Foto: Visarut Sankham, dpa (Archivbild)

    Ob gebratene Heuschrecken am Straßenstand oder Proteinriegel aus Grillenmehl – in vielen Teilen der Welt sind Insekten längst fester Bestandteil des Speiseplans. In Deutschland hingegen sorgt der Gedanke daran bei vielen für Stirnrunzeln. Laut Verbraucherzentrale gilt der Verzehr hierzulande noch immer als ungewöhnlich. Dabei gehören Insekten für rund zwei Milliarden Menschen weltweit zur alltäglichen Ernährung, wie ein Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigt.

    Ein Grund dafür: Sie liefern erstaunlich viel Eiweiß – mehr als viele klassische Fleischsorten. In Regionen, in denen tierische Produkte knapp oder teuer sind, dienen Insekten oft als wichtige Proteinquellen. Doch wie viel steckt tatsächlich in ihnen – und wie gut ist dieses Eiweiß? Auch für Sportlerinnen und Sportler lohnt sich ein genauer Blick.

    Wie viel Protein steckt in Insekten?

    Wer nach alternativen Eiweißquellen sucht, stößt schnell auf Insekten – und das nicht ohne Grund. Laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) enthalten essbare Insektenarten zwischen 35 und 77 Prozent Protein – abhängig von Art und Entwicklungsstadium. Zum Vergleich: Klassische Fleischsorten wie Rind, Schwein oder Geflügel kommen laut SWR Marktcheck lediglich auf 20 bis 25 Prozent Eiweiß.

    Hinzu kommt: Insekten liefern nicht nur Eiweiß, sondern auch wertvolle Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und Mineralstoffe wie Eisen oder Zink. Laut SWR gibt es weltweit rund 2000 essbare Insektenarten. In der EU sind aktuell vier Arten als Lebensmittel zugelassen: Mehlkäfer, Hausgrillen, Wanderheuschrecken und Buffalowürmer. Sind Insekten in einem Produkt enthalten, muss das klar auf der Verpackung gekennzeichnet sein.

    Eiweiß in Bestform – besonders in Larven

    Ein genauerer Blick zeigt: Es sind vorwiegend bestimmte Insektenarten und Entwicklungsstadien, die besonders eiweißreich sind. Wie die Agrarforschung Schweiz belegt, steckt in den Larven der Schwarzen Soldatenfliege oder der Hausgrille besonders viel Eiweiß. Bei Grillen liegt der Anteil in der Trockenmasse bei bis zu zwei Dritteln – das ist vergleichbar mit hochwertigem Fischmehl oder Sojaprotein.

    Die Qualität macht den Unterschied

    Dabei zählt nicht nur, wie viel Protein enthalten ist – sondern auch, wie hochwertig es ist. Laut Agrarforschung Schweiz enthält Insektenprotein alle essenziellen Aminosäuren, die der menschliche Körper nicht selbst herstellen kann – darunter Lysin, Threonin und Isoleucin. Diese sogenannte „Vollständigkeit“ ist auch ein Qualitätsmerkmal anderer hochwertiger Eiweißquellen wie Hühnerei oder Soja.

    Besonders auffällig: Die Verdaulichkeit dieser Aminosäuren liegt laut Studie bei Tieren wie Hühnern oder Ferkeln meist über 80 Prozent. Das ist vergleichbar mit der Verwertbarkeit von Eiweiß aus Fleisch oder Fisch – ein klarer Hinweis auf die hohe biologische Wertigkeit von Insektenproteinen. Es kann also ähnlich gut vom Körper aufgenommen und verwertet werden wie klassische tierische Proteine.

    Muskelaufbau mit Grillenmehl 

    Auch in der Fitnesswelt wird Insektenprotein immer interessanter. Ein Beispiel ist das Start-up Mybugbar, das Proteinpulver auf Insektenbasis anbietet. In einem Produkttest auf Allround Athletics wurden drei Geschmacksrichtungen ausprobiert – mit überraschend positivem Fazit: Geschmack und Nährstoffprofil überzeugten die Testerinnen und Tester.

    Was im Alltag gut ankommt, lässt sich auch wissenschaftlich untermauern: Insektenprotein enthält alle essenziellen Aminosäuren, die für den Muskelaufbau notwendig sind, und weist eine hohe Bioverfügbarkeit auf. Eine Studie der Universität Maastricht zeigt, dass Protein aus Mehlwürmern hinsichtlich Verdauung, Absorption und Muskelproteinsynthese vergleichbar mit Milchprotein ist. Zudem liefert es wichtige Mikronährstoffe wie Eisen und Zink, die die Regeneration nach dem Training unterstützen.

    Noch ungewohnt – aber zunehmend präsenter

    Studien zeigen: Die Akzeptanz steigt deutlich, wenn Insekten „unsichtbar“ verarbeitet sind – etwa als Mehl in Brot oder Pasta. Eine systematische Übersichtsarbeit von Asmaa Alhujaili, Giuseppe Nocella und Anna Macready von der University of Reading kommt zu dem Schluss, dass verarbeitete Insektenprodukte – wie Riegel, Nudeln oder Snacks – von Konsumenten deutlich eher akzeptiert werden als ganze Insekten. Auch geschmacklich gibt es kaum Unterschiede: Insektenmehl hat meist einen mild-nussigen Geschmack und lässt sich vielseitig einsetzen. Wer also neugierig ist, kann den Einstieg niedrigschwellig wagen.

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